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Dieter Koburger hat sein Auto vor seinem Haus geparkt, sichert es zusätzlich mit Leitkegeln. Die Erschütterungen sollen so zurückgehen.

Gegen Risse und für Ruhe: Dieter Koburger will kämpfen

Echzell-Bingenheim (kai). Dieter Koburger ärgert sich. An seinem 29 Jahre alten Haus entdeckt er immer mehr Risse. Die Schuld dafür gibt er den Lastern, die über die marode Raunstraße vor seiner Haustür in Bingenheim brettern.

Brettern Laster über die Bingenheimer Raunstraße, spürt Dieter Koburger das, wenn er daheim ist: "Auf den Schreibtischen wackeln die Bildschirme, die Gläser in den Schränken haben wir auseinander gestellt". Den Takt, in dem die Laster an seinem Haus vorbeirauschen, kennt er in- und auswendig. "Morgens um 5.10 Uhr geht es los, bis abends um 16.45 Uhr."

Typisch für Oberhessen steht Koburgers Heim direkt an der Straße, eineinhalb Meter trennen es vom Verkehr. Immer mehr Risse entdeckt Koburger an seinem Haus. Seit sechs Jahren beschwert er sich bei den Behörden: Hessen-Mobil, Kreis und Gemeinde. Der frühere Bürgermeister Dieter Müller habe nichts unternommen. Der neue Bürgermeister schon. "Mogk und sein Team bemühen sich, sind engagiert, um uns zu helfen", lobt Koburger.

Auf Nachfrage betont Wilfried Mogk, wie wichtig ihm die Sicherheit an der Bingenheimer Ortsdurchfahrt sei: "Es ist mir ein großes Anliegen, dass der Verkehr beruhigt wird, auch wegen der Menschen, die ihr Zuhause in der Lebensgemeinschaft haben." Seit einem Jahr werde der Verkehr regelmäßig kontrolliert, eine Blackbox zeichne derzeit den Verkehrsfluss auf. Inzwischen laufe zudem der dritte Versuch, Parkbuchten zu installieren und Tempo 30 für Lastwagen durchzusetzen, zählt Mogk auf.

Hessen-Mobil: Kein Zusammenhang

Der Straßenverkehrsbehörde Hessen-Mobil sind die Beschwerden der Koburgers und ihrer Nachbarn bekannt. Die Behörde ließ ein Gutachten erstellen. "Das ist nichtssagend", meint Dieter Koburgers Sohn Kai. Vor zwei Jahren seien im Haus Erschütterungsmessungen gemacht worden. "Seither hat sich die Situation zunehmend verschlechtert."

Alexander Pilz, Regionalbevollmächtigter bei Hessen-Mobil, sagt, die von den Anliegern beobachteten Schäden an den Häusern stünden nicht in Zusammenhang mit dem Verkehr. Die Risse müssten auf andere Ursachen als auf den Lkw-Verkehr zurückzuführen sein. Pilz räumt ein, der Streckenabschnitt der Raunstraße sei in keinem guten Zustand, könne aber nicht als gravierend schlecht eingestuft werden. Querrisse in der Straße seien mit Bitumen verschlossen. "Wir sehen keinen Handlungsbedarf", sagt Pilz. Dass der Verkehr in den Häusern zu spüren ist, sei klar. An Ortsdurchfahrten seien die Straßen besonders beansprucht. Straßendecken würden geöffnet, um Versorgungsleitungen zu verlegen, zu reparieren, Hausanschlüsse zu erneuern, was zu Schäden führe. Sollte es zu einer Sanierung der Raunstraße kommen, müsse die Gemeinde mit im Boot sein, da Hessen-Mobil lediglich für die Straße, nicht aber für die Bürgersteige zuständig ist.

Bisher sei nicht bekannt, dass die Gemeinde sich für die Erneuerung der Straße stark mache.

Koburger und seine Nachbarn hoffen, dass bald etwas geschieht. Bis dahin, behilft sich der Bingenheimer selbst: Er parkt sein Auto auf der Straße, sichert es zusätzlich mit Leitkegeln. "Seit ich das mache, ist es ruhiger, die Erschütterungen gehen zurück."

Nachbarin Birgit Maul ist kreativ geworden: Sie hat den Baum vor ihrem Haus mit Schildchen geschmückt, die Tempo 30 für Laster fordern.

Enttäuscht ist Koburger, dass die Behörden wenig Verständnis für Menschen zeigten, die an den Hauptstraßen in den Dörfern wohnten. Einerseits werde darüber nachgedacht, das Leben auf dem Land attraktiver zu machen, gegen Landflucht anzugehen, andererseits treibe der tägliche Verkehrslärm die Menschen von den dörflichen Lebensadern weg. "Wenn nicht bald etwas geschieht, verkaufe ich mein Haus und suche mir eine ruhigere Wohngegend", sagt er. Zuvor will Koburger für sein Heim kämpfen: Er plant, Unterschriften zu sammeln, will weiter informieren, sucht das Gespräch mit den Behörden, investiert in ein eigenes Gutachten zu den Rissen.

"Wir müssen Druck aufbauen", gibt er sich optimistisch. "Die Situation ist frustrierend", ergänzt sein Sohn.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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