Hupen der Loks geht Anwohnern auf die Nerven

Bad Vilbel (cf). "Seit der Fahrplanumstellung vor drei Jahren hat die Lärmbelästigung durch das ›Stockheimer Lieschen" (Niddertalbahn) erheblich zugenommen. Besonders nachts und an den Wochenenden ist das Warnpfeifen der Schienenfahrzeuge eine große Belastung", klagen zwölf Gronauer, die an der Bahnstrecke wohnen.

Sie trafen sich am Bahnübergang in der Vilbeler Straße mit Stadtrat Udo Landgrebe und den Gronauer Ortsbeiräten Helmut Bomba und Hans-Jürgen Kläs (alle SPD), um die Situation zu schildern.

"Hier am Ortseingang, der nicht mit einer durchgehenden Schranke gesichert ist, und am unbeschrankten Bahnübergang in der Berger Straße, müssen die Lokführer mindestens jeweils drei Sekunden lang pfeifen", berichten Rainer Wokun und Hermann Rohde aus der Dresdner Straße. "Je nach Lokführer sind die Hupsignale unterschiedlich laut und lang", ergänzt ihr Nachbar Helmut Morcinek. "Man hat keine Lebensqualität mehr. Der ständige Lärm macht krank", klagt Herta Kienitz aus dem Taunusring. "Besonders am Wochenende und abends ärgert mich der Lärm. Die letzten vier Züge zwischen 21.45 und 23.45 Uhr zwischen Stockheim und Bad Vilbel sind reine ›Geisterzüge". Da sitzen maximal zehn Fahrgäste in den Abteilen", sagt Michael Roppel aus der Bachwiesenstraße. "Wir haben uns neue schalldichte Fenster eingebaut. Einen Zuschuss von der Bahn haben wir nicht bekommen", ärgert sich Marian Thomas, der in der Vilbeler Straße direkt am Bahnübergang wohnt.

Er und alle anderen Anwohner wünschen sich, dass eine durchgehende Schranke an beiden Bahnübergängen das Pfeifsignal überflüssig machen. Und die Züge abends sollten reduziert werden. "Abends könnten Busse, die Verbindung übernehmen", schlägt Herta Kienitz vor. Laut Wokun handelt es sich beim Übergang Berger Straße um den einzigen unbeschrankten Übergang an der Niddertalbahnstrecke. Andere Übergänge wie der zwischen Dottenfelderhof und Sportplatz Dortelweil, seien aufwendig nachgerüstet worden. Würde der Bahnübergang ebenfalls mit durchgehender Schranke und Lichtsignal gesichert, müssten die Lokführer nicht mehr hupen.

Auf Unverständnis stößt bei den Bürgern eine von Ersten Stadtrat Jörg Frank (CDU) am 13. Oktober in der Sendung "Main Tower" des HR gemachte Aussage. Dort soll das Magistratsmitglied gesagt haben: "Hier wird seit 100 Jahren gehupt." Einige Anwohner würden es nun stärker wahr nehmen, weil sie nicht mehr tagsüber arbeiteten, sondern Rentner seien. "Menschenverachtend" sei das, finden Wokun, Rohde und Morcinek. Letzterer berichtet, dass bei ihnen im Haus Mieter über einen Auszug nachdenken würden, weil ihre Kinder durch das Hupen aus dem Schlaf aufschreckten und weinten.

"Wir hoffen, dass nicht alle Politiker so denken wie Frank und appellieren an die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung: Nehmen Sie unsere Probleme mit dem Lärm, den die Bahn verursacht ernst! Setzen Sie sich dafür ein, dass endlich der Bahnübergang Bergerstraße so gesichert wird, dass das unerträgliche Hupen unterbleibt. Zeigen Sie, dass Sie die viel versprochene ›Bürgernähe" wirklich ernst nehmen", bekräftigen die Anwohner.

Ihre Forderungen wollen sie auch auf einem Flugblatt an alle Gronauer Bürger verteilen. Udo Landgrebe empfahl den Gronauern sich mit Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr in Verbindung zu setzen. Dieser solle alle Betroffene wie Anwohner, DB Netz AG und Kommunalpolitiker zu einem runden Tisch einladen, damit für das Lärmproblem eine nachhaltige Lösung gefunden werden kann. Sie könnten außerdem Unterschriften sammeln, Plakate aufstellen, um mehr Mitstreiter für eine Bürgerinitiative in Gronau zu finden und den Druck auf Magistrat und Bahn zu erhöhen. "Der Ansprechpartner für ihr Lärmproblem ist der Bürgermeister, der mit der Thematik flexibel umgehen kann. Nicht der Verkehrsdezernent Frank, der ›betonköpfig" ist. Das Thema Lärm muss Chefsache werden", sagte Landgrebe.

Wichtig sei, dass der Lärm ein Ende habe. "Der Lärm beeinträchtige nachhaltig unsere Gesundheit und die darf nicht der Wirtschaftlichkeit geopfert werden", findet Rohde. Helmut Bomba sagte: "Ich finde die Idee des runden Tisches gut. Die Fakten müssen in einem Gespräch mit allen Beteiligten auf den Tisch, um eine für alle annehmbare Lösung zu finden."

Frank Schmidt, Leiter des Regionalnetzes Odenwald und Wetterau, der DB Netze AG, hatte Wokun in einem Schreiben am 21. Oktober mitgeteilt, am Bahnübergang Berger Straße das Gefährdungspotential durch die Reduzierung der Geschwindigkeit des Zugverkehrs auf 30 Kilometer pro Stunde verringert habe. Der Bahnübergang Berger Straße werde von einem Feldwegübergang zu einem Übergang mit Rad- und Fußgängerverkehr herabgestuft. Der könnte dann statt mit akustischen Signalen, mit Umlaufstellen gesichert werden.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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