Wenn Oma Anna im ICE vergessen wird...

Bad Nauheim (con). Drei Jahre lang besteht das Theater am Park und feiert gerade Geburtstag. Stetig wachsender Erfolg mit seinem Programm zeigt dem Betreiber Ulrich Rhein, dass seine Entscheidung die Richtige war, denn sehr viele seiner Veranstaltungen sind ausverkauft. So auch an diesem Abend. Die Kabarettistin Monika Blankenberg aus Köln zeigte ihr Programm "Altern ist nichts für Feiglinge", mit dem sie das Publikum begeisterte.

Und dass Kabarett nicht gleich Kabarett ist, konnte der geneigte Gast auch schnell erkennen. Monika Blankenberg repräsentiert die ruhigen Vertreter ihrer Art. Sie bewegt sich gelassen, beinahe schon gemessen, spricht ruhig und gut verständlich, trotz ihrer rheinischen Herkunft. Hier und da erkennt man, dass sie auch politisch durchaus engagiert ist, und die Pointen sind eigentlich nicht lustig, sondern eher bitter und regen zum Denken an. Doch meist landet sie köstliche Treffer, und im Verlauf des Abends schafft sie es, dass das Publikum aus dem Lachen kaum noch herauskommt.

Sie beginnt mit der Begrüßung "Liebe Faltenträger, liebe Alterspigmentierte", erläutert, dass mit der Geburt das Altern beginnt und mit jedem Jahrzehnt ab dem 30. Lebensjahr neue Anforderungen gestellt werden. In einer Ü-30-Disco ist ein Schild mit der Aufschrift "wieder auferstanden" hilfreich, umso den erstaunten Blicke entgegenzutreten.

Die Geburtstagstorte von Frau Blankenberg sieht inzwischen aus wie ein Fackelzug, und sie bevorzugt es, nur noch eine Kerze pro Jahrzehnt anzuzünden, damit es wieder übersichtlich wird. Die Kölnerin fragt sich, wie es passieren konnte, dass die Familienministerin schwanger geworden ist, da sie und ihr Mann doch voll berufstätig sind und das auch noch an unterschiedlichen Orten. Und sie berichtet von Ratgebern für Menschen ab 40 zur "Baustelle" Frau bzw. Mann, von den massiven Attacken der Kosmetikindustrie zur Behebung der Faltenbildung und der aufdringlichen Fitness, mittels derer man schlank und gelenkig bleiben kann. Monika Blankenberg ist mit allen Wassern gewaschen, wenn es darum geht, herauszufinden, was alles getan werden sollte, um dem Altern vorzubeugen.

Sie bezeichnet den Verteidigungsminister als blaublütigen Restposten, die Arbeits- und Sozialministerin als 7-fache Ursula, die Agrarministerin als Dioxin-Ei aus Bayern und den Gesundheitsminister als Regierungspraktikant. Auch die Männer müssen dran glauben. Monika Blankenberg beschreibt die Herren der Schöpfung, nachdem diese realisiert haben, dass das 50. Lebensjahr bereits Realität geworden ist. Sie lässt kein gutes Haar an ihnen, und wolle man sie vom Sofa bekommen, müsse man es komplett entsorgen.

Doch der Brüller des Abends war ihre Rolle als Oma Anna, die wegen ihrer kaputten Hüfte im ICE vergessen wurde und jeden Tag in ihrer Straße auf- und abhumpelt, um ihre einsame Demonstration abzuhalten - für eine neue Hüfte.

Die meisten ihrer Sketsche holt Monika Blankenberg aus dem Alltag. Nichts ist so schräg und so unmöglich, dass es nicht aus dem wahren Leben entspringt, erläuterte sie gegenüber der WZ. Ihre Brillensammlung, die sie in der Rolle der Oma Anna handhabt, sind Originalstücke aus dem Nachlass ihrer Eltern, und die im ICE vergessene Oma Anna ist Figur einer tatsächlich geschehene Geschichte.

Blankenberg ist eine sympathische Kabarettistin, die Kabarett auch noch als solches zeigt. Der alltägliche Wahnsinn, scharf beobachtet und satirisch umgesetzt - damit schafft sie es, das Publikum zu brüllendem Gelächter über sich selber zu animieren.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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