Märchen-Potpourri der Echzeller Theatergruppe

Echzell (arc). Die Echzeller Theatergruppe feiert mit dem Märchen-Potpourri "Grimmskrams" in der Horlofftalhalle Premiere. Am kommenden Wochenende gibt es weitere Vorstellungen zu sehen.

Wenn Aschenputtel Tauben vergiften will, weil die ihre Hilfe beim Aussortieren der Linsen verweigern, kann mit dem Märchen irgendetwas nicht stimmen. Das merkt auch die eifersüchtige Stiefmutter, die Aschenputtel gerade den vergifteten Apfel andrehen wollte, als diese sie nach Gift fragt. Sie fühlt sich ertappt und weicht verdattert zurück, bis sie merkt, dass Aschenputtel "nur" die faulen Tauben vergiften will.

Überhaupt ist in dem Märchen "Grimmskrams" der Echzeller Theatergruppe, das am Sonntag in der Horlofftalhalle eine gelungene Premiere gefeiert hat, alles ein bisschen anders.

Denn Aschenputtel hatte vorher noch den Froschkönig gelinkt und zuvor als Dornröschen eine Zeit lang friedlich geschlummert – eine Zeit, die wohl alle genossen haben. Als der tapfere Prinz sie dann widerwillig wachküsst, fängt er sich eine Ohrfeige und den Kommentar der Prinzessin ein: "Kaum macht man mal ein Nickerchen, wird man von einem ekeligen Prinzen abgeschlabbert."

Hans im Glück arbeitet als gutmütiger, einfältiger Bühnenassistent, und der gestiefelte Kater sowie die sieben Geislein dürfen auch nicht fehlen, die Hexe mit Hänsel, Gretel und Feen (darunter Charlotte Müller) ebenso wenig.

Irgendwie läuft alles ziemlich durcheinander, bei der Theateraufführung der Brüder Grimm. Das mag daran liegen, dass der Hase (Chloé Cerri) auf der Suche nach dem Igel Wilhelm Grimm mehrfach über den Haufen rennt, dem deshalb sein dicker Märchenschinken durcheinander kommt. Zu allem Unglück hat sich der Kostümlaster verfahren, außerdem wurde über Nacht die Kasse geklaut. Deshalb muss nun überall improvisiert und gespart werden. Dazu noch das Chaos der miteinander verquirlten Geschichten.

Das wilde Durcheinander der Märchen, die dann am Ende irgendwie doch nur ein einziges ergeben, erinnert ein bisschen an die Welt des Kinohelden Shrek: Alles ist drin, nur anders als erwartet. Die Märchen wurden von Joe "XXX" Graf nicht nur vermischt, sondern auch in den modernen Sprachgebrauch übertragen. Ein bisschen Comedy, ein bisschen Sprachwitz und viele kleine Details, die man oft nur im Augenwinkel wahrnimmt.

Das Märchen-Potpourri ist alles, nur nicht ruhig und beschaulich. An manchen besonders lauten, schrillen oder skurrilen Passagen fühlt man sich an die Regieführung des Ex-Monty-Python Terry Gilliam erinnert.

Wer also die beschauliche Märchenstimmung hinter sich lassen kann, sich gerne überraschen lässt, kreative Ideen und schrägen Humor mag, ist mit der diesjährigen Produktion "Grimmskrams" der Theatergruppe Echzell bestens bedient. Auch wenn viele Passagen vor allem Erwachsene anzusprechen schienen, blieben die Kinder während der zweieinhalbstündigen Vorstellung stets ruhig und gespannt der Bühne zugewandt.

Während also die Brüder Grimm (Christian von Struve und Detlef Maresch) versuchen zu retten, was bei verdrehten Texten, fehlenden Kostümen und ohne Geld zu retten ist, wird auch noch ein Schauspieler krank. Der "Ersatz"-König (Andreas Klein) spielt sonst nur das Pferd des Prinzen und hat deshalb mit dem Lernen des Textes leichte Probleme. Da Königin (Natalie Tomasic) widerwillig ihr Lebenslicht aushaucht, wächst ihre Tochter (Julia Wynohradnyk) als Halbwaise auf.

Allerdings ist es unmöglich, sie mit einem Prinzen zu verkuppeln, so dass der König auf der Suche nach einem männlichen Stammhalter sich darauf einlässt, erneut auf Brautschau zu gehen. Bühnenassistent Hans im Glück (Jürgen Scheibel), schwatzt ihm auch gleich seine Schwester (Natalie Tomasic) auf, und die Mutter der beiden (Jessica Zeidler) macht sogleich Druck bei der Terminierung der Hochzeit. Dazu muss sie dem Monarchen allerdings vorflunkern, ihre Tochter könne Stroh zu Gold spinnen, was diese natürlich nicht kann und deshalb Rumpelstilzchen (Sille Graf) um Hilfe bittet. Als Gegenleistung verspricht sie ihm das erste Kind. Was niemand weiß: Es hat bereits zwei Kinder. Nämlich Hänsel (Kevin Hergenröther) und Gretel (Lea Stoll), die durchs Land ziehen, um Hexen zu verbrennen und ihnen den Hexenschatz zu rauben.

Nachdem also die Prinzessin wachgeküsst worden war und nicht nur den Prinzen (Adam Michniewicz) abgewiesen, sondern auch den Froschkönig (Paul F. Deubel) hereingelegt hatte, muss sie zur Strafe ein rotes Käppchen aufsetzen und zur Oma in den Wald gehen. Diese war zuvor vom coolen Wolf (Joe "XXX" Graf) gefressen worden. Auch die Prinzessin lässt er sich dann schmecken. Doch da eilt schon Hans im Glück herbei, der dem Wolf mit einem Sägefisch den Bauch aufschneidet. Als dieser dann schon mal offen ist, entsteigen auch gleich die sieben Geislein (Lina Clara Graf, Sebastian Holler, Paul F. Deubel, Anna Schermuly, Alexandra Keup, Larissa Pusch und Lilli Zeidler) den Eingeweiden und werden von ihrer Ziegenmutter (Tamy Johnson) fröhlich empfangen. Der geplante Hochzeitstermin des Königs kann daher aber nicht eingehalten werden, denn das tapfere Schneiderlein (Anna Schermuly) muss zuerst den Wolfspelz flicken, bevor es ans Brautkleid gehen kann. Dazu kommt es jedoch nicht, weil der Schneider kurz darauf die sieben Fliegen (Quentin Tomasic u. a.) erschlägt und deshalb als Held in die Welt zeht.

Ob es trotzdem noch zu einer Traumhochzeit kommt? Oder sogar einer Doppel- oder Triple-Hochzeit? Wer das Geheimnis lüften will, hat dazu am kommenden Wochenende Gelegenheit. "Grimmskrams" wird in der Horlofftalhalle am Samstag, 3. Dezember, um 15 und 19 Uhr noch einmal aufgeführt, sowie am Sonntag, 4. Dezember, um 15 Uhr.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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