Mahnwache vor dem Aldi-Zentrallager am Sonntagabend: Auch Kreis-Gießener Landwirte sind gekommen. FOTO: HAUSMANNS
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Mahnwache vor dem Aldi-Zentrallager am Sonntagabend: Auch Kreis-Gießener Landwirte sind gekommen. FOTO: HAUSMANNS

Mahnwache der Milchbauern

  • vonAnnette Hausmanns
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Butzbach/Gießen(hau). Sonntagabend im Butzbacher Gewerbegebiet. Orangefarbene Blinklichter rotieren auf rund 50 Traktoren. Ordentlich aufgereiht stehen sie vor dem Zentrallager von Aldi Süd, von wo auch die Geschäfte im Kreis Gießen beliefert werden.

Die Landwirte aus der Region sind spontan zur Mahnwache zusammenkamen. Stephanie Schreiner ist eine von ihnen. In Laubach-Altenhain führt sie einen Milchviehbetrieb mit 100 Kühen und Bullenmast und engagiert sich im bundesweiten Landwirte-Verbund "Land schafft Verbindung". Wie alle an diesem Abend ist die junge Landwirtin in großer Sorge.

Auslöser für den stillen Protest sind Meldungen über die jüngsten Verhandlungen über die Milcheinkaufspreise zwischen Aldi und den Molkereien: Der Konzern, und hier erstmals die beiden Aldi-Töchter Nord und Süd gemeinsam, habe die Verhandlungen für die Halbjahres-Kontrakte für die "weiße Linie" (Milch und ihre Produkte) um vier Wochen vorgezogen. Aldi habe angedeutet, auf dem, indirekt auch durch das Coronavirus geschwächten Weltmarkt unter anderem die Milchpreise senken zu wollen, erklären die stillen Protestler.

"Wir stehen für nachhaltiges, umweltbewusstes Wirtschaften, das gibt es nicht zum Schleuderpreis", sagen die empörten Landwirte. "Wir geben die Milch doch jetzt schon unter den Produktionskosten ab", führen die Milchbauern vor Augen und fordern höhere Preise. Als kostendeckend würden 40 Cent pro Liter kalkuliert, derzeit bekomme er 33,2 Cent inklusive Zulagen, erzählt der Nieder-Weiseler Landwirt Thorsten Adami. Alles dürfe heute erheblich was kosten, sinnieren die Landwirte, "aber Nahrungsmittel müssen billig sein", fehlt den Produzenten das Verständnis.

Die Landwirte betonen, dass immense Summen zum großen Teil längst und auf lange Sicht investiert seien. Einwandfreie Produkte und das Tierwohl lägen ihnen am Herzen. Über Generationen hätten sie ihre Betriebe aufgebaut.

Viele Betriebe stünden angesichts der Aldi-Marktmacht hilflos mit dem Rücken zur Wand, schätzt Landwirt Roger Möckel die Lage im Gespräch mit dieser Zeitung ein. Investitionen in Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder Tierwohl könnten aber nur funktionieren, wenn alle gemeinsam dafür Sorge trügen, dass das dafür benötigte Geld auch auf die Höfe komme. "Wir wollen nur fair behandelt werden", betont der Landwirt, "und wir versuchen, im Dialog zu bleiben."

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