Hinter dem Hoftor verbirgt sich eine Menge Arbeit. Teile des Anwesens in Hoch-Weisel sind mehrere Hundert Jahre alt - und sanierungsbedürftig.
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Hinter dem Hoftor verbirgt sich eine Menge Arbeit. Teile des Anwesens in Hoch-Weisel sind mehrere Hundert Jahre alt - und sanierungsbedürftig.

Alte Orte

„Ein Stück Lebensphilosophie“: Alex Czempin saniert altes Anwesen in Hoch-Weisel

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Es hat von Anfang an gepasst. Und nach über zwei Jahren auf der Baustelle in Hoch-Weisel (Butzbach) kann Alex Czempin sagen: Bisher hat sich alles gut gefügt. Der Ilbenstädter arbeitet täglich daran, den Hof „aufzuhübschen“ - entgegen der Bedenken, die es zu Beginn gab.

Butzbach – Alex Czempin nennt es Urlaub. »Am Fuße des Hausbergs.« Dort, in einem alten Gehöft in der Backhausstraße in Hoch-Weisel, ist er seit einigen Monaten täglich an der Arbeit. Klar, sagt er, »ich könnte mir auch vorstellen, die Welt zu bereisen«. Aber, er winkt ab: »Das hier ist ein Stück Lebensphilosophie. Ich mache Urlaub auf der Baustelle.«

Das hat der Ilbenstädter schon oft in seinem Leben gemacht. Zum Beispiel in Assenheim. Dort hat er vor einigen Jahren die verfallene Probstei im Ortskern saniert. Sieben Jahre hat er dort gearbeitet - mit dem Ziel, den historischen Charakter zu erhalten. Er nutzte Werkstoffe und Techniken vergangener Jahrhunderte und kombinierte sie mit moderner Technik. In einem anderen Sanierungsprojekt richtete er einen alten Bauernhof in Frankreich her. Oder den Wirtschaftshof im Kloster in Ilbenstadt. Als Czempin seine Arbeit an diesen Orten beendet hatte, suchte er eine neue Herausforderung.

Sanierungsprojekt in Butzbach: Wohnhaus aus dem 16. oder 17. Jahrhundert

Nun hat es ihn nach Hoch-Weisel verschlagen. Einige Zeit schon arbeitet er auf dem Hof. »Bei Teilen des Hauses ist es mir ein Rätsel, wie sie noch stehen konnten.« Doch inzwischen ist alles stabil - die Fußböden, die Decken. Die Dächer sind gedeckt, die meisten Wände gedämmt.

Neben dem Wohnhaus gibt es auf dem Hof noch ein ehemaliges Stallgebäude sowie eine Scheune. Am Balken über deren Tor hat sich einer der früheren Besitzer verewigt: »Konrad Imbescheid« steht dort. Und das Baujahr: 1848. »Er war Schäfer. Zu seinen besten Zeiten hatte er 120 Schafe«, sagt Czempin. Unterlagen, die er im Haus gefunden hat, erzählen davon. Alte Briefe, Schreiben vom Finanzamt aus dem frühen 20. Jahrhundert, Sparbücher. Ein Gesamtbild lässt sich daraus aber nicht zeichnen - dafür sind die Informationen zu lückenhaft. Das Wohnhaus selbst ist älter; wer sich wie Czempin mit alten Häusern auskennt, findet die Hinweise darauf in der Bauart und in den Materialien. 16., 17. Jahrhundert, schätzt Czempin.

Sanierungsprojekt in Butzbach: Versteckten Brunnen gefunden

Das ist eine Sache, die alte Gebäude so faszinierend macht. Immer wieder taucht etwas »neues« Altes auf. So war es zum Beispiel mit dem Brunnen. Czempin war schon eine Weile auf dem Hof beschäftigt, vor allem damit, die Räume auszuräumen. Ein Hoch-Weiseler vom Geschichtsverein kam vorbei und hatte alte Pläne dabei. Darin war ein Brunnen eingezeichnet. Czempin suchte danach - und fand das Loch unter einer Steinplatte. In zehn, elf Metern Tiefe steht Wasser. Der Brunnen muss alt sein. Wie alt, lässt sich nicht sagen. »Das Erste, was Menschen gemacht haben, wenn sie sich niedergelassen haben: Sie haben einen Brunnen gegraben.«

Am Anfang, als Alex Czempin mit den Arbeiten auf dem Hof begonnen hat, seien einige skeptisch gewesen. Weil viele sagten, das Anwesen sei nicht mehr zu retten. Czempin sah das anders. »Ich sehe die Arbeit, aber mich schreckt das nicht ab.« Inzwischen sei das Schwierigste geschafft - die Denkarbeit. Nun müsse nur noch umgesetzt werden, was mehr oder weniger konkret geplant ist.

„Sinnstiftendes“ Sanierungsprojekt in Butzbach: Ein neuer Wohnort

Warum er all die Zeit und Energie in solche Projekte steckt? »Was macht man sonst im Leben, wenn nicht etwas Sinnstiftendes?« Es sei einerseits seine Leidenschaft, sein Hobby. Andererseits sein Beruf - »und meine Berufung«. »Ich kann das machen, was auf dem freien Markt nicht geht: kreativ sein, werkübergreifend arbeiten.« Vor allem: »Freude haben.« Und: »Wenn man dann am Ende Leute hat, die das hier nutzen, ist es ein Rundumschlag.«

Fragen danach, wie lange er brauchen wird, bis es fertig ist, beantwortet er grundsätzlich nicht gerne. Weil es im Moment keine Rolle spielt, und weil immer etwas dazwischenkommen kann. »Es wird irgendwann fertig sein.« Wie es dann aussehen wird, weiß er ungefähr. Er zeigt die spätere Raumaufteilung der Scheune - und hat dabei mögliche Nutzungen im Kopf. Der Hof werde so aufgeteilt sein, dass dort mehrere Menschen wohnen können. Denn, sagt Czempin: Unser heutiger Lebensstil - die Kleinfamilie mit Eigenheim im Neubaugebiet und rechteckigem Garten - verändert sich. Und damit die Arten des Zusammenlebens und von Gemeinschaft.

Hier in der Wetterau, sagt Czempin, gibt es noch viele Dörfer - »die kleinste Einheit gesellschaftlichen Lebens«. Eines davon liegt am Fuße des Hausbergs - der Ilbenstädter macht dort »Baustellenurlaub«. Und ist »drauf und dran, den Hof wieder aufzuhübschen. Dann wird auch wieder Leben einkehren.« (sd)

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