Frühstücken für Integration und Zusammenhalt

Bad Vilbel (koe). "Erst wenn unsere Kinder nicht mehr gefragt werden, wo sie herkommen, haben wir es geschafft", sagt Atiye Bilen. Vor 27 Jahren kam die Aramäerin nach Deutschland. Sie und viele andere Frauen kümmern sich seit zehn Jahren um Integration in Bad Vilbel.

Beim internationalen Frauenfrühstück der Bürgeraktive kommen sie alle zusammen. Zusätzlich sind durch die Gruppe Sprachkurse ins Leben gerufen worden. Während des gestrigen Frühstücks wollten Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern und Einheimische im Haus der Begegnung (HdB) ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setzen.

Sie kommen aus allen Herren Ländern der Welt und haben in der Quellenstadt ihre Heimat gefunden. Sie stammen aus der Türkei, Indien, Pakistan, Afghanistan, Italien und so weiter. Unterschiedliche Erfahrungen haben sie mit Fremdenfeindlichkeit gemacht, doch alle eint eines: Sie leben gerne in Bad Vilbel und wollen sich gegen Diskriminierung einsetzen. Eva Raboldt, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle der Bürgeraktive bekräftigt: "Wir möchten zeigen, dass wir etwas für Integration machen."

Beim internationalen Frauenfrühstück kommen sie einmal im Monat zusammen. Am Montagmorgen haben sie zurückgeblickt, sich an ihre Anfänge in einem fremden Land erinnert und über ihre Erfahrungen mit Ausländerfeindlichkeit berichtet. Aktueller Anlass dafür ist die Neonazi-Mordserie.

Sati Özdemir gibt seit 1991 Deutschkurse bei der Bürgeraktive. Für Anfängerinnen, aber auch Alphabetisierungskurse für Frauen. "Sprache ist wichtig für Integration", sagt die Türkin. Seit 2001 gibt es dieses Angebot. Die Idee dazu, und auch zum internationalen Frauenfrühstück" hatten Agnes Busch und Helga Blum. "Für mich gibt es keine Unterschiede. Für Frauen, die nicht lesen und schreiben können, wollten wir etwas tun", sagt Busch.

Die meisten Frauen sind nicht ganz freiwillig nach Deutschland gekommen, viele zwang wirtschaftliche Not oder politische Hintergründe dazu, ihre Heimat zu verlassen. Anfeindungen haben fast alle erlebt, allerdings sind diese oft schon etliche Jahre her: Gracy Koottakava aus Indien zum Beispiel wurde in den 1980er-Jahren in einer Frankfurter Toilette beschimpft, sie habe hier nichts zu suchen. Andere berichten von Problemen bei der Wohnungssuche oder Pöbeleien. Kämpfen müssen aber, so sind sich alle einig, die Kinder der Frauen. "Sie sind immer Ausländer, obwohl sie hier geboren sind. Ich möchte nicht, dass sie immer als Menschen mit Migrationshintergrund betrachtet werden", sagt Bilen. Einige Frauen berichten auch von Anfeindungen in der Schule der Kinder.

Lehrerin Gerda Schivelbusch kennt das durch ihren Beruf. Doch sie habe ihren Schülern immer versucht beizubringen, dass alle gleich sind und man zusammenhalten muss. Bilens Sohn Ali ging zu Schivelbusch in die Klasse: "Er hat eines Tages zwei afrikanische Mädchen der Klasse gegen pöbelnde Jungen aus der Parallelklasse verteidigt", erinnert sie sich. Sie spricht sich klar gegen Diskriminierung aus, meint das aber auf einer breiten Ebene: "Denn auch arme Menschen oder Behinderte werden angefeindet. Es muss sich etwas in der Gesellschaft ändern", fordert sie. "Außerdem kommt es immer darauf an, wie man auf sein Gegenüber zugeht", fügt Bilen hinzu.

Özdemir hat in all den Jahren noch nie Ausländerfeindlichkeit zu spüren bekommen. Ihr Mann war jahrelang Lehrer für Türkisch, sie habe sehr guten Kontakt zu Nachbarn und Freunden. "Wir können Rassismus nicht tolerieren. Deutschland gehört uns allen", sagt Özdemir. Das Frauenfrühstück sei ein guter Ort für alle aus verschiedenen Ländern, sich näher kennenzulernen. "Wir sind doch alle gleich. Wir müssen jeden akzeptieren und in Harmonie miteinander leben", meint Özdemir.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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