Eindringliches Plädoyer für Europa

Nicht alle Tage kommt ein EU-Kommissar zum Neujahrsempfang eines CDU-Kreisverbandes. Doch die Europawahl macht es möglich, und gute Kontakte waren hilfreich. So summte und brummte es vor Aufregung im voll besetzten großen Saal des Sport-und Kulturforums Dortelweil, und gleich zwei lange Tische waren reserviert für Ehrengäste: Norbert Kartmann wurde ebenso gesichtet wie Petra Roth, ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin.

Nicht alle Tage kommt ein EU-Kommissar zum Neujahrsempfang eines CDU-Kreisverbandes. Doch die Europawahl macht es möglich, und gute Kontakte waren hilfreich. So summte und brummte es vor Aufregung im voll besetzten großen Saal des Sport-und Kulturforums Dortelweil, und gleich zwei lange Tische waren reserviert für Ehrengäste: Norbert Kartmann wurde ebenso gesichtet wie Petra Roth, ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin.

Tobias Utter, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, begrüßte die Landtagsabgeordneten und Wetterauer Politiker Jörg-Uwe Hahn (FDP), Lisa Gnadl (SPD) Katrin Andres (Grüne) nebst der Wetterauer CDU-Vorsitzenden und Ministerin für Bunde- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich. In ihrer Rede machte sie Mut für ein Durchstarten der CDU in diesem Jahr, beflügelt von einer neuen Parteiführung im Bund und der frisch gewählten hessischen Landesregierung unter Volker Bouffier, der sie abermals angehört.

Klare Worte zu Europa sprach Günther Oettinger. "Nach sechs guten Jahren trübt sich die Lage ein", mahnte er. Das sei nicht nur den schlechteren wirtschaftlichen Daten geschuldet, sondern auch den politischen Entwicklungen, welche die politische Einheit Europas schwächten. Ungarn, Polen und Rumänien hielten die EU-Regeln für Rechtsstaatlichkeit nicht ein oder akzeptierten sie nur eingeschränkt. Hoffnung gäben andere Länder wie die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Irland.

Eine "große Unordnung" weltweit befürchtet Oettinger, denn Autokraten regierten in vielen Ländern, und Populisten würden gefeiert. China wachse zu einer Weltmacht heran, die ihren Einfluss verstärken wolle. "Wenn wir unsere auf demokratischen und sozialen Prinzipien ruhende Werteordnung erhalten wollen, dann müssen wir dafür kämpfen", sagte Oettinger. Europa sei Erfolgsprojekt und Garant gleichermaßen für ein Leben in Frieden und Freiheit. Wer wolle, dass das so bleibe, dem müsse klar sein: "Europa funktioniert nur groß oder gar nicht".

Einig müsse Europa sein und mit einer Stimme sprechen, sonst sei Europa verloren gegen die großen Player im Weltgeschehen, ob nun China, USA oder Russland. Oettinger riet, einmal einen Blick auf China zu werfen mit Riesenstädten wie Shanghai. Mit 34 Millionen Einwohner sei diese Stadt um vielfaches größer als die deutschen Großstädte zusammen.

Freizügigkeit als Segen

Doch die 27 europäischen Mitgliedstaaten zählen zusammen 512 Millionen Einwohner und sind laut Oettinger der "größte Marktplatz der Welt". Von dem großen Binnenmarkt ohne Zölle profitiere die Wirtschaft und Wohlstand der Menschen. Die gemeinsame Euro-Währung von neunzehn EU-Ländern sei ein zusätzliches Plus, das Europas Abhängigkeit von dem Dollar als Leitwährung reduziere. Die Freizügigkeit sei ein Segen, beschwor Oettinger. "Trump will in den USA eine Mauer bauen, wir können ohne Pass und Visum in Europa reisen."

Warum nun England genug von Europa hat und die Scheidung will, dafür gibt es nach Ansicht Oettingers einige Erklärungen. Das Lebensgefühl der Engländer, einstige Weltmacht und Inselstaat, der mit Distanz zum übrigen Europa blicke, trage zur politischen Spaltung ebenso bei wie wirtschaftliche Gründe, Parteienkonstellationen und die Gemütslage von sozialen Schichten, die sich benachteiligt fühlten. Angesichts all dieser drängenden Probleme hat für Oettinger die Europawahl einen hohen Stellenwert.

Fast eine Stunde redete Oettinger, eindringlich, mit aller Überzeugungskraft. Beifall brandete auf, und laute "Bravo", waren zu hören, die sich am Schluss zu einer stehenden Ovation steigerten. Vielfaches Händeschütteln folgte am Schluss, einige Handy-Selfies noch mit Oettinger. Dann machte sich der Europa-Kommissar auf den Weg zur nächsten Veranstaltung nach Freiburg. In Bad Vilbel ging der Neujahrsempfang zu Ende wie immer: Gulaschsuppe für alle, garniert mit viel guter Stimmung.

Quelle: Wetterauer Zeitung

Kommentare