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Chantal Francisco de Sousa (r.) übernimmt nach 25 Jahren die Leitung des Notmütterrufs von Ulrike Strangmann.

Jubiläum am Samstag

Der Bad Nauheimer Notmütterruf hilft seit 25 Jahren Familien in Not

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Sie sind Spielpartner, Haushaltshilfe und manchmal auch Ersatz-Oma: Die Notmütter des Müfaz in Bad Nauheim. Seit 25 Jahren gibt es den Notmütterruf, der immer zur Stelle ist, wenn eine Familie Unterstützung braucht.

Von A wie Aufmuntern bis Z wie Zuhören: Für jeden Buchstaben haben die Frauen Wörter gesammelt, die ihre Arbeit beim Notmütterruf beschreiben. Gerade sind sie dabei, die Begriffe auf große Karten zu schreiben. Das Notmütter-ABC soll beim Sommerfest am Samstag aufgehängt werden. Dann feiert der Notmütterruf des Müfaz in Bad Nauheim 25-jähriges Bestehen.

Der Notmütterruf unterstützt Familien, die Hilfe brauchen. Etwa während einer Schwangerschaft und nach der Geburt oder wenn ein Elternteil an Krebs oder einer psychischen Erkrankung leidet. Manchmal braucht eine Mutter oder ein Vater Unterstützung, weil er oder sie sich das Bein gebrochen hat oder mit Grippe im Bett liegt.

Großeltern und Nachbarn fehlen

"Früher haben die Großeltern in solchen Fällen geholfen", sagt Chantal Francisco de Sousa. Sie ist seit August neue Leiterin des Notmütterrufs und hat selbst einen kleinen Sohn. Heute würden viele junge Familien alleine in die Wetterau ziehen. "Dann kann die Oma nicht mal eben für ein paar Stunden rüberkommen und auf die Kinder aufpassen." Und die Nachbarn kenne man meist noch nicht gut genug. "In diesen Fällen können sich Eltern an uns wenden."

So wie Tanja Meier (Name geändert). Als sie im vergangenen Jahr krank wurde und tagsüber zur Behandlung ins Krankenhaus musste, brauchte sie jemanden, der sich um ihre drei Kinder kümmert, mit ihnen spielt und Hausaufgaben macht. "Mein Mann arbeitet im Ausland, ich war also auf mich alleine gestellt." Eine Ärztin habe ihr den Tipp gegeben, sich an den Notmütterruf zu wenden. "Es hat mich schon Überwindung gekostet, jemand Fremdes in mein Haus zu lassen", sagt Tanja Meier. "Jemand, der für mich kocht, putzt, meine Unterwäsche wäscht und vielleicht vieles anders macht als ich."

Diese Hemmungen kennt auch Francisco de Sousa. "Gerade junge Frauen wollen stark sein und alles alleine schaffen", sagt sie. "Da fällt es schwer, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Für viele ist das auch ein sehr emotionales Thema."

12 Notmütter im Einsatz

Bevor die Notmutter in eine Familie kommt, gibt es zunächst ein Kennenlernen, um zu schauen, ob die Chemie stimmt. "Wir waren gleich auf einer Wellenlänge", erzählt Tanja Meier. Auch die Kinder mochten die Notmutter. "Sie war wie eine Oma für uns." Inzwischen ist Tanja Meier wieder gesund und selbst als Notmutter aktiv. "Ich war so froh, dass mir geholfen wurde, dass ich das weitergeben möchte."

Über 1500 Familien mit mehr als 3000 Kindern haben die Notmütter in den 25 Jahren betreut. "Angefangen haben wir mit ein oder zwei Frauen, die damals ehrenamtlich tätig waren", erinnert sich Ulrike Strangmann, langjährige Leiterin des Notmütterrufs. Inzwischen sind es 12 Notmütter, die 2019 bereits 29 Mal im Einsatz waren.

Beim Notmütterruf können sich aber nicht nur Frauen engagieren. "Wir hatten schon mal einen Notvater", sagt Francisco de Sousa. Sie würde sich noch mehr wünschen. "Wir mussten schon vielen Familien absagen, weil wir nicht genügend Mitarbeiter haben."

Gabriele Aksakal ist seit zwei Jahren Notmutter und hatte verschiedene Einsätze. "Es ist immer ein gutes Gefühl, den Familien helfen zu können und zu sehen, dass es ihnen besser geht", sagt die 55-Jährige. Auch wenn die Situation in den Familien nicht immer einfach sei. "Einsätze bei Familien, in denen zum Beispiel ein Elternteil an Krebs verstorben ist, lassen mich so schnell nicht los", sagt Kollegin Hannelore Roth.

Am Ende bekommen die Notmütter immer große Dankbarkeit zu spüren. Die Kinder wollen sie oft nicht gehen lassen. Das bestätigt Aksakal und ihre Kolleginnen in ihrer Arbeit. "Für mich ist es das Schönste, wenn ich den Menschen wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann."

Das Müfaz in Bad Nauheim lädt für Samstag, 17 August, von 14 bis 18 Uhr zum Sommerfest ein. Dabei werden auch das 25-jährige Jubiläum des Notmütterrufs und das 10-jährige Jubiläum des Kinderparadieses gefeiert.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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