"Wir bieten Schuldnern Hilfe zur Selbsthilfe"

Bad Vilbel (pm). Über 100 Beratungsgespräche führte die AWO Haushalts- und Schuldnerberatung im vergangenen Jahr. "Ganz selten ist den Menschen mit einer kurzen Auskunft am Telefon geholfen", sagt Ursula Bergmann, die die erste Anlaufstelle für Anfragen ist. "Im vergangenen Jahr hatten wir 40 telefonische Erstkontakte sowie 15 E-Mail-Anfragen, aus denen sich 50 Beratungsgespräche ergeben haben."

Diese Erstberatungen, die meist eine Dreiviertelstunde dauern, finden im AWO-Café in der Wiesengasse und im Haus der Begegnung am Marktplatz statt. Dort stehen jeden Montag zwei der derzeit 14 ehrenamtlichen Berater Ratsuchenden zur Verfügung. Jeden Donnerstag findet die Sprechstunde im AWO-Café statt - ebenso die Abendsprechstunde für Berufstätige, die einmal im Monat an einem Freitag abgehalten wird.

Die Haushalts- und Schuldnerberatung besteht in Vilbel seit 2004. 2009 wurde das Team mit zusätzlichen Beratern verstärkt. Außerdem besteht eine Zusammenarbeit mit einer Mediatorin und einer Psychologin, die auf Wunsch der Klienten hinzugezogen werden können. "Ohne die vielen Ehrenamtlichen könnten wir unsere Arbeit nicht fortsetzen," sagte der AWO-Vorsitzende Rainer Fich. "Schließlich ist alles, was wir leisten, kostenlos." Er warnte gleichzeitig vor unseriösen Schuldnerberatungen, die den verzweifelten Schuldnern umgehende Befreiung von ihren Verbindlichkeiten versprächen, dafür aber einen drei- bis vierstelligen Geldbetrag im Voraus verlangten und nie wieder von sich hören ließen.

"Leider kommen viele Menschen erst viel zu spät zu uns," sagt Jacques Indemans, einer der Berater. "Als ehrenamtliche Beratungsstelle dürfen wir die Klienten leider nicht in die Privatinsolvenz begleiten, sondern können sie nur über die Möglichkeiten informieren und den Weg dorthin aufzeigen." Etwa 30 Klienten wurden im vergangenen Jahr an SOS Alltag verwiesen, eine Frankfurter Beratungsstelle für Insolvenz.

Ansprechpartner sind die Ehrenamtlichen auch für Haushaltsberatungen. "Wir haben im vergangenen Jahr jeden Monat mindestens ein Beratungsgespräch geführt, bei denen die Klienten uns frühzeitig aufgesucht haben, um ihre Finanzen zu ordnen, bevor es zu Zahlungsschwierigkeit kam", berichtet Annette Jost, die ebenfalls im Führungsteam mitarbeitet. "Wir wünschen uns, dass dieses Angebot in Zukunft noch stärker angenommen wird. Wir können Möglichkeiten für Einsparungen aufzeigen, an die die Betroffenen noch nicht gedacht haben; quasi Hilfe zu Selbsthilfe."

Es gäbe viele Gründe, warum das Geld plötzlich knapp werde. Familiengründungen, aber auch das Scheitern einer Beziehung sowie der Verlust des Arbeitsplatzes oder Erkrankungen seien die Hauptgründe, oftmals kämen aber auch Suchtprobleme (Alkohol, Spiel- oder Kaufsucht) hinzu. "Unsere Klienten kommen aus allen Schichten und Altersgruppen, stark vertreten sind Menschen in den 20ern und dann ab 45 aufwärts."

Hilfe für Jugendliche

Welches Gewicht die AWO der Prävention beimisst, zeigt sich auch bei der Arbeit mit Jugendlichen. Zusätzlich zu den Schuldnerberatern hat Bergmann ein sechsköpfiges Team zusammengestellt, dass unter dem Motto "Jugend ohne Schulden" die Zusammenarbeit mit den Bad Vilbeler Schulen sucht.

Gestartet ist das Projekt im vergangenen Jahr an der Brunnenschule und wird jetzt an der John-F.-Kennedy-Schule fortgeführt. "Die Resonanz ist positiv, da unser Material in den Unterricht eingebunden werden kann", sagt Bergmann und wünscht sich, dass weitere Schulen und Jugendeinrichtungen das Angebot annehmen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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