Steht auf Büdinger Autos bald wieder BÜD?

Büdingen (dab/geo). Die Freude ist groß, wenn im Urlaub, Hunderte Kilometer von Zuhause entfernt, plötzlich ein Wagen mit heimischem Kennzeichen auftaucht. Der Bedeutung von Kfz-Kennzeichen als regionalem Identitätsmerkmal widmet sich Prof. Ralf Bochert von der Heilbronner Universität.

Er hat die Initiative "Kennzeichenliberalisierung" ins Leben gerufen und setzt sich für eine "kostenneutrale Lösung" der Wiedereinführung auslaufender Kennzeichen ein. Zwei seiner Studentinnen waren jetzt in der Büdinger Altstadt unterwegs, um Bürger zu fragen, ob sie das alte Kennzeichen BÜD wiedereinführen würden. Die meisten Menschen, die Fotini Slimistinou (28) und Sina Schwebler (26) an diesem Tag ansprechen, geben gerne Auskunft. Wenige Fragen sind es, die es zu beantworten gilt: Kommen Sie aus Büdingen? Gibt es in Ihrem Haushalt einen Pkw? Hätten Sie gerne das Kennzeichen BÜD zurück? Wie alt sind Sie? Gut 300 Menschen waren es am Ende, die den beiden Studentinnen der Tourismus-Betriebswirtschaft Rede und Antwort standen. Die Bedingungen waren gut: Wegen des Gallusmarktes war viel los, und auch das Wetter stimmte, berichtet Schwebler. Aber nicht jeder durfte mitmachen: Die Teilnehmer der Befragung mussten entweder Bürger direkt aus Büdingen oder aus einer Kommune sein, die zum Altkreis Büdingen gehört.

Was die Bürger gesagt haben, muss Schwebler noch für sich behalten. Denn die Stadt soll als erste die Ergebnisse zu Gesicht bekommen. Außerdem müssen die Aussagen noch ausgewertet werden. Nur so viel verrät sie: In den anderen Städten, wo sie und ihre Kommilitonen unterwegs waren, befürworteten knapp 75 Prozent die Wiedereinführung der alten Kennzeichen.

Aus gutem Grund, meint Prof. Bochert. Die Vielzahl deutscher Städte und Gemeinden, die in den vergangenen 40 Jahren ihr Kfz-Kennzeichen wegen Um- und Neustrukturierungen der Landkreise verloren hätten, verzichteten auf ein wichtiges Identitätsmerkmal, argumentiert er. Selbst die wirtschaftliche und touristische Vermarktung gestalte sich wesentlich schwieriger. "Städte verlieren mit dem eigenen Kfz-Kennzeichen ein Stück ihrer Außenwirkung – auch wenn es sich nur um zwei oder drei Buchstaben handelt." Seine Studentin Sina Schwebler ergänzt: "Das Kennzeichen ist ein kostenloses Marketinginstrument für eine Stadt und signalisiert, dass es sich um eine größere Stadt von Bedeutung handelt."

Als Modell für die Wiedereinführung verschwundener Kennzeichen schlägt Bochert die "kostenneutrale Lösung" des Main-Kinzig-Kreises vor, wo die kreisangehörige Stadt Hanau durch das Kennzeichen HU, das übrige Kreisgebiet jedoch durch MKK repräsentiert wird. Mehrere Kennzeichen in einem Landkreis sei ein Königsweg, der ein kleinräumigeres Zugehörigkeitsgefühl auch in den großen Kreiszuschnitten ermögliche. Argumente, die dagegen sprechen könnten, seien der bürokratische Aufwand und die Ablehnung einer Abkehr vom Landkreis.

Das Thema beschäftigt die Bürger offensichtlich. Probleme, Interviewpartner zu finden, hatten die beiden jungen Frauen in Büdingen jedenfalls nicht. "Viele Bürger, auch die Jüngeren, haben großes Interesse gezeigt", erzählt Schwebler. "Sie wollten auch wissen, ob die Chancen gut stehen, dass ihr Wille am Ende umgesetzt wird, aber das liegt nicht in unserer Hand." Welchen Einfluss die Bürgermeinung haben kann, zeige aber das Beispiel Wetzlar: Hier stimmten bei einer Umfrage 79 Prozent für eine Wiedereinführung des Kennzeichens WZ. "Vor zwei Wochen hat das hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung das Okay gegeben", weiß Schwebler. (Fotos: Lori)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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