Traum von Hollywood endet beinahe im Fiasko

Bad Nauheim/Friedberg (jw). Das Angebot klang verlockend: Mit 50 000 Euro sollte sich Ulf Berlinghoff an der Produktion von Hollywood-Filmen beteiligen. Laut Prospekt der Produktionsfirma eine "vielversprechende Investitionsmöglichkeit", dank weltweiter Vermarktung der Filme könnten "maximale Überschüsse" erwirtschaftet werden. Doch die "Traumfabrik Hollywood" produzierte in diesem Fall nur Albträume.

Aus dem Geschäft wurde nichts, das Geld der Anleger ist futsch. Berlinghoff, der in Friedberg lebt und als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht seit 1988 in Bad Nauheim eine Anwaltskanzlei mit 15 Mitarbeitern betreibt, wehrte sich und bekam vor dem Oberlandesgericht Frankfurt Recht: Die Volksbank Mittelhessen, die das Geschäft vermittelt hatte, muss dem 53-Jährigen seine Einlage zurückzahlen. Grund: Die Bank hatte dem Anleger verschwiegen, dass sie neben dem üblichen Aufgeld ("Agio") eine weitere Provisionszahlung von der Filmfondsgesellschaft erhält. "Hätte ich gewusst, wie hoch die Provision der Bank ist, hätte ich den Fonds nicht gezeichnet", sagt Berlinghoff.

"Stupid German Money", zu deutsch "dummes deutsches Geld" werden in der US-amerikanischen Filmwirtschaft Gelder aus deutschen Investmentfonds genannt, die leichtgläubig in erfolglose amerikanische Filmproduktionen investiert werden. Das Filmgeschäft war neu für Berlinghoff, als er im November 2002 die Beteiligung unterschrieb. Mehrere andere Beteiligungen an Schiffsfonds hatte er schon gezeichnet. Die Gewinne dienten dem Aufbau seiner Altersvorsorge, sagt der selbständige Rechtsanwalt. Nun sollte er sich an der Produktion von Filmen beteiligen, zehn Stück an der Zahl.

Um dafür die Werbetrommel zu rühren, lockte die Firma mit Stars wie Rowan Atkinson ("Mr. Bean"), Jodie Foster, Michael Douglas, Tom Hanks und mit Bildern von einer Oscar-Verleihung.

"Es war eine Dummheit, diesen Fonds zu zeichnen", räumt Berlinghoff ein. Der Kundenbetreuer des Geldinstituts habe ihm den Filmfonds als sichere Anlage dargestellt. Allerdings kannte Berlinghoff bei der Vertragsunterzeichnung nicht die tatsächliche Höhe der Provision, welche die Bank bei dem Geschäft erhält. Neben dem Agio in Höhe von 5 Prozent der Anlage war dies eine weitere Rückvergütung von 4 Prozent. Insgesamt also 9 Prozent Provision, bei einer Einlage von 50 000 Euro sind das 4500 Euro. Da diese und ähnliche Summen von allen Einlagen abgezogen werden, könne man sich ausrechnen, dass ein erheblicher Teil des Geldes erst gar nicht in die Filmproduktion einfließe, sagt Berlinghoff. "Hätte ich das gewusst, hätte es mich stutzig gemacht und ich hätte mich nicht beteiligt."

Seit 30 Jahren ist er Kunde der Volksbank Mittelhessen, seit 20 Jahren laufen alle Finanzierungsgeschäfte seiner Anwaltskanzlei über das heimische Geldinstitut. "Mehrere 100 000 Euro an Zinsen und Kontoführungsgebühren" habe er seither wohl gezahlt, rechnet Berlinghoff vor. Und dann das. Nachdem er über den Ausfall seiner Beteiligung informiert worden war und auf Unstimmigkeiten im Vertrag aufmerksam wurde, bat er seine Hausbank, sie möge ihm einen Vorschlag über einen Ausgleich machen. Doch die Volksbank lehnte ab. "Es gab auch nicht den Ansatz einer Bereitschaft zu einem Vergleich oder zu irgendeinem Entgegenkommen", sagt Berlinghoff. Er klagte auf Schadenersatz, doch das Landgericht in Gießen lehnte seine Forderungen Ende April 2010 ab. Berlinghoff ging in Berufung, siegte schließlich im November vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt.

