Traditionslokal

Neuer Anlauf in der "Krone": Wirt bringt "Stallgeruch" mit

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Die arg gebeutelte Bad Nauheimer Traditionsgaststätte "Zur Krone" soll in die Erfolgsspur zurückfinden. Dafür soll ein in der Stadt bereits wohlbekannter neuer Wirt sorgen.

Große Sprüche, nichts dahinter: Zugegeben, etwas flapsig formuliert, doch auf die letzten drei gescheiterten Pächter der "Krone" trifft der Satz in etwa zu. Seit Herbst 2011 gab es in der Gaststätte, deren Tradition bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, stets Wirte, die im Vorfeld tolle Konzepte und Ideen präsentierten, damit aber stets Schiffbruch erlitten. Besorgniserregend war dabei, dass die Intervalle, in denen die Gastronomen baden gingen, immer kürzer wurden: drei Jahre, fünfzehn Monate, vier Monate.

Wie viel Geld die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) verloren hat, ist eine offene Frage. Geschäftsführer Reimund Bell sprach in der Vergangenheit von Mietrückständen, die mit Ratenzahlungen beglichen würden. Zumindest beim letzten Pächter, der Insolvenz anmeldete (siehe weiteren Artikel), ist das kaum vorstellbar.

Wobau-Chef blickt nach vorne

Doch jetzt blickt Bell nach vorne. Diesmal glaubt er wirklich, den richtigen Wirt gefunden zu haben. Großer Vorteil: Charalampos Magoufis, so heißt der neue "Kronen"-Betreiber, ist in der Bad Nauheimer Gastroszene bereits wohlbekannt. Er hat sich mit seiner bisherigen Gaststätte in der Schnurstraße einen guten Ruf erworben, vor allem was die Qualität der Speisen angeht, die der Chef in der Küche selbst zubereitet. Magoufis kennt auch die Bad Nauheimer gut, weiß, worauf sie Wert legen. "Er ist schon sechs Jahre in Bad Nauheim aktiv, kennt sich aus und kann auf seine Familie bauen", sagt der Wobau-Chef.

Im Fall der "Krone" ist ein solcher Rückhalt ganz wichtig. Die letzten drei Pächter sind nicht zuletzt deshalb ins Straucheln geraten, weil sie nicht genügend Mitarbeiter für den Riesenkomplex fanden oder das Servicepersonal nicht ausreichend qualifiziert war. Im Fall von Magoufis besteht ein großer Teil des Teams aus Familienmitgliedern, die schon in der jetzt geschlossenen "Taverna Alexis Zorbas" tätig waren.

Griechisch-deutsche Küche

Sich für den Griechen zu entscheiden, dürfte Bell denn auch nicht schwer gefallen sein. Es habe etwa zehn Bewerber gegeben, einige seien aber angesichts der Größe des Lokals vorzeitig wieder abgesprungen. "Magoufis wird unserem Wunsch entsprechen und sein griechisches Speisenangebot um deutsche Gerichte ergänzen", sagt der Wobau-Geschäftsführer.

Knapp 100 Meter weit – von der Schnurstraße in die Burgstraße – sei der Gastronom vor allem deshalb gezogen, um endlich eine Außenbewirtschaftung anbieten zu können In der Taverna war dies nicht möglich, Hof oder Garten fehlen dort. Gerade in diesem Jahrhundert-Sommer dürfte Magoufis einen Biergarten schmerzlich vermisst haben.

"Casa Ambiente" in der Remise

Der Mietvertrag des Griechen läuft offiziell ab dem morgigen Samstag. Dann wird er auch alle Räumlichkeiten in Betrieb nehmen. In den letzten Wochen hat die Familie eine Menge Arbeit in die "Krone" investiert, auch die Kücheneinrichtung ergänzt. Seit dem Elvis-Festival-Wochenende (24. - 26. August) wird bereits der große Biergarten bewirtschaftet. Eine Einweihungsfeier wird es Mitte September geben. Gegenüber der WZ wollte Magoufis deshalb zum jetzigen Zeitpunkt trotz mehrfacher Anfrage nicht erklären, wie er sich die Zukunft in der "Krone" genau vorstellt.

Dem neuen Wirt kommt entgegen, dass die Wobau die große Remise bereits im April an das "Casa Ambiente Schönes Wohnen" vermietet hat. Diese Firma ist vom Marktplatz in die Burgstraße umgezogen. Dadurch reduzieren sich für Magoufis die Mietkosten. Angesichts des großen Lokals, einem Saal mit 120 Plätzen und dem Biergarten benötigt der Gastronom die Remise ohnehin nicht.

Info

Insolvenz nach vier Monaten

Gerade vier Monate hatte der letzte Pächter, der Schweizer Hans Peter Stauffer, versucht, das Lokal "Zur Krone" zum Laufen zu bringen, da war sein Gastspiel bereits beendet. Mitte November 2017 musste er Insolvenz anmelden. Eine ausgefallene Speisekarte, viel Werbung und eine gelungene Eröffnungsveranstaltung – der Beginn war vielversprechend. Doch dann ging alles schnell bergab. Ein Hauptgrund: Stauffer arbeitete vorwiegend mit Personal, das er aus Spanien geholt hatte. Die Leute waren sehr freundlich, der deutschen Sprache aber kaum mächtig. Wie sich herausstellte, hatte der Schweizer schon bei anderen Unternehmungen Insolvenz anmelden müssen, auch ein Restaurant und eine Weinhandlung in Gießen wurden geschlossen. (bk)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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