Wetterauer Jugendarbeit geprägt

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Dem Vorurteil, die Jugend von heute sei desinteressiert, weiß Wilfried Paatsch einiges entgegenzusetzen. Er muss es wissen: Der 66-Jährige hat die Jugendarbeit im Wetteraukreis über viele Jahre mitgeprägt. Nach drei Jahrzehnten geht er nun in den Ruhestand.

Dem Vorurteil, die Jugend von heute sei desinteressiert, weiß Wilfried Paatsch einiges entgegenzusetzen. Er muss es wissen: Der 66-Jährige hat die Jugendarbeit im Wetteraukreis über viele Jahre mitgeprägt. Nach drei Jahrzehnten geht er nun in den Ruhestand.

"Die jungen Leute von heute sind hellwach und politisch engagiert", sagt Paatsch. Das sei vor mehr als 30 Jahren nicht anders als heute gewesen. Paatsch, Jahrgang 1953, geboren in Bad Hersfeld, begann mit 14 eine Lehre zum Dreher, mit 17 war er ausgebildeter Facharbeiter. Er hatte einen Beruf, aber seine Berufung noch nicht gefunden. An der Abendschule machte er die Mittlere Reife nach mit dem Ziel, Techniker zu werden. An der Fachoberschule reifte der Wunsch, Maschinenbau zu studieren, doch dann kam die Bundeswehr dazwischen. Als Leistungsschwimmer kam er mit der Jugendarbeit der DLRG in Berührung. Hier fand er das, was er eigentlich machen wollte: mit jungen Menschen arbeiten. "Das hat mir mehr Freude bereitet als die Arbeit mit Metall."

Nach der Bundeswehr nahm Wilfried Paatsch ein Sozialpädagogik-Studium auf und bewarb sich nach dem Anerkennungsjahr beim Wetteraukreis. Am 1. Juni 1985 trat er seinen Dienst im dortigen Jugendbildungswerk an. "Die Themen waren damals gar nicht so anders als heute. Wir haben Bildungsurlaube angeboten mit dem Schwerpunkt Ökologie. Da ging es ins Wattenmeer oder in die Alpen. Das war auch die Zeit, in der es ökologische Flussfahrten auf der Lahn gab. Die gibt es noch heute, allerdings mit einem anderen Tenor, nicht mehr als Bildungsurlaub, sondern als Erlebnisfreizeit für Jugendliche", berichtet Paatsch.

Ein weiterer Schwerpunkt sei schon Anfang der 90er Jahre das Thema Rechtsextremismus gewesen. Ende der 90er kam die stärkere Zusammenarbeit mit den Schulen hinzu. Zielgruppe waren Jugendliche ohne Hauptschulabschluss. Diesen Themenbereich gibt es heute auch noch, er firmiert unter Jugendberufshilfe. "Wir haben damals eine erfolgreiche Arbeit und jungen Leuten Mut gemacht, trotz ihrer schlechten Erfahrungen mit der Schule motiviert zu bleiben und auch nach Rückschlägen weiterzumachen und den Schulabschluss anzustreben."

Mit den fünften und sechsten Klassen in Haupt-, Real- und Gesamtschulen wurden Klassenfahrten zur Gewaltprävention unternommen. "Das hat auch ungemein den Klassenzusammenhalt gestärkt."

Ende der 90er übernahm Paatsch auch Aufgaben im Bereich der Jugendpflege. Das Freizeitprogramm erarbeitete er zusammen mit den Kommunen. Er ist von kurzzeitpädagogischen Angeboten überzeugt: "Die sind sehr nachhaltig. Gerade die Erfahrung des sozialen Lernens von Kindern und Jugendlichen ohne ihre Eltern ist sehr prägend."

Auf die Frage, ob Jugendliche heute anders sind als vor 30 Jahren, muss Paatsch nicht lange überlegen. "Nein. Es sind junge Leute in einem bestimmten Alter, in einem bestimmten Reifeprozess, die ihre persönlichen Erfahrungen mit einbringen. Was aber sich verändert hat, sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Eltern, Kinder und Jugendliche".

Ähnliche Themen, neue Technik

Geändert haben sich auch die Angebote: Heute gibt es handyfreie Freizeiten mit recht anspruchsvolle Touren. "Die jungen Leute finden es zu Beginn überhaupt nicht cool, auch einmal ohne soziale Medien auszukommen und nicht ständig erreichbar zu sein." Es dauere in der Regel aber nicht lange, bis sich die Teilnehmer auf die "Offline"-Situation eingestellt haben. Andere Themen werden ebenfalls noch bearbeitet, freilich mit anderer Technik. Hat man in den 80ern mit unhandlichen und schweren Videokameras Filme gedreht, so liefern heute Smartphone oder Tablet beindruckende Bilder.

Wilfried Paatsch hat jetzt mehr Zeit zum Wandern im Taunus und Vogelsberg. Von seiner Heimatstadt Butzbach hat er es nicht weit. Radreisen stehen an. 2008 ist er alleine von Oslo ans Nordkap geradelt. "Ein wunderbares Erlebnis, ein solch großes und ruhiges Land zu durchradeln." Reisen mit dem Camper stehen an. Und er will mehr Sport machen und Radfahren mit Ehefrau Gunda.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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