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Vermisst den Kontakt mit ihren Schulkameradinnen: Drittklässlerin Ida (8) ist Schülerin der Bad Vilbeler Stadtschule.

Bad Vilbeler Schüler

Schüler in der Corona-Krise: Sie wären lieber in der Schule

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Keine Schule, kein Unterricht, keine Klassenkameraden, keine Freunde. Die Coronavirus-Krise wirbelt den Alltag von Kindern und Eltern gehörig durcheinander. So auch im Hause der Familien Wächtler und Kuhl in Bad Vilbel.

Obwohl für die beiden selbstständigen Designer und Künstler Home-Office zum Alltag gehört, ist durch die schulfreie Zeit der beiden Töchter einiges anders. Ida und Lilly gehen morgens nicht mehr zur Schule, sondern lernen selbstständig zu Hause. "Unser Tagesrhythmus hat sich verändert. Wir fangen morgens etwas später an als sonst", berichtet Mutter Nicole Wächtler. Tablet und Mouse, Internet, Mails, Links und Telefon anstelle von Schule, Klassenzimmer, Tafel, Lehrer und Klassenkameraden. Vieles ist beim digitalen Unterricht anders als gewohnt. "Meine Lehrer schicken mir Mails mit einem Wochenplan, der Aufgaben und Arbeitsblätter enthält", berichtet Ida.

Einloggen für die Hausaufgaben. Lilly (14) geht in die achte Klasse des Georg-Büchner-Gymnasiums.

Sie besucht die dritte Klasse in der Stadtschule. "Wenn ich etwas nicht verstehe oder eine Frage habe, kann ich meine Lehrer kontaktieren", sagt die Achtjährige. So wie sie hat auch ihre große Schwester Lilly gerade dabei etliche Aufgaben zu lösen. "Unsere Lehrer schicken E-Mails mit Wochenplan, Arbeitsaufträgen und Links zu Videos. Einige Klassen haben bereits eine App, meine aber noch nicht", berichtet die 14-Jährige. Sie geht aufs Georg-Büchner-Gymnasium (GBG). Dort wird zum Teil bereits das Lernmanagementsystem Wtkedu für den Wetteraukreis genutzt. "Alle Schüler in unserer Klasse haben zwar einen PC zu Hause, aber nicht alle Internet, ein aktuelles Betriebssystem oder einen Drucker", berichtet die Achtklässlerin. Deshalb haben sich die Schüler ihrer Klasse zu Gruppen mit je vier Teenagern zusammengeschlossen. Diese tauschen sich regelmäßig aus und lernen teils mit Hilfe von Videoanrufen gemeinsam.

Schüler Corona-Krise: Posteingang gut gefüllt

Vater Friedemann Kuhl sagt: "Wir haben zwei Kinder und bekommen mehrmals täglich von allen Lehrern Mails. Dadurch ist der Posteingang stets gut gefüllt." Mutter Nicole Wächtler fügt hinzu: "Zum Glück haben unsere Töchter von Anfang an keine Probleme mit dieser neuen Unterrichtsform gehabt, kommen damit klar." Lilly sagt: "Es ist merkwürdig, dass wir nicht zur Schule gehen. Vor allem auch, weil wir vor den Osterferien viele Arbeiten geschrieben hätten. Bisher haben wir nur unsere Aufgabenlösungen in einem Fach an den Lehrer zurückgeschickt. In Chemie und Mathe werden Lernkontrollen gemacht. Das Zuhause Lernen ist eine Herausforderung. In der Schule ist es einfacher, wenn man etwas nicht verstanden hat. Man kann den Lehrer direkt im Unterricht fragen und bekommt es erklärt. Besser wäre eine Konferenzschaltung. Da hätte man Sichtkontakt und die Unterrichtsatmosphäre wäre besser", findet sie.

Mit Freundinnen hat sie sich bisher nachmittags für einen Spaziergang verabredet oder zum Sport. Schwester Ida sagt: "Nicht mehr in die Schule gehen, ist irgendwie komisch. Ich finde es doof, dass die Stadtschule geschlossen ist. Ich gehe sehr gerne in die Schule und freue mich immer, wenn ich dort meine Freundinnen treffe." Auch Lilly sagt: "Ich mag Schule und den Kontakt zu Mitschülern."

Schüler Corona-Krise: Freude auf Klassenkameraden

Nicole Wächtler: "Es ist für die ganze Familie eine Ausnahmesituation, auf die wir uns einstellen mussten. Nach einer Woche hat sich der Ablauf eingespielt. Wir haben Glück, dass beide von sich aus lernen, ihre Aufgaben erledigen und sich nachmittags selbst beschäftigen. So können auch wir weitgehend ungestört arbeiten." Lilly meint: "Ich fände es gut, wenn ich etwas mehr Zeit für andere Dinge hätte." Dazu gehört Musik machen. "Ich spiele seit acht Jahren Klavier, am liebsten Pop und Jazz."

Musik spielt auch im Leben von Ida eine große Rolle: "Ich spiele seit zwei Jahren Gitarre. Mein Lehrer an der Musikschule ist Alexandros Roussos. Bei ihm spiele ich im Unterricht mehr Klassik. Meine selbst komponierten Lieder sind rockiger". Ida entwirft und näht auch ihre Kleidung selbst. "Das Oberteil und die Hose habe ich wie einen Tellerrock und eine Tasche selbst designt und genäht." Doch bevor die beiden Zeit für ihre Hobbys haben, müssen sie ihre Schularbeiten erledigen. Beide freuen sich schon darauf, wieder in die Schule zu gehen und sich direkt mit Lehrern und Klassenkameraden austauschen zu können.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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