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Neue Führung in Bad Nauheim dreht sich um »Stars and Stripes«

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Bad Nauheim (lep). »Stars and Stripes in Bad Nauheim«: Einen Blick auf 150 Jahre amerikanische Geschichte in der Kurstadt ermöglicht die neue, etwa zweistündige Stadtführung der beiden Gästeführerinnen Gisela Christiansen und Gabriele Freyer. Kürzlich wurde sie zum ersten Mal angeboten. Davor waren monatelange Recherchen notwendig, im Münchner Institut für Zeitgeschichte ebenso wie im Stadtarchiv Bad Nauheim, im Archiv der New York Times und in der Fachliteratur.

Die Kurlisten verzeichnen den ersten Kurgast aus Amerika, noch ohne nähere Angaben, bevor Nauheim die Stadtrechte erhielt. Der US-Bürger bewohnte eines der sieben Fremdenzimmer des Hotels »Kursaal«, an dessen Stelle heute die Dankeskirche steht.

US-Geschichte in Bad Nauheim ist jedoch auch Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Nach 1945 kamen die Amerikaner als Besatzer, die auf ihre Art den Sprudelhof nutzten, indem sie zum Beispiel im Badehaus 3 einen PX-Laden eröffneten, über den Gisela Christiansen und Gabriele Freyer Amüsantes zu berichten wissen. Die beschaulichen Tage, da ein Besuch von Mrs. Cornelius Vanderbilt in dem weltberühmten Kurort Bad Nauheim als gesellschaftliches Ereignis in der New York Times angekündigt wurde, waren zu dieser Zeit schon lange vorüber.

Weil die beiden Gästeführerinnen einander ergänzen und stets auf die beiden Gebiete »Kurgeschichte« und »Militärgeschichte« hinweisen, ist der Rundgang lebendig, gut strukturiert und abwechslungsreich, ohne sich im Anekdotischen zu verlieren. Einer der prominentesten amerikanischen Besucher fand an den Bad Nauheimer Quellen nichts auszusetzen, aber die erhoffte kulturelle Blüte vermochte er im Land der Dichter und Denker nicht zu entdecken.

Selbst gut gekleidete Menschen lesen nicht, stellte er fest und erkannte entsetzt, dass hiesige Buchhandlungen die »Größe eines Wandschranks« nicht übertreffen. Wegen ihres mickrigen Sortiments böten sie einen »lächerlichen Anblick« - dies alles kritisiert kein Geringerer als der Schriftsteller Mark Twain, der sich im Jahr 1892 in Bad Nauheim aufhielt.

Medienstadt und Marshallplan

Wenn es nach dem Willen eines wohlhabenden Amerikaners gegangen wäre, würde vielleicht heute eine Straßenbahn die Stadt mit dem Johannisberg verbinden. Viele vermögende Kurgäste aus den USA suchten Bad Nauheim auf. Der reichste und mächtigste unter ihnen war Pressezar William Randolph Hearst, der sich erst in letzter Minute vom Bewunderer der Nazis zu deren Gegner wandelte. Einer seiner hiesigen Aufenthalte diente auch dem Anknüpfen von politischen Gesprächen mit den Machthabern in Berlin.

Wer mehr über Bad Nauheim als Medienstadt erfahren möchte, über die bisher kaum bekannte Rolle, die der kleine Kurort in dem spannenden Gefüge zwischen Morgenthau- und Marshallplan spielte, wie amerikanische Stiftungen zu Bad Nauheims bis heute führender Rolle auf dem Gebiet der Herzheilkunde beitrugen, über den Anteil der Amerikaner am Wiederaufbau des Limesturms am Gaulskopf, warum Bad Nauheim in Amerika so bekannt war, obwohl es keine Werbung in Zeitungen und Zeitschriften gab, wer sich für die Zeit interessiert, als Bad Nauheim eine - wenn auch inoffizielle - Universitätsstadt war, der sollte an der nächsten Führung »Stars and Stripes in Bad Nauheim« teilnehmen. Sie wird am Sonntag, 18. September, ab 15 Uhr angeboten, Treffpunkt ist die Bad Nauheim Information, In den Kolonnaden 1. Wegen der gründlichen Studien, die Gisela Christiansen und Gabriele Freyer ihrer Führung zugrunde gelegt haben, eignet sich dieser Rundgang auch für Schulklassen der Mittel- und Oberstufe sowie für Schulprojekte. Elvis Presley spielt in »Stars and Stripes in Bad Nauheim« übrigens nur eine sehr bescheidene Nebenrolle - ihm ist bekanntlich eine eigene Führung gewidmet.

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