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Die Krankenhäuser in Deutschland - wie hier am Dresdner Uniklinikum - beklagen den derzeitigen Mangel an Schutzmasken. In Büdingen hat das Capio-Mathilden-Hospital die Bürger im Internet dazu aufgerufen, Masken für das Klinikpersonal zu spenden. 

Corona-Krise

Hilferuf von Wetterauer Krankenhaus: "Wer hat zu Hause FFP2-Masken?" - Hessen verteilt 2,3 Millionen OP-Masken 

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  • Oliver Potengowski
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In Krankenhäusern werden Schutzmasken knapp. So auch in einem Wetterauer Krankenhaus, das jetzt einen Hilferuf via Internet gesendet hat.

Update, 2.4.2020, 9.57 Uhr: Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung war nach dem Hilferuf des Capio-Mathilden-Hospitals vergangene Woche enorm. Viele Menschen, Firmen und die Feuerwehr Nidda haben Schutzmasken gespendet. Aber auch die Feuerwehr Büdingen hat eine große Menge Mundschutz an das Krankenhaus gespendet.

Viele Wetterauer werden aber auch aktiv und nähen sich Schutzmasken selbst. Aber nicht nur Schneider wie Katharina Wolz aus Friedberg oder Omar aus Nidderau nähen die Schutzmasken. Viele Wetterauer Hobbynäher haben sich in den vergangenen Tagen zusammengetan und nähen Schutzmasken selbst. So etwa in Gedern, Florstadt, Niddatal, Rosbach und Wöllstadt. Auch die Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim möchte helfen und sucht Mundschutz-Näher.

Update, 31.3.2020, 17.38 Uhr: Landrat Jan Weckler hat die Ankündigung des Landes begrüßt, insgesamt rund 850 000 OP-Masken an die Gesundheitsämter, die stationären und ambulanten Altenpflegedienste und die Rettungsdienste zu verteilen. 

"Die Corona-Pandemie macht deutlich, dass wir auf solche Szenarien nur unzureichend vorbereitet sind. Gerade bei medizinischen Verbrauchsgütern wie Schutzmasken sind wir auf internationale Lieferketten angewiesen. Werden diese, wie jetzt bei der weltweiten Pandemie, unterbrochen, dann fehlt es an Material, vor allem an Schutzmasken, mit denen sich medizinisches Personal und Pflegekräfte schützen können. Gerade deshalb ist es wichtig, dass das Land 2,3 Millionen OP-Masken für Hessen sichern konnte", betont Weckler in einer Pressemitteilung aus der Kreisverwaltung. 

Hilferuf Wetterauer Krankenhaus: OP-Masken werden nach festem Verteilschlüssel vergeben  

Wie es darin weiter heißt, gehen knapp 1,5 Millionen Masken nach einem festen Verteilschlüssel direkt an die Krankenhäuser, 760 000 in die stationäre und ambulante Altenpflege, 67 000 OP-Masken sind für den Rettungsdienst vorgesehen, und 23 653 OP-Masken gehen an die Gesundheitsämter. Im Wetteraukreis entfallen von diesen Zahlen 3049 OP-Masken auf die Rettungsdienste, 1158 auf das Gesundheitsamt und 45 359 auf die stationäre und ambulante Pflege. 

"Sobald wir die angekündigte Lieferung des Landes erhalten, werden wir unseren Anteil für die stationäre und ambulante Pflege sowie die Rettungsdienste kurzfristig weiterreichen. Die Vorbereitungen dafür laufen schon", erläutert der Landrat. 

Erstmeldung, 31.3.2020, 13.38 Uhr: Der Hilferuf, den das Capio-Mathilden-Hospital vergangene Woche im Internet veröffentlichte, erschien so surreal, dass viele ihn zunächst für einen schlechten Scherz hielten. "Wir brauchen Eure Hilfe!" war unter anderem auf Facebook zu lesen. "Wer hat zu Hause FFP2-Masken?" Bürger wurden gebeten die Atemschutzmasken an das Krankenhaus zu spenden.

Doch der dramatische Appell, "jede Minute und jede einzelne Maske zählt", stammte tatsächlich aus der Verwaltung des Krankenhauses. Und die Wortwahl sei keineswegs übertrieben, wie Geschäftsführer Klaus Wöhrle betont. Denn die eigenen Vorräte des Krankenhauses waren in den letzten Tagen sichtlich geschrumpft. Wann eine bereits rechtzeitig bestellte Lieferung eintreffen würde, war nicht absehbar. Ohne neue Masken wären die Vorräte jedoch am Wochenende voraussichtlich zu Ende gegangen.

