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Auswirkungen auf die Natur

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Norbert Nakoinz eröffnet den Informationsabend zum Grundwasser. An seiner Seite (von links): Joachim Arnold und Horst Seißinger. © Jürgen W. Niehoff

Beim Info-Abend der Naturfreunde ist für sorgsamen Umgang mit Wasser plädiert worden. Am Samstag, 16. Juli, ist ein Aktionstag mit Staffelauf geplant. Stopp in Bad Vilbel ist um 10 Uhr.

Bad Vilbel (jwn). Wasser ist nicht nur nach Ansicht der Bad Vilbeler Naturfreunde eine Quelle des Lebens und verdient deshalb einen besonderen Schutz. Zusammen mit der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV), die sich seit Beginn der 1990 Jahre gegen übermäßige Wassergewinnung in der Vogelsbergregion wehrt, hatten die Bad Vilbeler Naturfreunde zu einem Informationsabend über den nachhaltigen Umgang mit Grundwasser in das Haus der Begegnung nach Bad Vilbel eingeladen.

Neben der Vorsitzenden des SGV Cécile Hahn und dem selbstständigen Ökologen Hans Otto Wack sollte dazu auch der Vorstandsvorsitzende der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (Ovag), Joachim Arnold, Stellung beziehen. Die Ovag gehört neben Hessenwasser GmbH und Mainova AG zu den Gewinnern und Weiterleitern des Grundwassers, darunter auch nach Frankfurt.

Viele Menschen im Rhein-Main-Gebiet wissen oft nicht, wenn sie ihre Wasserhähne aufdrehen, dass etwa drei Viertel ihres Trinkwassers über viele Kilometer aus dem Vogelsberg oder dem hessischen Ried zu ihnen nach Hause transportiert wird.

Frankfurt bezieht ungefähr ein Drittel seines Wassers aus dem Vogelsberg, im Durchschnitt 40 Millionen Kubikmeter im Jahr. Das Gewinnungsgebiet Vogelsberg selbst hat jedoch fast 70 Prozent seiner Quellen mittlerweile verloren. Sicherlich auch als Folge der drei trockenen Sommer seit 2018 mit erheblichen negativen Auswirkungen für den gesamten Naturhaushalt und speziell den Forst, weil beispielsweise in der Vogelsbergregion zahlreiche Bäche und Quellen ausgetrocknet sind.

Keine natürliche Regeneration mehr

»Aber selbst ohne Grundwasserentnahme ist die Situation mittlerweile gravierend«, sagt Vorsitzende Hahn. Nach ihrer Ansicht sei die Beanspruchung der Natur inzwischen so stark, dass sich die Wasserressourcen nicht mehr auf natürliche Weise regenerieren könnten. Deshalb müsse der Mensch darauf reagieren. Ähnlich sieht dies auch der Ökologe Wack. In Deutschland verbraucht jeder durchschnittlich knapp 121 Liter Wasser am Tag.

Dabei werden lediglich vier Prozent des Trinkwassers zum Kochen oder Trinken verwendet. Der größte Teil fließt durch Wasserhähne und Waschmaschinen oder spült die Toilette. Und noch ein Problem rückt mehr in Vordergrund: Je größer die asphaltierten Flächen, desto mehr Regenwasser wird über die Kanalisation in die Flüsse geleitet und führt zu vermehrten Überschwemmungen. Wasser, das eigentlich versickern sollte, damit sich neues Grundwasser bilden kann.

Für Wack ist Frankfurt einer der Hauptverursacher, dass in der Vogelsbergregion sehr viele Quellen und Bäche ausgetrocknet seien. Deshalb müsse dort der Umgang mit dem Grundwasser neu organisiert werden. »Gesetze und Verordnungen dazu gibt es schon seit langem, nur müssen sie endlich umgesetzt werden«, erklärt Wack.

Er warf den Verantwortlichen in Frankfurt hinsichtlich ihrer Wasserpolitik Untätigkeit vor. Für ihn ist klar, dass die Stadt am Trinkwasser via Hessenwasser GmbH und Mainova AG zu gut verdiene, als dass sie in dieser Richtung tätig werden würde. »Stattdessen erfindet es die fadenscheinige Ausrede, ein zweites Leitungssystem im Haus sei zu teuer und damit unzumutbar, obwohl dieses komplett nur rund 25 Euro pro Meter kosten würde. Ovag-Chef Arnold wies daraufhin, sein Unternehmen achte schon seit Jahren darauf, dass nicht mehr Grundwasser entnommen werde als die Natur vertrage. Schließlich sei auch für die Ovag das Grundwasser das Lebensmittel Nummer Eins, das unter allen Umständen geschützt werden müsse. So habe sein Unternehmen schon seit längerem ein Grundwasserressourcenmanagement zur nachhaltigen Trinkwasserversorgung.

Als Beispiel nannte Arnold die Ovag-Wasserampel für die Kommunen, die deren Wasserhaushalt steuern soll. Einig ist sich Arnold mit Wasserschützern: Die Einstellung jedes Einzelnen zum Trinkwasser müsse sich ändern. Es müsse noch mehr Grundwasser gespart werden.

Um die nach ihrer Ansicht prekäre Situation mehr ins Bewusstsein zu rücken, haben zahlreiche Verbände, Vereine und Kommunen einen Aufruf gestartet, am kommenden Samstag, 16. Juli, mit einem Staffellauf symbolisch das Trinkwasser von Frankfurt entlang der Nidda in das Gewinnungsgebiet Vogelsberg zurückzutragen. Mit dem Lauf soll unter anderem für eine stärkere Eigenversorgung etwa durch Ausbau von Brauchwassersystemen geworben werden sowie für den Erhalt eigener Gewinnungsanlagen im Ballungsraum Rhein-Main.

Der (Fahrrad-)Lauf beginnt am Samstag, um 9 Uhr in Frankfurter Stadtteil Bonames. Treffpunkt in Bad Vilbel ist gegen 10 Uhr an der Niddabrücke, in Niddatal um 11 Uhr an der Wettermündung. Die gesamte Strecke des Laufs beträgt ungefähr 90 Kilometer.

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