Sommer-Ausstellung im Museum dreht sich um die 1960er Jahre

Butzbach (bd). Sehr gut besucht war am Dienstagabend der Beginn der von Antje Sauerbier zusammengestellten Ausstellung "Hippies, Hochhäuser, Hausberg-Radar!" im Museum. Gezeigt werden die "Roaring Sixties", das Zeitalter nach dem Wirtschaftswunder. Bis zum 4. September können die Besucher teilhaben an der Entwicklung des Lebens in der wichtigsten Stadt der nördlichen Wetterau, die sich gerade in diesen Jahren anschickte, das industrielle Zentrum einer ganzen Region zu werden.

Über zwei Ränge verteilt saß und stand das Publikum, als die Butzbacherin Manja Treue (Gesang) und Pianistin Ute Mann (Gießen) die Eröffnung mit Hit-Balladen aus den Sechzigern umrahmten. Bürgermeister Michael Merle sprach in seinem Grußwort von einer "mit unerhörtem Fleiß und Akribie zusammengetragenen und maßgeschneiderten Ausstellung, wie sie in Butzbach bislang noch nicht gezeigt worden sei.

Die Ausstellung versuche, so Museumsleiter Dr. Dieter Wolf, ganz unterschiedliche Aspekte abzubilden: Den steilen wirtschaftlichen Aufstieg Butzbachs, die Entwicklung des Technologie- und Wirtschaftsstandorts, das bauliche Wachstum jenseits der Main-Weser-Bahn, den veränderten Lebensstil, den ausufernden Verkehr, die Rolle der Amerikaner, die Entwicklung der Kriminalität, die Abkehr vom Konservativen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das neue Lebensgefühl der Jugend.

Geschildert werde ein Umbruch, der sich in Butzbach auf eigene Weise vollzogen habe. Das Ende des Jahrzehnts markiere einen Aufbruch in eine unruhiger und ungewisser werdende Zukunft. Die erste spürbare Rezession in den Jahren 1966/67 habe eine Zäsur gesetzt. Gleichzeitig habe die erzwungene Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit mit dem Begriff von persönlicher Unschuld aufgeräumt. Mit dem Ende der Regierungszeit Adenauers und der ersten schwarz-gelben Koalition habe mit der Kanzlerschaft Willy Brandts eine Zeit der politischen Neuordnung und Selbstfindung auch in der Provinz begonnen.

Die Ausstellung zeige unzählige Fotos und Textpassagen, dank zahlreicher Leihgeber auch eine Unmenge von Alltagsgegenständen aus der damaligen Zeit, Wohnungseinrichtungen und Schallplattensammlungen.

Christine Borchers-Fanslau vom Freundes- und Förderkreis des Museums warb auch für die Ausstellung, bevor die stellvertretende Museumsleiterin Antje Sauerbier mit einer längeren Einführung den großen Bogen zwischen der großen Welt draußen und dem kleinen Kosmos Butzbach spannte.

Nicht unerwähnt blieben zwei Daten: Am Sonntag, 19. Juni, gibt es im Museum einen Frühschoppen im Stil der sechziger Jahre mit Diashow, Oldtimern vor dem Haus und der Musik der ersten Weidigschul-Band "the d-pennts". Und am 20. August folgt ein ebenfalls historisches Museumsfest mit der Butzbacher Feuerwehrkapelle.

Geöffnet ist das Museum (und damit auch die Ausstellung) dienstags bis freitags und sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags nachmittags.

Zur Ausstellung sind im Museum zwei Bücher von Antje Sauerbier erhältlich: "Eine Kleinstadt zwischen Panzern und Petticoats. Die bewegten fünfziger Jahre in Butzbach" (123 Seiten, 18 Euro) und "Hippies, Hochhäuser, Hausberg-Radar! - Butzbach an der Schwelle zur Moderne" (268 Seiten. 24,80 Euro).

Quelle: Wetterauer Zeitung

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