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Tiefgarage und mehr Wohnungen am Bad Nauheimer Bahnhof

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Neben Gleis 1 liegt ein Parkplatz. Dort soll ein Garagenkomplex und eine vorgelagerte schmale Wohnbebauung entstehen, dahinter im Schrebergartengelände sind weitere Häuser mit Wohnungen geplant. © Petra Ihm-Fahle

Nach und nach erfolgt eine Aufwertung des Bad Nauheimer Bahnhofs. Nächster Schritt ist der Bau der »Fürstenhöfe«, einer Wohnbebauung nördlich des Areals. Nun hat der Investor neue Pläne vorgelegt.

Die Sonne knallt auf den Vorplatz des Bad Nauheimer Hauptbahnhofs, den eine Blumenpyramide und eine Statue des Planetenwanderwegs ziert. Im Bahnhofsgebäude ist es kühler, Geschäfte und ein Imbiss locken in der Halle zum Näherkommen. Fernweh zum einen, Pendlerfrust zum anderen mischt sich an jenem Ort in die Gefühle der Menschen. In diesem Umfeld zu wohnen - das dürfte für den einen oder die andere sicher etwas haben.

Schon länger ist geplant, Wohnbebauung - die »Fürstenhöfe« - nördlich der Station zu errichten. Im November 2020 beschloss das Stadtparlament denn auch geschlossen die Aufstellung des Bebauungsplans »Am Bahnhof«. Ihr Konzept entwickelte die Investorin »Portal Real« aus Lörrach zwischenzeitlich aber deutlich weiter, worauf das Hohe Haus jüngst erneut abstimmte und grünes Licht dafür gab.

Der Beschluss in der Trinkkuranlage erfolgte ohne Diskussion. Laut der Sitzungsvorlage führt das Unternehmen folgende Leitgedanken unverändert fort: Auf der ehemaligen Schrebergartenfläche nördlich vom bestehenden Park-and-Ride-Platz und südlich der Benekestraße will Portal Real Wohnbebauung umsetzen. Von 36 Wohnungen war bislang die Rede. In folgenden Punkten entwickelte die Vorhabenträgerin das Entwicklungskonzept nun grundsätzlich weiter: Die Park-and-Ride-Anlage wird zum Garagenkomplex mit rund 300 unter- und überirdischen Stellplätzen. Davor soll laut der neuen Pläne eine schmale einachsige Bebauung mit 20 Wohneinheiten entstehen. Die Garage werde weder vom Bahnhof noch von der Rittershausstraße aus sichtbar sein. Vorgesehen ist, den öffentlichen Teil der Tiefgarage sowie die oberirdischen Stellplätze an die Stadt zu verpachten.

Fürstenpavillon soll erhalten werden

Auf der anderen Seite des Bahnhofs liegt südlich der Fürstenpavillon. Graffiti prangen auf der Fassade, Unrat liegt in der Einfahrt und auf dem Rasen. 2020 war die Rede von zwei Gewerbeimmobilien gewesen, die den Pavillon künftig einrahmen sollten. Den bisherigen Gestaltungsvorschlag verfolgt der Investor zunächst nicht weiter, für eine Neukonzeption könnte eventuell der Parkplatz zwischen Ernst-Moritz-Arndt-Straße und Bahntrasse dienen. Zum Fürstenpavillon ist aber Konsens, dass er erhalten, städtebaulich integriert und aufgewertet werden soll. Eventuell erfolgt eine Ergänzung der Pläne zu einem späteren Zeitpunkt.

Das Rathaus bewertet das Konzept unverändert positiv: »Mit der geplanten Neubebauung können sowohl Wohn- als auch Gewerberaum sowie öffentliche Stellplätze in innerstädtischer Lage geschaffen werden.« Für alle Nutzungen sieht die Stadtverwaltung eine anhaltend hohe Nachfrage in Bad Nauheim. »Dieses Bauvorhaben unterstützt das städtische Ziel der Innenentwicklung«, heißt es weiter. Es sei auch kein hoher Aufwand an Infrastruktur erforderlich, etwa ein Straßenausbau. »Die Nähe zum Bahnhof ermöglicht eine sehr gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, beispielsweise für Berufspendler.« Bauplanungsrechtliche Belange des Denkmal- und Artenschutzes, die Lage an der Bahntrasse und die Bestimmungen des Regionalen Flächennutzungsplans gelten demnach weiterhin. Zu ergänzen seien sie lediglich um den Sachverhalt der verkehrlichen Erschließung, da mit einem erhöhten Park- und Verkehrsaufkommen zu rechnen sei. Die Planer gehen zwar davon aus, dass die Infrastruktur diesbezüglich ausreichend sei, dennoch wurde bereits eine verkehrsgutachterliche Überprüfung angestoßen. Dabei werden verschiedene Varianten der verkehrlichen Grundstückserschließung geprüft und dargestellt. Die Kosten, um den Bebauungsplan aufzustellen, trägt die Vorhabenträgerin. Das Bahnhofsgebäude ist mittlerweile saniert, bleibt aber Bestandteil des Bebauungsplans.

»Bezahlbarer Wohnraum« soll entstehen

Die Vorhabenträgerin, das Unternehmen Portal Real (Lörrach), erklärt sich laut der Sitzungsvorlage bereit, etwas für den »bezahlbaren Wohnraum« zu tun. Portal Real entrichtet demnach - wie vom Parlament für alle künftigen Investoren festgelegt - einen Sozialbeitrag für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum von 700 Euro pro Quadratmeter für 15 Prozent der geplanten Wohnfläche an die Stadt. Derzeit handelt es sich um circa 6400 Quadratmeter in Höhe von knapp 680 000 Euro. (Petra Ihm-Fahle)

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