Von Echzell nach Minsk: Katharina Telwa lebt für ein Jahr in Belarus

Echzell (lk). Neun Monate ist es her, dass die WZ über Katharina Telwa berichtet hat, die für ein freiwilliges soziales Jahr den Sprung von Echzell in die Ferne wagte.

: Mit dem Programm "Weltwärts" ging es in die weißrussische Hauptstadt Minsk, wo die 19-jährige Abiturientin mit behinderten Kindern und Jugendlichen arbeitet. Im August kommt sie zurück in die Wetterau. Mittlerweile weiß sie auch, was sie studieren will: European Studies. Zudem will Katharina Telwa weiterhin Russisch lernen. Das ist der Echzellerin wichtig. Schließlich hat sie sich bereits wegen ihrer Wurzeln und Sprachkenntnisse für ein russischsprachiges Land entschieden. Einige Erlebnisse und Eindrücke von ihrer Zeit im Ausland hat sie festgehalten.

Ein Jahr in Belarus. Ein Land, über das ich vorher nicht allzu viel wusste. Nun ja, ich hab mir es ehrlich gesagt wie Russland vorgestellt. Doch es ist vollkommen anders.

Die Ankunft in Minsk war sehr herzlich. Mein Mentor und mein Mitbewohner haben sich viel Mühe damit gegeben, mir den Start so problemlos wie möglich zu gestalten. Glücklicherweise habe ich hier auch andere Freiwillige aus Deutschland kennengelernt, die mittlerweile zu Freunden geworden sind. Natürlich war die erste Zeit hier trotzdem sehr gewöhnungsbedürftig. Meine Wohnsituation ist einfach, unsere Möbel sehr alt und Luxusartikel wie Waschmaschine, Mikrowelle oder Radio sind nicht vorhanden. Die erste Zeit war ich doch ziemlich damit beschäftigt, mich an die neue Situation zu gewöhnen.

Nach drei Wochen in Belarus begann meine Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Doch die lief anders als erwartet: Durch meine Vorkenntnisse in Russisch bat die Chefin mich darum, ihren 30-jährigen Sohn zu betreuen, der autistisch ist. Die Arbeit war sehr schwierig, weil er oft einfach nur dagesessen hat und ich nicht wirklich etwas für ihn tun konnte. Die Situation hat mich sehr geärgert, weil ich nicht als Kindermädchen für nur einen Menschen nach Belarus gekommen bin. Aber da es das Kind der Chefin war, konnte ich mich nur schwer überwinden, mich bei ihr zu beklagen.

Nach drei Monaten fasste ich Mut und erklärte ihr meine Unzufriedenheit. Schon davor hatte ich mir andere Projekte gesucht. Ich hatte Erfolg. Nun arbeite ich mittlerweile in vier verschiedenen Projekten. Ich besuche zwei Kinder zu Hause, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung und gehe jede Woche einen Tag ins Minsker Kinderhospiz. Zurzeit bin ich wirklich zufrieden und unheimlich glücklich in diesem Land. Ich habe viele Möglichkeiten, mich zu entfalten. Beruflich bin ich täglich für verschiedene Aufgaben zuständig und privat habe ich genug Zeit, Leute und Kultur näher kennen zu lernen.

Selbst für kleine Reisen war Zeit. Ich konnte einige Orte in Belarus sehen, war in der Ukraine, in Moldawien und Litauen. Das Reisen ist hier sehr günstig und jedes Mal ein Abenteuer, da man im Zug immer interessante Menschen treffen kann.

Nur eine Sache ist wirklich schade: Dass mittlerweile schon neun Monate vergangen sind und ich langsam an die Rückkehr denken muss.

Doch zum Glück habe ich bis dahin noch viel zu tun: Im Sommer finden viele Projekte im Freien statt, beispielsweise ein Sommerlager für Kinder des Internats "Novinki" in Minsk. Dort leben 160 Kinder mit unterschiedlichen geistigen und körperlichen Behinderungen in einem zu kleinen Gebäude. Da es nicht genug Erzieher und Pädagogen gibt, ist der Alltag oft sehr trist und es gibt wenig Abwechslung. Seit einigen Jahren organisieren die Freiwilligen deshalb immer ein Sommerlager, wo die Kinder 1:1-Betreuung durch die Freiwilligen bekommen. Für die Kinder ist das Lager der Höhepunkt des Jahres, schon im Winter fragen sie, wann es losgeht.

Organisiert wird das ganze vom Verein "Kanikuli", dessen Mitglieder ehemalige Freiwillige sind. Der Verein finanziert sich komplett über Spenden. Dieses Jahr ist die Finanzlage sehr schwierig - wenn jemand also interessiert ist, auf www.kanikuli-ev.de sind auch kleine Spenden willkommen. Katharina Telwa

Quelle: Wetterauer Zeitung

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