Hilferuf Wetterauer Krankenhaus: "Klopapier des Pflegebedarfs"

Obwohl die Masken im gewöhnlichen Alltag selten benötigt würden, sei normal immer eine ausreichende Zahl vorrätig erläutert Wöhrle. "Wir haben die ganze Zeit schon regelmäßig Material bestellt und hätten am Montag beliefert werden sollen." Ungefähr hundert Masken in der FFP2-Spezifikation benötige das Krankenhaus derzeit täglich. Um den Bedarf zu sichern seien die Mitarbeiter auch ungewöhnliche Wege gegangen. "Vor drei oder vier Wochen sind wir losgefahren bis nach Würzburg, um die FFP2-Masken aus dem Baumarkt zu kaufen", berichtet die Pflegedienstleitung und stellvertretende Verwaltungsdirektorin Christina Westphal. Doch die Atemschutzmasken scheinen sich zum "Klopapier des Pflegebedarfs" zu entwickeln. Wöhrle sagt, er habe bei beiden Lieferanten mit denen das Krankenhaus zusammenarbeite, nachgefragt. "Die normalen Lieferanten können gar nicht mehr liefern.". Dafür ruft die Notlage, die inzwischen auch bei den Krankenhäusern angekommen ist, windige Geschäftemacher und Profiteure auf den Plan. Westphal zeigt ein Foto, das in einem Supermarkt aufgenommen worden sein soll. Dort stehen Schutzmasken zum Preis von 120 Euro für zehn Masken. Auch im seriöseren Handel sind die Preise für die Masken, die gewöhnlich ein Cent-Artikel sind, auf das Zehnfache geklettert.

"Wir sind da in eine Situation reingekommen, dass wir nicht mehr wussten, wie wir weitermachen sollten", schildert Wöhrle, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt, wie es zu dem Spendenaufruf im Internet kam. Er dankt Westphal für die Initiative, die "durchschlagenden Erfolg" gehabt habe. Die Pflegedienstleitung habe "nicht damit gerechnet, dass sie das eine schlaflose Nacht kostet."

Hilferuf Wetterauer Krankenhaus: Hilfe aus der Bevölkerung

Denn der Erfolg sei überwältigend gewesen. Viele Menschen hätten Hilfe angeboten. Darunter waren oft auch Kleinmengen von einigen wenigen Masken.

Geschäftsführer Klaus Wöhrle und die Pflegedienstleitung und stellvertretende Verwaltungsdirektorin Christiane Westphal danken Niddas Stadtbrandinspektor Benjamin Balser (r.) für die Spende von Atemschutzmasken. Die Übergabe erfolgte selbstverständlich berührungsfrei. 

Der Pflegedienst Kremer spendete am Freitag 120 Masken und sicherte zu, die Kosten (bis 2000 Euro) für weitere Masken zu tragen. Stadtbrandinspektor Benjamin Balser brachte 35 Masken vorbei, die die Feuerwehr Nidda gekauft hatte, damit die Einsatzkräfte geschützt sind, wenn sie einen Patienten tragen helfen müssen. Auch das Modehaus Müller-Ditschler habe angeboten, Masken für das Krankenhaus zu nähen. "Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die uns unterstützt haben und noch unterstützen", erklärt Wöhrle sichtlich beeindruckt. Die Atemschutzmasken würden dringend für eine sichere Patientenversorgung benötigt. "Wir waren eins der ersten Häuser in Hessen, die tatsächlich einen Covid-Patienten hatten", stellt der Geschäftsführer fest. Zuletzt wurden neun Corona-Infizierte im Mathilden-Hospital behandelt. Fünf davon lägen auf der Intensivstation und müssten beatmet werden. Die Zahl habe sich innerhalb einer Stunde verdoppelt, ergänzt Westphal. "Das ging rasend schnell, da muss man sofort reagieren."

Umso ärgerlicher ist es, wenn der Nachschub an notwendigem Arbeitsmaterial ins Stocken gerät. "Es fragen ganz viele, ob der Aufruf ernst gemeint ist", hat Westphal beobachtet, dass solche Versorgungskrisen für viele Bürger immer noch unvorstellbar sind. Wöhrle sagt, er habe inzwischen den Engpass gefunden, wegen dem das Krankenhaus nicht mit den Masken beliefert werden könne. Der betreffende Container hänge beim Zoll fest. "Er habe die Sorge, dass der Ernst der Situation noch nicht bei allen angekommen sei. "Es wäre fatal, wenn es an irgendwelchen Stellen scheitert, dass wir die Patienten nicht versorgen können."

Quelle: Wetterauer Zeitung

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