Interview

Die Prinzen über ihr Erfolgsrezept: »Wir bestimmen alles selber«

  • Sabine Bornemann
    VonSabine Bornemann
    schließen

Die Prinzen lassen es ruhiger angehen. Nur so schafft es die Popband, auch im 26. Jahr in derselben Besetzung erfolgreich zu sein. Die Geheimnisse der Gruppe lüftet Henri Schmidt im WZ-Interview.

Absolute Ohrwürmer sind »Küssen verboten« oder »Alles nur geklaut«. Wie oft müssen Sie diese zum Besten geben?

Henri Schmidt : Wir müssen nicht, wir wollen. Unsere Fans erwarten diese Evergreens und wir singen und spielen sie nach wie vor sehr gerne. In unseren Konzerten gibt es Neues und Bekanntes – dann gehen die Zuhörer nach zwei Stunden zufrieden und mit einem Lächeln nach Hause.

Die Prinzen sind seit über 25 Jahren erfolgreich: Was ist das Geheimnis?

Schmidt: Erfolg ist relativ und wechselt immer wieder. Das Wichtigste ist, wir sind im 26. Jahr in gleicher Besetzung. Das ist selten. Es ist wie in einer langen Ehe. Da kracht es auch mal: Es wird laut, es gibt Knatsch und dann geht es wieder. Wir wissen, was wir aneinander haben. Wir sind alle gesund und gut bei Stimme. So kann es weitergehen.

Sie kennen sich alle seit einer halben Ewigkeit. Ist es die Freundschaft und die Vertrautheit, die die Band ausmachen?

Schmidt: Auf jeden Fall. Vier von uns waren zusammen im Thomanerchor in Leipzig. Wir kennen uns seit Mitte der 70er Jahre, seit wir zehn sind. Sebastian Krumbiegel kenne ich, seit ich laufen kann. Er wohnte bei uns ums Eck. Das ist eine ganz besondere Beziehung.

Und dann kam plötzlich in den 90er Jahren ein riesiger Erfolg. Wie war das?

Schmidt: Nicht immer leicht. Erfolg ist ja nicht planbar. Plötzlich sagt dir jeder, was du zu tun oder zu lassen hast. Deshalb haben wir radikal unsere Organisation geändert: Seit 17 Jahren haben wir kein Management mehr. Wir machen es selber. Hauptverantwortlich sind Mathias Dietrich und ich.

Klappt das gut?

Schmidt: Ja. Wir entscheiden alles selber. Wir haben keinen »Bestimmer« mehr. Wenn es um Touren, Fernsehauftritte oder ein Album geht, entscheiden wir und kein anderer.

So frei und selbstbestimmt zu sein, ist ein großes Glück, oder?

Schmidt: Es ist der schönste Beruf der Welt. Wir dürfen mit unserem größten Talent, dem Gesang und der Musik, unseren Lebensunterhalt verdienen. Besser kann es nicht sein.

Sie haben bei der VOX-Sendung »Das große Tauschkonzert« mitgemacht. Wie war es, die eigenen Songs von anderen Stars interpretiert zu hören?

Schmidt: Sehr emotional. Der Umgang war sehr respektvoll. Es war toll, zu hören, wie Christina Stürmer, Yvonne Catterfeld, Andreas Bourani, Hartmut Engler oder Xavier Naidoo unsere Lieder singen. Wir fühlten uns sehr geehrt.

Ist durch die Kooperation mit VOX auch die Prinzen-Dokumentation entstanden?

Schmidt: Ja. Es gab Überschneidungen mit dem Management. Die Idee war, dass uns sieben bekannte Persönlichkeiten interviewen und begleiten.

Wer war dabei?

Schmidt: Gregor Gysi, Margot Käßmann, Matthias Sammer, Dirk Müller, eine Bloggerin, Smudo von den Fanta Vier und der Intendant der Oper Leipzig, Ulf Schirmer.

Wie war das?

Schmidt: Super. Das Kamerateam hat uns in Abständen fast ein Jahr begleitet. Die Interviewpartner haben zu unseren eigenen Persönlichkeiten gepasst. Daraus ist eine vierstündige Doku entstanden. Da fühlten wir uns sehr geadelt.

Sie sprachen eben vom Intendanten der Oper Leipzig, Prof. Ulf Schirmer. Von einem dortigen Konzert ist auch eine DVD mit Bourani und Naidoo entstanden.

