Störche erhalten ihren "Perso"

Echzell-Bingenheim (pm). Das Bingenheimer Ried ist eine Oase für Tiere: Frösche quaken, auf den Wiesen grasen Galloway-Rinder und auf mehreren Masten nisten Weißstörche. Deren Bestand nimmt jährlich zu. Jetzt wurde der Storchennachwuchs beringt und erhielt damit seinen "Personalausweis".

Zwischen 25 und 30 Störche sind im Ried zu Hause, schätzt Udo Seum von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Der Bestand nehme jährlich zu, seit die Pfosten als Brutplätze eingerichtet worden seien. Geholfen hat dabei die Ovag, die die Masten mit einem Unimog aufgestellt hat. Um zu wissen, wie sich der Bestand entwickelt, beringen Udo Seum und seine Kollegen die frisch geschlüpften Jungvögel: "Der Ring funktioniert wie ein Personalausweis. Er gibt Aufschluss über Alter, Abstammungsort und den Zeitraum ihres Aufenthaltes."

Für die Störche ist die routinemäßige Aktion unkompliziert: Mithilfe des Unimogs fährt Seum hinauf zum Nest. Die Storcheneltern fliegen davon und warten, bis der Fremde wieder am Boden ist. Seum befestigt am Bein der Jungvögel den Ring. Der Nachwuchs setzt sich nicht zur Wehr, sondern stellt sich einfach tot.

"Normalerweise kehren Jungvögel erst im dritten Lebensjahr zum Brüten zurück. Hier jedoch stellen wir fest, dass sie ein Jahr früher damit anfangen."

Störche können ihre Nistplätze im Prinzip selbst bauen, früher haben sie in Dörfern genistet: "Dort gab es genügend Nischen für die Tiere. Mittlerweile ist es innerhalb des Dorfes jedoch zu unruhig für sie geworden", sagt Udo Seum. Die Pfosten im Bingenheimer Ried stünden in einer attraktiven Landschaft: Das Ried ist ein Naturschutzgebiet mit hohen Grundwasserständen und mildem Klima. Mehrmals im Jahr ist es überschwemmt; im feuchten Boden tummeln sich Würmer, in den Wiesen Frösche, Mäuse und Insekten - reiche Beute also für die Weißstörche. "Früher war das nicht so", erzählt Seum, "aber wir haben das Ried "wiedervernässt". Das bedeutet, wir haben Wiesen aufgestaut und Gräben gezogen, in die Wasser einlaufen kann."

"Die Bindung an das Nest, in dem die Vögel brüten, ist sehr hoch. Deshalb wird das Männchen jedes Jahr wieder hierher kommen und auf demselben Mast brüten. Das Weibchen jedoch wechselt jährlich - fast so wie im richtigen Leben", ergänzt Udo Seum schmunzelnd.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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