Die Volksbank hatte darauf verwiesen, dass in dem Prospekt der Filmfondsfirma ausdrücklich auf die Risiken hingewiesen werde. In dem Prospekt heißt es: "Eine Filminvestition beinhaltet neben Chancen auch Risiken. Nicht erwartete Entwicklungen können die prognostizierten Ergebnisse negativ beeinflussen und im Extremfall sogar zum Verlust der Kapitalanlage führen."

Dass Berlinghoff dennoch Recht bekam, hängt mit dem Gespräch mit dem Kundenberater zusammen. Bei vorherigen Beteiligungen bei einem Vermögensberater konnte Berlinghoff aushandeln, dass er kein Agio bezahlen musste. Dies wollte er so auch mit der Volksbank aushandeln, hatte aber keinen Erfolg. Vor Gericht sagte der Kundenberater, er habe Berlinghoff geantwortet, die Bank könne und wolle nicht auf das Agio verzichten. "Mehr über Provisionen haben wir nicht gesprochen." Laut Berlinghoff habe der Berater gesagt, ein Verzicht auf das Agio sei nicht möglich, da die Bank "sonst ja gar nichts verdienen würde". Von der weiteren Vergütung in Höhe von 4 Prozent war beim Kundengespräch aber nicht die Rede. In der Zeugenvernehmung sagte der Kundenberater, auch er habe nichts von dieser zusätzlichen Innenprovision gewusst. Die Bank, urteilte das Oberlandesgericht, sei aber verpflichtet, ihre Kunden "über die für die Anlageentscheidung bedeutsamen Umstände wahrheitsgemäß und vollständig aufzuklären".

Die Volksbank habe gegen diese Pflicht verstoßen, es liege "eine irreführende und täuschende Angabe über den Verdienst der Bank" vor.

"Durch Provisionsinteressen gesteuert"

Wenn hinter dem Rücken des Kunden dessen Geld an die Bank zurückfließe, habe das Kreditinstitut "ein für den Kunden nicht erkennbares besonderes Interesse, gerade diese Beteiligung zu empfehlen. So liegt es hier", heißt es im Urteil. Zumal Berlinghoff erst im Zuge seiner Klage die tatsächliche Höhe der zusätzlichen Provision erfuhr. Es liege aber auf der Hand, so das Gericht, dass ein Anleger, der die tatsächliche Provisionshöhe kennt, die Anlageempfehlung kritischer würdige. Der Kunde müsse darüber informiert sein, ob die Beratung der Bank von finanziellen Interessen unbeeinflusst sei oder ob es sich "um eine möglicherweise durch Provisionsinteressen mit gesteuerte Beratung" handele.

Die Volksbank Mittelhessen will im Moment keine Auskünfte zu dem Fall geben. Wie Unternehmenssprecher Stefan Spicker der WZ sagt, habe man Rechtsmittel eingelegt, es handele sich um "ein schwebendes Verfahren". Die Bank strebt eine Nichtzulassungsbeschwerde an. Denn das Oberlandesgericht Frankfurt hatte eine Revision ausdrücklich nicht zugelassen und das Urteil für rechtskräftig erklärt, da eine echte Täuschungshandlung vorliege.

Banken seien verpflichtet, ihre Kunden "über die für die Anlageentscheidung bedeutsamen Umstände wahrheitsgemäß und vollständig aufzuklären", urteilte das Oberlandesgericht im Rechtsstreit zwischen Ulf Berlinghoff und der Volksbank Mittelhessen. Das sieht auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) so. Vor wenigen Tagen kündigte sie an, verdeckte Ermittler einzusetzen, um die Qualität der Kundenberatung in Banken zu überprüfen. Verbraucherschützer kritisierten schon lange, dass Finanzberater aus Umsatzinteresse gesetzeswidrig bestimmte Finanzprodukte empfehlen, die den Kunden schaden. Die Volks- und Raiffeisenbanken haben verärgert auf diese Ankündigung der Bundesregierung reagiert. "Verdeckte Ermittler bekämpfen Verbrecher, wir aber sind nicht kriminell", sagte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).

Es bedürfe keiner "Privatdetektive", die "auf Kosten der Steuerzahler" ausschwärmten. Die Kontrollen der ›Stiftung Warentest‹ reichten aus. (jw)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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