Heilsberger Geschichte

Mit Muskelkraft und Willen

  • vonSevil Damar
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Über eine Zeit, in der es noch keine Häuser und keine Straßen gab und man den Heilsberg noch die »Vilbeler Höhe« nannte, erzählt Peter Schöttner während einer Führung.

Dort, wo heute das neue Feuerwehrgebäude auf dem Heilsberg steht, war vor dem Krieg eine Kiesgrube. »Der Sand war so fein, dass die Vilbeler ihn an die Frankfurter als Scheuersand verkauft haben«, erzählt Peter Schöttner. Der Bad Vilbeler führt immer mal wieder Gäste über den Heilsberg. Er erzählt aus der Geschichte des Gebiets. Schöttner weiß, dass der Platz, wo heute die Feuerwehr ihren Stützpunkt hat, im Krieg als Müllhalde benutzt wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite des Feuerwehrgebäudes befand sich ein Sportplatz, auf dem Sandbahnrennen veranstaltet wurden. Das restliche Areal zwischen der Berliner Straße und dem Südbahnhof sei Sumpfgelände und somit nicht bebaubar gewesen. Diese Sümpfe seien erst in den 1960er Jahren trockengelegt worden.

In den Jahren 1946, nach dem Krieg, sei die Wohnungsnot am größten gewesen. Die aus dem Osten kommenden Vertriebenen hätten ein Heim zum Leben gesucht, und auf dem Heilsberg war hierfür genügend Platz. Dieses Gebiet wurde zuvor als Truppenübungsplatz genutzt. Als militärisches Gebiet gehörte die »Vilbeler Höhe« somit den Amerikanern. Für eine Bebauung habe man zunächst diese um Erlaubnis fragen müssen. Pfarrer Otto Fricke habe sich mit den Amerikanern geeinigt.

Es wurde ein Baugebiet für 6000 Einwohner geplant. Der Pfarrer unterstützte damals Flüchtlingsgemeinden und gründete die Bewegung der »Evangelischen Baugemeinden«, unter deren Aufsicht schließlich das Bauen begann.

Zwölf Siedler ohne Werkzeug

Am Anfang der Alten Frankfurter Straße hätten am 10. Juli 1946 die ersten Siedler gestanden. Es waren ehemalige Soldaten, die aus der Kriegsgefangenschaft aus Ungarn und Rumänien freigelassen wurden. Sie kamen über Dillenburg nach Vilbel, um hier heimisch zu werden. »Zwölf Männer in schwarzen Hosen und Hemden standen hier ohne Schaufel oder weiteres Handwerkszeug«, berichtet Schöttner, dessen Elternhaus an der Waldstraße steht und der auf dem Heilsberg zur Schule ging und längst dort heimisch geworden ist. Die Arbeiter hätten zwar einen Aufriss gehabt, wie das Gelände bebaut werden sollte, wussten jedoch nicht, wo sie anfangen sollten. Schlussendlich leistete eine Familie Hilfe, die das einzige Haus auf dem Heilsberg bewohnte, indem sie den Arbeitern Handwerkszeug und Wasser zur Verfügung stellte.

Die Bauarbeiter hoben an der Ecke des Freudenbergparks, wo es steil hinuntergeht, Lehm aus und setzten mit viel Arbeit und Muskelkraft das erste gerade mal 48 Quadratmeter große Haus an den Anfang der Alten Frankfurter Straße. Die Häuser wurden Kassettenhäuser genannt.

Gewohnt haben die Arbeiter zunächst in der Kuhwaldsiedlung und mussten täglich einen langen Marsch hinauf zur »Vilbeler Höhe« zurücklegen. Später wurden sie im Kindergarten am Südbahnhof untergebracht. Schließlich wurden zwei Baracken auf dem Baugelände aufgestellt mit Gemeinschaftsküchen, Bädern und Duschen.

Vorwiegend Flüchtlinge bezogen die Häuser an der Alten Frankfurter Straße. Vertriebene errichteten ihre Häuser in der Sudetenlandsiedlung. Ein Reihenhaus kostete nach der Währungsreform 10 000 D-Mark. Halbe Doppelhäuser oder freistehende Häuser gab es für 20 000 D-Mark. Schöttner hat viele Fotos gesammelt, die er während seiner Führungen über den Heilsberg zeigt. Der Name Heilsberg etablierte sich im Juni 1948. Pfarrer Fricke errichtete damals ein Holzkreuz mit der Aufschrift »Es ist keinem anderen Heil«. Damit verkündete er den Namen der Heilig-Geist-Gemeinde und der Siedlung. Andreas Wick, der an dem von Schöttner geleiteten Rundgang teilnahm, hatte auch Fotos vom unbebauten Heilsberg dabei. Die Eltern des 51-jährigen Bad Vilbelers waren aus ihrer Heimat geflüchtet und hielten ihren Hausbau mit Fotografien fest.

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