Riedhof verkauft wieder auf dem Bauernmarkt

Bad Vilbel (aho). Auf Bauernmarkt sind um 11 Uhr alle Stände aufgebaut, und die ersten Kunden kommen auf den Hof der Stadtschule. Auch der Stand des Riedhofes steht hier.

Steffen Gerlach, Geschäftsführer des Gemüseanbauers und für den Vertrieb zuständig, ist ein wenig angespannt. War sein Betrieb doch wegen EHEC eine Woche lang gesperrt, und die negative Bekanntheit schadet dem Ansehen des Gemüseanbieters. "Das Vertrauen unserer Kunden ist unser größtes Kapital", weiß er. Daher scheut er sich auch nicht, mit dem Vertreter dieser Zeitung über die Erlebnisse der vergangenen Woche zu sprechen.

"Nach dem Besuch des Veterinäramtes wurde uns mitgeteilt, dass wir Befunde auf dem Salat hatten, und wir haben sofort Wasserproben von unserem Grundwassersystem ziehen lassen." Die förderten aber noch einen positiven Erreger-Befund an der Salat-Waschmaschine zutage.

Daraufhin wurde der Betrieb auf Hinweis des Gesundheitsamts hin vom Veterinäramt gesperrt. Das Gesundheitsamt, das die Wasserproben, und das Veterinäramt, das die Lebensmittelproben macht, entschieden, dass die Gefahr für die Allgemeinheit zu hoch sei, und sperrten den Riedhof eine Woche lang.

"Nach den ersten Befunden haben wir sofort eine Desinfektion unseres kompletten Trinkwassersystems laufen lassen. Darauf- hin wurden wieder Proben genommen, und die waren allesamt negativ." Auch anderweitig scheint sich die Lage verbessert zu haben. "Mittlerweile wurden auf unserem Acker mehr als 40 Proben gezogen, die alle negativ sind", berichtet Gerlach. Und so hieß es: "Warten, dass es wieder losgeht. Das hat doch zu starken Umsatzeinbußen geführt und zur weiteren Verunsicherung der Menschen beigetragen. Denn je länger ein Betrieb geschlossen ist, desto mehr interpretiert man dann hinein. Wir waren erleichtert, als es am Mittwoch endlich wieder losging."

Er wolle das Problem nicht verharmlosen, erklärt Gerlach. "Aber man müsste anfangen, mit dem Thema EHEC rationaler umzugehen. Das können die Leute gar nicht mehr richtig einordnen. Es kann jeden Betrieb treffen. Da kann keiner sicher sein. Früher wurde EHEC in den Analysen gar nicht bewertet." Hier spiele auch das öffentliche Medieninteresse eine besondere Rolle, glaubt Gerlach. "Das bei uns gefundene EHEC ist nur ein E-Coli-Bakterium, also ein ganz normales Darm-Bakterium, das schlimmstenfalls Durchfall verursacht." Also nicht der aggressive Typus O104, der das hämolytische-urämische Syndrom (HUS) auslöse.

Für die Arbeitsplätze am Hof hatte diese Sperre keine Konsequenzen: "Wir mussten niemanden wegschicken. Während der Sperre haben wir Arbeiten erledigt, die sonst zwischenzeitlich mal liegenbleiben. Unsere zehn Beschäftigten haben auch ein Interesse daran, dass wir wieder produzieren können."

Mit der Wiederaufnahme des Betriebs sei es aber nicht getan, vermutet Gerlach. "Viele Kunden sagen uns, "jetzt seid ihr endlich wieder da, das freut uns". - Andere sagen: "Bei denen kaufen wir nichts mehr, es ist alles verseucht." Das können wir nur insofern beeinflussen, dass wir jeden Tag frisches, unbedenkliches Gemüse anbieten. Das haben wir jahrelang getan, und wir tun auch jetzt unser Bestes."

"Den Riedhof an sich gibt es an der Stelle schon über 50 Jahre. Mein Schwager Michael Weiß und ich haben den Betrieb vor fünf Jahren gekauft. Wir sind eine Oberräder Familie, die bereits in der fünften Generation Grüne Soße produziert und schaffen es seit fast 100 Jahren, die Menschen mit gutem, gesundem Gemüse zu versorgen."

"Uns war der EHEC-Befund selbst unangenehm", gibt Gerlach zu. "Und wir haben unsere eigenen Kontrollsysteme daraufhin noch einmal verstärkt. Aber jetzt ist uns wichtig, dass wir das Vertrauen der Kunden zu 100 Prozent zurückgewinnen, dann wird sich das für uns vielleicht wieder zum Guten wenden." Das bedeute sicher noch "ein Stück Arbeit": "So schnell wird das wohl nicht gehen."

Nach EHEC-Fund: Bauernmarkt-Beschicker wartet auf Freigabe

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare