Satte Mehrheit: Nell-Düvel (Grüne) ist Erste Stadträtin

Bad Nauheim (jw). Brigitta Nell-Düvel ist neue Erste Stadträtin von Bad Nauheim. Die erste Erste Stadträtin, wenn man’s genau nimmt, denn erstmals zieht eine Frau als hauptamtliche Politikerin ins Rathaus ein. Weitere Premiere: Erstmals besetzen die Grünen den Posten.

Auf Nell-Düvel entfielen am Dienstagabend im Stadtparlament 26 Stimmen, zwei mehr als die Koalition über Sitze verfügt. Die Opposition hatte einen Gegenkandidaten ins Rennen geschickt. Für Uwe Kreuter aus Schwalheim votierten aber nur 16 Abgeordnete.

Gegen 20.30 Uhr stand das Ergebnis fest. Es gab zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Stadtverordnetenvorsteher Prof. Friedrich-Karl Feyerabend und der designierte Bürgermeister Armin Häuser (beide CDU) waren die ersten Gratulanten, danach wurde Nell-Düvel von ihren Parteifreunden und der CDU mit Blumen überhäuft. Freudestrahlend nahm die 58-jährige Diplom-Psychologin die Nachricht auf, dass die Koalition aus CDU und Grünen geschlossen hinter ihr steht und sie sogar zwei Stimmen mehr als erwartet verbuchen konnte.

Die Opposition bot den 46-jährigen Uwe Kreuter als Gegenkandidaten auf. Der parteilose Diplom-Wirtschaftsingenieur aus Schwalheim war unter den 20 Bewerbern für den Posten gewesen, kam aber im Wahlvorbereitungsausschuss nicht in die engere Auswahl. "Der städtische Haushalt ist marode, da besteht Sanierungsbedarf, deshalb trete ich an", sagte Kreuter, der nach eigenen Angaben mehrere mittelständische Unternehmen saniert hat.

Diesen Gesichtspunkt hoben bei der Debatte mehrere Redner hervor. Den parteipolitisch gebundenen Stadtverordneten fehle der Mut zu Einsparungen, sagte Markus Theis (UWG). Angesichts des defizitären Haushalts brauche die Stadt "einen fachlich kompetenten Kämmerer", ergänzte Jürgen Burdak (3 B). Johannes Krautwurst wiederholte die Argumentation der SPD: Der Erste Stadtrat sei in Bad Nauheim traditionell der Kämmerer, diese Aufgabe werde der künftige Bürgermeister der Grünen-Politikerin aber wohl kaum übertragen.

Manfred Schneider (FDP) lieferte der Koalition das Stichwort für die Gegenrede: Kreuter sei bereits als Liquidator tätig gewesen, "er hat Firmen abgewickelt", hob der Liberale hervor. Genau das, konterte Klaus Dietz (CDU), brauche die Stadt aber nicht. "Wir dürfen Bad Nauheim nicht kaputtsparen." Elinor Bucher (Grüne) sagte, Brigitta Nell-Düvel stehe für "ökologische Weitsicht, ökonomische Vernunft und soziale Gerechtigkeit", in vielen Jahren als Kommunalpolitikerin und in 25 verschiedenen Positionen – vom Aufsichtsratsmitglied bei Stadtwerken und Wobau bis zur Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Stadtparlament und Kreistag – habe sie große Belastbarkeit bewiesen und stehe für eine "neue faire Diskussionskultur".

Dass die Opposition – selbst bei Abweichlern in der Koalition – keine Chance hatte, ihren Kandidaten durchzubringen, war spätestens nach der Rede von Sinan Sert (SPD) klar. Der ehemalige Bürgermeisterkandidat, dem nachgesagt wurde, er selbst sei auf den Posten des Ersten Stadtrats erpicht gewesen, brach eine Lanze für die Grünen-Politikerin: "Brigitta Nell-Düvel ist aufgrund ihrer Erfahrungen weitaus befähigter für das Amt als der Gegenkandidat."

150 Gäste verfolgten die Stadtverordnetensitzung in der Trinkkuranlage, bei der zu später Stunde der neue Bürgermeister Armin Häuser – mit Wirkung vom 18. September – in sein Amt eingeführt wurde (Bericht folgt).

Quelle: Wetterauer Zeitung

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