Schmidt: Andreas Bourani hat auch Knabenchorerfahrung. Durch die Kontakte beim Tauschkonzert kam diese Kooperation zustande. Andreas und Xavier haben sofort zugesagt. Ein wahnsinnig tolles Projekt.

Was hat sich in den vergangenen Jahren bei den Prinzen geändert?

Schmidt: Wir verschaffen uns mehr Ruhe. Und Zeit ohne Band. Als es von 1991 bis 1995 diesen Hype gab, waren wir fast 300 Tage im Jahr unterwegs, fast ständig zusammen. Da geht man sich irgendwann auf die Nerven. Heute gibt es trotz Touren und Arbeit immer Phasen, wo wir uns nicht sehen. Dann freuen wir uns wieder aufeinander.

Jetzt steht wieder eine Kirchen-Tour an. Mit dieser kommen sie zum dritten Mal nach Bad Nauheim und treten in der Dankeskirche auf. Wie kam es zu der Idee? Gehen Sie zurück zu den Wurzeln als ehemalige Thomaner?

Schmidt: Im Prinzip ja, aber eigentlich geht alles auf Pfarrer Eichner aus Osterwieck zurück. Er arbeitet in der Jungen Gemeinde mit Texten von uns. Viele Jugendliche waren Prinzen-Fans. Der Chor hat viele Prinzen-Stücke gesungen. Dann hat uns der Pfarrer einen Brief geschickt und gebeten, einmal in seiner Kirche aufzutreten. Das konnten wir uns zunächst nicht vorstellen. Ein Popkonzert in der Kirche. Er hat wieder geschrieben und stand irgendwann in unserem Büro in Leipzig. So viel Engagement wollten wir belohnen und haben es 2010 gemacht.

Wie war es?

Schmidt: Super. Die Kirche war brechend voll, die Stimmung klasse. Das hat sich so schnell herumgesprochen, dass wir eine Flut von Anfragen bekommen haben. So nahm die Kirchen-Tour ihren Lauf.

Was ist das Besondere daran?

Schmidt: Normalerweise spielen wir in großen Städten, großen Hallen. Bei den Kirchen kommen wir in kleine Gemeinden, ganz nah zu den Fans. Wie in Bad Nauheim. Die Fans können es oft nicht glauben und sagen: »Was, die kommen wirklich zu uns?«

Welche Herausforderungen bringt der Auftritt in einer Kirche mit sich?

Schmidt: Hauptsächlich die Akustik. Wir spielen ohne elektronisch verstärkte Instrumente. Wir müssen die Kirchen ausgewogen beschallen, mit vielen kleinen Lautsprechern. Mittlerweile haben wir viel Erfahrungen, haben über 150-mal in Kirchen gespielt.

Was wird in der Dankeskirche gespielt?

Schmidt: Es ist in erster Linie ein Popkonzert mit kleinen Teilen Chormusik. Wir singen unsere Klassiker: »Küssen verboten«, »Millionär«, »Alles nur geklaut« und einiges Neues. Mit der Chormusik geht es in diesem Jahr natürlich um 500 Jahre Reformation. Wir freuen uns riesig, wiederzukommen.

Info

Wie aus Herzbuben Prinzen wurden

Mit sechs Millionen verkauften Tonträgern sind Die Prinzen aus Leipzig eine der erfolgreichsten Bands Deutschlands. In ihrer Jugend waren Tobias Künzel, Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk und Henri Schmidt bis in die erste Hälfte der 80er Jahre Mitglieder des Leipziger Thomanerchors. Jens Sembdner sang im Dresdner Kreuzchor. Nach der Gesangsausbildung gründeten Krumbiegel und Lenk 1981 die Band Phönix. 1985 nannte sich diese Formation in Rockpol um. Weil sie keinen großen Erfolg hatten, wurden 1987 mit Krumbiegel, Lenk, Jens Sembdner und Dirk Schrot Die Herzbuben gegründet. Um in den 90er Jahren einer Verwechslung mit den zur selben Zeit plötzlich sehr bekannt gewordenen Wildecker Herzbuben zu entgehen, nahm die Band im April 1991 den neuen Namen Die Prinzen an. Zum Konzept der Band gehören auch Auftritte in kleinen Häusern, wie in der Bad Nauheimer Dankeskirche, wo sie zum dritten Mal gastieren - leider ausverkauft.

Kommentare