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Vergewaltigung: 33-Jähriger muss ins Gefängnis

Bad Nauheim/Friedberg (lk). Er hat seine ehemalige Lebensgefährtin und Mutter des gemeinsamen Sohnes vergewaltigt - davon ist das Friedberger Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Dr. Gerlinde Kimpel überzeugt. Gestern verurteilte Kimpel den 33-jährigen Mehmet R. (Name geändert, die Red.), der zuletzt in Nieder-Mörlen wohnte, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Bis zum Antritt der Strafe bleibt R. auf freiem Fuß: Die Richterin setzte dem Vollzug des Haftbefehls aus.

Der gebürtige Türke, der über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft gesessen hatte, schwieg während des gesamten Prozesses. Seine ehemalige Lebensgefährtin hingegen schilderte die Tat ausführlich: Im Juli des vergangenen Jahres habe R. sie nach einem Streit in der gemeinsamen Wohnung vergewaltigt, während der Sohn des Paares im Nebenzimmer schlief. Zunächst habe Mehmet R. sie mit einem Kabel gefesselt, allerdings nicht sehr fest, weshalb sie sich habe befreien können, dann sei er in sie eingedrungen. Zum Zeitpunkt der Tat sei sie vom 33-Jährigen bereits getrennt gewesen.

Die 24-Jährige hatte auch Hintergründe der Beziehung geschildert. Sie hatte R. im Alter von 19 Jahren kennengelernt, schnell war sie schwanger geworden. Während der Schwangerschaft setzte es das erste Mal Schläge, mehrfach sei sie ins Frauenhaus geflohen. Doch die 24-jährige zierliche Blondine kehrte jedes Mal zu R. zurück.

Nach der Vergewaltigung im Juli letzten Jahres habe der 33-Jährige sie nicht aus den Augen gelassen. Habe die Wohnung verlassen und sei zurückgekehrt ohne ihr zu sagen, wann er zurückkomme. Sie habe sich nicht getraut zu fliehen. Eine Woche nach der Tat ergriff sie die Möglichkeit zur Flucht ins Frauenhaus. Auf dem Weg dorthin habe R. ihr Auto entdeckt und sie verfolgt. Aus Angst sei sie zur Polizei gefahren. Erst bei der dortigen Vernehmung kam die Vergewaltigung ans Licht, die Anzeige gegen den 33-Jährigen erging dann von Amtswegen.

Das Gericht glaubte der 24-Jährigen, die als Nebenklägerin auftrat. "Sie hat während der Verhandlung keinen besonderen Belastungseifer an den Tag gelegt", sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Die junge Frau habe die "ganze Geschichte nicht dramatisch aufgebauscht", nicht von Drohungen oder besonderer Gewalt erzählt. Sie habe die Tat sehr detailliert geschildert, was ebenfalls gegen eine konstruierte Aussage spreche.

Auch wenn es zwischen ihrer Aussage bei der Polizei und der des Prozesses Abweichungen gegeben habe, so seien diese zu erklären. Das Gericht gehe nicht davon aus, dass die Nebenklägerin zu einem wesentlichen Detail bewusst falsche Angaben gemacht habe. "Sie war aussagefreudig, man musste ihr nicht alles aus der Nase ziehen", sagte die Richterin, die R. nicht nur der Vergewaltigung, sondern auch des vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein schuldig sprach.

Zudem hielt die Richterin den Haftbefehl gegen den 33-Jährigen zwar aufrecht, setzte diesen jedoch aus. Bedeutet: R. bleibt bis zum Antritt seiner Strafe auf freiem Fuß. Damit das so bleibt, muss er sich jeden Montag bei der Polizei melden, darf keinen Kontakt zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin aufnehmen und ihr nicht näher als 100 Meter kommen. "Das Gericht geht nicht davon aus, dass er sich der Strafe entzieht", begründete die Richterin den Entschluss.

Für das Vergewaltigungsopfer keine leichte Situation. Auch wenn sie derzeit untergetaucht ist: Sowohl ihre als auch seine Familie leben in Bad Nauheim und Umgebung. Zudem ist das Urteil nicht rechtskräftig, R. hat die Möglichkeit Berufung oder Revision einzulegen, womit Monate bis zum Haftantritt vergehen könnten.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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