Andy Hübner hat Benzin und Chrom im Blut

Bad Vilbel (aho). Das Umbauen von Motorrädern scheint dem 21-jährigen Zweiradmechanikermeister im Blut zu liegen. So gesehen ist die TV-Show "Pimp my ride" für Andy Hübner ein alter Hut. "Schon als Kind habe ich Motorradmodelle verändert", erinnert sich der schlaksige junge Vilbeler mit spitzbübischem Grinsen. Auch jetzt, seit fast zwei Jahren im Betrieb seines Vaters, hat Hübner nichts anderes als das Umbauen im Kopf.

Die Leidenschaft habe er von seinem Vater mitbekommen, sagt er. Wer die Werkstatt betritt, weiß, dass hier "Benzin im Blut" eine wichtige Rolle spielt. Breitreifige Motorräder, ausladende Tanks, blitzendes Chrom herrschen optisch vor. Keine Maschine sieht aus wie die andere. Dafür sorgen Vater Wolfgang Hübner, sein Geschäftspartner, ein Mitarbeiter und Sohn Andy. Von der Sitzbank über Stoßdämpfer und Einzelteile, mit denen man den "Bock" nach eigenem Geschmack verschönern kann, findet man alles in dieser Werkshalle. Auch ein Komplettaufbau von Null an, sei hier möglich.

Wolfgang Hübner hatte früher bei "Harley Davidson" in Frankfurt gearbeitet, ehe er mit "Mainhattan Parts and Coppers" seinen eigenen Betrieb aufmachte. In dem arbeitet nun der Junior auch schon ein paar Jahre mit. "Ich bin mehr für die Elektronik zuständig, und mein Vater für das Klassische", sagt Andy. Wobei ihm nach wie vor der klassische Umbau am Herzen liege.

Der Sound eines Motorrads und der Lifestyle, der damit verbunden sei, mache für viele dieses Hobby so attraktiv, sagt Hübner - und natürlich auch die Geschwindigkeit. Die sei für ihn nicht so wichtig, sagt er.

"Ich habe - neben den Pfadfindern - mein Hobby zum Beruf gemacht", freut sich Andy Hübner, der früher auf den Realschulzweig der John-F.-Kennedy-Schule ging. "Ich bin mit Motorrädern aufgewachsen", sagt er. Von seinem damaligen Lehrer und heutigen JFK-Schulleiter Peter Mayböhm sagt er: "Der hat mich auf den Weg gebracht." So verließ der damals 16-Jährige mit der Mittleren Reife die JFK, machte dreieinhalb Jahre seine Ausbildung. "Da dachte ich, ich hänge gleich den Meister dran", beschreibt Andy Hübner seine Blitzkarriere im Beruf, der für ihn Berufung ist. Den Meister hat er seit März 2010.

Bereits mit 16 Jahren machte er seinen Motorradführerschein, als Volljähriger durfte er dann endlich selbst fahren. Damals war es eine kleine Suzuki - die er natürlich gleich dem eigenen Geschmack anpasste. "Ich mag schon schmale Motorräder." Chrom gehört für ihn dazu, und Farbe. Weniger Schwarz, das von den meisten bevorzugt werde. Für ihn steht der satte Sound der Maschine im Vordergrund - und das Fahrgefühl, wenn es zwischenzeitlich mal schneller sein darf.

Nun hat Hübner auf der Messe "Custombike Germany 2010" in Bad Salzuflen, bei der ausschließlich Umbauten und Einzelanfertigungen von Motorrädern gezeigt werden, für sein Meisterstück, dem radikalen Umbau einer BMW R26, den Sonderpreis "Rookie of the Year" ("Nachwuchs des Jahres") gewonnen. Und das, obwohl er sonst hauptsächlich Harleys umbaut. Für den Wettbewerb seien - neben der Optik des Motorrads - auch die Art des Umbaus und dessen Raffinessen beurteilt worden, sagt der 21-jährige Zweiradmechanikermeister.

Die Firma "pimpt" und wartet jedoch nicht nur Motorräder, wie Andy Hübner sagt, sondern möchte auch etwas für den Nachwuchs tun. "Wir haben darüber nachgedacht, auszubilden." Da man sich als Vier-Mann-Betrieb im Moment dazu noch außerstande sehe, nehme man aber gern auch Schulpraktikanten und -praktikantinnen an. Der Zusatz geht über die gesetzlich erforderliche Gleichstellung hinaus: "Wir hatten wirklich schon Praktikantinnen hier." Wenn man den Senior fragt, sind die sogar teilweise besser - weil sie genauer arbeiten.

Wie sehen die Pläne eines preisgekrönten Jungmeisters, der über Arbeitsmangel nicht klagen kann, für die Zukunft aus? "In diesem Jahr möchte ich mit meiner Freundin nach Kroatien fahren. Auf dem Rückweg schauen wir noch bei einem Harley-Treffen in Österreich vorbei", sagt er. Der Jungmeister ist sicher nicht der erste, der im Winter schon Urlaubspläne schmiedet.

Selbstgebauter Seitenwagen

Mit dem "Schmieden" nehmen es Andy und Wolfgang Hübner seit einer Wochen schon ernster: Da seine Freundin keinen Motorradführerschein hat, haben die beiden einen Seitenwagen gefertigt, der im Fachjargon als "Boot" bezeichnet wird. Dann sitzt ein nostalgisch anmutendes BMW-Boot auf einem Harley Unterteil, für das die Stoßdämpfung noch konstruiert werden muss, damit es passt. Der Rest wird noch die nächsten Wochen in Anspruch nehmen. "Da liegt noch viel Arbeit vor uns, weiß der Hübner-Junior.

"Ich wollte das auch mal machen", sagt Wolfgang Hübner. Weil man bei allem, was man tue, dazulerne, scherzt er: "Ich habe gelernt, dass ich das nicht noch mal machen muss." Selbst für den leidenschaftlichen Bastler war das des Guten zu viel. Noch ist das Werk nur in unlackierten Rohfassung zu sehen. Aber Vater und Sohn sind sich sicher, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann - beim nächsten Wettbewerb.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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