Amtsgericht: Schlag ins Gesicht, Tritte gegen den Kopf

Butzbach/Friedberg (sdo). Weil er seinem erwachsenen Sohn mehrfach mit den Gummistiefeln gegen den Kopf getreten haben soll, saß ein Landwirt aus Butzbach am Montag auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Friedberg. Ein Urteil wurde jedoch noch nicht gesprochen: Die Anwältin des Angeklagten möchte vorher noch das ärztliche Attest zu den erlittenen Verletzungen sehen.

Anfang Dezember soll der Landwirt den Schlepper seines Sohnes vom gemeinsamen Hof geholt haben, ohne den Junior vorher zu fragen. Er wollte damit Mais einfahren, erläuterte er. Als der Sohn bemerkte, dass sein Schlepper fehlte, schnappte er sich den nächsten und folgte seinem Vater aufs Feld. Als er versucht habe, die Batterie außer Betrieb zu setzen, um den Traktor anzuhalten, habe ihm der Vater mehrfach mit den Gummistiefeln gegen den Kopf getreten, berichtete der Junior im Zeugenstand.

Und weiter: "Ich habe sogar kurzzeitig die Besinnung verloren und bin hinter den Reifen des Traktors geraten." Als der Vater den Rückwärtsgang einlegen wollte, habe er ihn beinahe noch überfahren. Mehrere Beulen am Kopf, ein Riss in der Lippe sowie Schmerzen im Rücken seien die Folge der Attacke gewesen.

Die weiteren Zeugen konnten zwar teilweise bestätigen, dass der Angeklagte seinen Sohn getreten habe, jedoch seien keine Spuren im Gesicht des Opfers sichtbar gewesen. "X-Mal hat er ihm ins Gesicht getreten. Ich habe auch Kinder, so etwas würde ich nie machen", schimpfte der Schwiegervater des Juniors. Ein Attest habe er zwar nicht dabei, können er aber vorweisen, bestätigte der. Schließlich sei die Polizei angekommen und habe den Vater aus dem Schlepper bewegen können. Das bestätigte ein Polizeibeamter vor Gericht.

Der Vater sah die Sache anders. Er habe schnell handeln müssen, da der Mähdrescher bereits auf dem Weg zum Maisfeld gewesen sei. Deswegen habe er seine Frau gebeten, den Sohn zu benachrichtigen. Jedoch sei dort niemand zu Hause gewesen. Deswegen habe er sich den Schlepper genommen. Als er auf dem Feld mit der Arbeit habe beginnen wollen, sei sein Sohn "völlig aufgebracht" mit dem anderen Traktor vor ihn gefahren, sei zu ihm gekommen und habe versucht, den Schlüssel zu ziehen. Dabei habe er dem Vater ins Gesicht geschlagen, sodass sich seine Zahnbrücke gelockert habe. Es gebe dazu ein Attest vom Zahnarzt, betonte der Vater.

Da es im, April schon einmal zu Streitigkeiten in der Familie gekommen war, war gerichtlich geregelt worden, dass keine Gegenstände mehr vom Hof genommen werden dürften, betonte Richter Dr. Markus Bange. Trotzdem sei ständig die Angst vorhanden, dass wieder etwas vom Hof verschwinde, erläuterte die Frau des Juniors.

Richter Bange wies mehrfach darauf hin, dass es das Faustrecht nicht mehr gebe: "Man hat sich schon einmal gesehen und es wurde festgelegt, dass nichts mehr eigenmächtig weggenommen wird." Warum der Vater nicht einfach einen Zettel als Nachricht hinterlassen habe, sei ihm schleierhaft. Staatsanwältin Nadine Schadeweg plädierte für eine Einstellung des Verfahrens, jedoch wollte sich Verteidigerin Kunkel-Wolf damit nicht zufrieden geben. Da noch ein Verfahren laufe, gehe es um einiges, betonte sie. Deswegen wollte sie das Attest sehen, das die Verletzungen des Sohnes bestätigen soll. In zwei Wochen soll das Verfahren fortgesetzt werden.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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