Alles da für Süßmäuler, Kicksucher, Putzteufel

Butzbach (en). Ob (und gegebenenfalls wie) trotz anderslautender Prognose ausbleibender Sonnenschein den Besuch von Traditionsmärkten beeinflusst, könnte Gegenstand einer Langzeitstudie werden.

Die Kurzzeitbeobachtung am Sonntagmittag um 14.07 Uhr in der Butzbacher Innenstadt ergab, dass ganz schön was los war am zentralen Tag des 691. Katharinenmarktes, aber noch mehr hätte los sein können. Eineinhalb Stunden später allerdings hatte sich die Fußgängerzone so gefüllt, dass man sich an das Geschiebe und Gedränge zu besten Marktzeiten in den 60er und 70er Jahre erinnert fühlte. Anders gesagt: An einigen Engstellen war ein Umfallen kaum möglich.

Ruhiger war es zu diesem Zeitpunkt noch draußen an der alten Mälzerei, wo die beiden großen Fahrgeschäfte "Chaos" und "Krake" gerade den Betrieb aufgenommen hatten und den meist jugendlichen Suchern des ultimativen Kicks bei ihren Luftfahrten und Fast-Kopfständen Freuden- und Entsetzensschreie ("Wär ich doch nicht hier eingestiegen!") entlockten, bevor die abenteuerlustigen Mitfahrer locker und stolz auf das Überstandene den Ort des vorherigen Kurzzeitschreckens verließen.

+++ Fotostrecke:Katharinenmarkt 2011 in Butzbach

Jenseits der Korngasse war der Fahrchip-Kauf mit bedeutend weniger Risiko verbunden. Oma und Mama schauten begeistert zu, wie die Kleinen über Berg und Tal fuhren oder auf Pferdchen und Motorrädern dahinjagten. Und auch auf dem stets präsenten und stets vielgenutzten Kalbfleisch-Autoscooter löste ein Frontalcrash das höchste aller Glücksgefühle aus.

Hier in der Innenstadt wurde aber hauptsächlich verkauft und gekauft – die Butzbacher Märkte sind nach wie vor, wenn auch nicht mehr in dem Maße wie früher, die Anlässe, zu denen sich die Bewohner der Stadt und der Umgebung mit vielem eindecken, was im Haushalt und im Kleiderschrank ersetzt werden muss – zumal nachmittags auch noch traditionell die Geschäfte geöffnet hatten. Von der Tulpenzwiebel über den Sechserpack Weihnachtskarten bis hin zur jahreszeitlich angeratenen Fleecejacke in allen Formen und Farben fand sich in der oberen Wetzlarer Straße alles auf engstem Raum.

Und gleich nebenan gab’s Tarnanzüge – die von zwei Ordensschwestern aus dem katholischen Kindergarten St. Martin sorgfältig geprüft, aber dann doch hängen gelassen wurden. In der Weiseler Straße traten sich die "Putzteufel" auf die Füße. Das schon fast wieder altmodische Mikrofasertuch pries der eine an, die nächste hatte das ultrasensationelle Bambustuch für alle Gelegenheiten dabei und packte für einen Zwanziger auch noch jede Menge Kleinigkeiten dazu.

Das könnte das Stichwort sein für den dritten großen Bereich: Essen und Trinken gibt’s in Hülle und Fülle auf dem Markt, meist gedacht für den kleinen Hunger zwischendurch. Am Bratwurststand konnte so mancher schon des Duftes wegen nicht vorbei gehen, nebenan waren Schokobananen zu finden, der nächste hatte den Snack des hohen Nordens zu bieten: Fischbrötchen in vielerlei Variationen. Und eine junge Dame, die der ortsansässige Metzger mit einem Tablett voll Probierhäppchen losgeschickt hatte, kam schon nach kurzer Zeit ohne Brot und Aufstrich zum "Auftanken" zurück.

Heute und morgen können sich die Marktbesucher noch an den Angeboten erfreuen, jeweils von 12 bis 22 Uhr ist Markttreiben angesagt. Die Fahrgeschäfte locken beim morgigen Familientag mit ermäßigten Preisen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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