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Auch für Jungs: Riesenspaß mit kleinen Flitzern

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Butzbach (en). Viele große, aber zu abendlicher Stunde keine kleinen Spielzeugauto-Fans begrüßte die stellvertretende Leiterin des Butzbacher Museums, Antje Sauerbier, am Dienstag zur Eröffnung der Sonderausstellung in Sachen »Geschichte des Spielzeugautos«.

Butzbach (en). Viele große, aber zu abendlicher Stunde keine kleinen Spielzeugauto-Fans begrüßte die stellvertretende Leiterin des Butzbacher Museums, Antje Sauerbier, am Dienstag zur Eröffnung der Sonderausstellung in Sachen »Geschichte des Spielzeugautos«.

Bis sie beim ersten Rundgang durch die Schau begutachtet wurden, mussten die kleinen Flitzer freilich noch einen Moment warten in ihren Vitrinen, in denen sie Stoßstange an Stoßstange Platz genommen hatten. Denn Antje Sauerbier wusste einiges zu erzählen aus der Geschichte des Spielzeugs, das zumindest jeder Junge (und sicher auch fast jedes Mädchen) schon einmal mit einem Schubs in die andere Ecke des Zimmers hat sausen lassen.

Bei ihren umfangreichen Recherchen hatte die Museumsmitarbeiterin beispielsweise erfahren, dass es gar nicht allzu lange gedauert hat von 1885, als Karl Benz das Automobil erfand, bis die ersten findigen Konstrukteure und Kaufleute das Gefährt »en miniature« als Spielzeug auf den Markt brachten.

Quereinsteiger aus Abfall

Die meisten Spielzeughersteller produzierten ursprünglich ganz andere Dinge - Spielzeug blieb lange Zeit ein Neben- oder sogar Abfallprodukt. Mattel zum Beispiel begann 1945 in einer Garage mit der Produktion von hölzernen Bilderrahmen. Die Idee, aus dem Verschnitt kleine Puppenmöbel zu fertigen, brachte dem Unternehmen den Durchbruch. Schon bald konzentrierte man sich auf die Spielzeugproduktion, heute gehört Mattel zu den internationalen Spitzenreitern auf dem Markt.

In der Frühzeit war Spielzeug Luxus, ein Saisonartikel in der Weihnachtszeit, und auch nur für die Begüterten. Erst die industrielle Herstellung von Spielwaren und der damit verbundene Preisrückgang kamen den ärmeren Familien entgegen.

Nach dem Ersten Weltkrieg erhöhte sich die Nachfrage an mechanisch bewegtem Spielzeug, das mittels einer angespannten Feder, mit Dampf oder elektrisch betrieben wurde. Vor allem Eisenbahnen waren begehrt, aber auch die Autos hatten sich natürlich längst ihren Platz in der Gunst der Buben erobert, obwohl einige Hersteller sie anfangs oft nur als Zubehör zur Eisenbahn im Angebot führten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte man andere Sorgen, doch schon in den 50er Jahren verzeichneten die Hersteller von Spielwaren wieder steigende Nachfrage. Es gab viele deutsche Hersteller hochwertiger Spielzeugautos, vor allem Schuco in Nürnberg und Siku in Lüdenscheid.

Daneben drängten vor allem englische Firmen auf den Markt - Lesney Products aus London setzte sich mit seinen originalgetreuen Fahrzeugmodellen der Marke »Matchbox« schnell an die Spitze der Branche. Der Name gilt bis heute Generationen von Modellautofreunden als Synonym für kleine Spielzeugautos aus Metall - selbst wenn sie von der Konkurrenz stammten.

In den späten 60er Jahren waren Rennwagen der »Renner«, und mit der Erfindung der Fernsteuerung zogen elektrisch betriebene Rennbahnen in die Kinder- und Wohnzimmer ein.

Ausdrücklich hervorgehoben wurde auch die Hot-Wheels-Serie, die Mattel 1968 auf den Markt brachte. Mit ihren extrem leichtläufigen Achsen rollten sie schneller als alles Dagewesene - der Trend im Kinderzimmer ging klar zu »action« und »fantasy«. Schrille Metallic-Lackierungen und futuristisches Styling waren angesagt. Lesney reagierte mit der neuen »Superfast«-Serie, heraus kam der »Dodge Drag-ster« mit seiner zukunftweisenden Keilform.

»Und die komplette Karosserie lässt sich aufklappen, um ein fantastisches Innenleben freizulegen«, begeisterte sich Antje Sauerbier. Die Ausstellung halte einige solche absurden Kreationen auf Rädern bereit. Trotz anfänglicher Erfolge musste Lesney 1982 Konkurs anmelden.

»Das doppelröhrige Signalhorn - perfekt«

Die Vorbereitung der Ausstellung habe ihr viel Freude bereitet, outete sich Antje Sauerbier als Auto-Fan und präsentierte ihren »King Size« von 1967: »Das Vorderteil großzügig rundverglast und mit eleganter heller Sitzecke, seitlich und hinten mit Ladeklappe, Zwillingsreifen und dieses auf dem Führerhausdach montierte doppelröhrige Signalhorn - perfekt.« Oder den Matchbox-Pferdetransporter, bei dem noch alle vier kleinen Plastikpferdchen vollzählig sind. So manches kleine Spielzubehör sei auf Nimmerwiedersehen im mütterlichen Staubsauger verschwunden.

Der Bad Nauheimer Joachim Labudde, der auch das Gros der Ausstellungsstücke in den gut zehn Vitrinen beigetragen hat, erwies sich anschließend in seinem Einführungsvortrag als leidenschaftlicher Sammler und profunder Kenner der Matchbox-Szene.

Dias und Führungen vom Fachmann

Am kommenden Donnerstag, 27. November, hält Labudde um 19 Uhr im Museum einen weiteren (Dia-)Vortrag über die bunten kleinen Flitzer. Außerdem bietet er Führungen durch die Schau an jedem ersten und dritten Samstag im Monat (außer 6. Dezember) um 15.30 Uhr. Dafür sind Anmeldungen (Tel. 06033/995250) und mindestens zehn Teilnehmer nötig.

Die Sonderschau des Museums ist bis zum 15. Februar zu sehen, und zwar dienstags bis freitags sowie sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr, sowie samstags von 14 bis 17 Uhr. An Heiligabend, dem ersten Weihnachtstag, Silvester und Neujahr ist das Museum geschlossen.

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