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Etliche Meter vor der 90-Grad-Kurve steht dieses Schild. Die gewünschte Wirkung entfaltet es nicht.

90-Grad-Kurve

Warnschilder weg: Mehr Unfälle in gefährlicher Kurve 

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In Städten sorgt ein Schilderwald oft für Verwirrung Ziel ist es deshalb, diesen "Wald" zu lichten. Manchmal geschieht das aber an der falschen Stelle, etwa in der Straße An der Hohl in Schwalheim.

Die Straße An der Hohl führt aus dem Bad Nauheimer Stadtteil Schwalheim heraus zur B 455. Von daher hat die Kreisstraße 174 eine gewisse Bedeutung für den überregionalen Verkehr. Etliche Auto- und Lkw-Fahrer nutzen diese Verbindung, um auf die B 455 zu gelangen oder von der Bundesstraße nach Schwalheim.

Seit Mitte 2018 seien einige Wagen im Straßengraben gelandet, klagt ein Anlieger. Zuletzt Ende Dezember. Seiner Ansicht nach ist der Grund eindeutig: An der 90-Grad-Kurve kurz vor der Einmündung in die B 455 wurden damals die mit rot-weißen Pfeilen versehenen Warnschilder demontiert. Wer dort zu schnell unterwegs ist, kann leicht die Kontrolle über sein Fahrzeug verlieren. Vor allem nachts ist das ein Problem, da es an dieser Stelle keine Straßenbeleuchtung gibt.

"Da wir kein Interesse daran haben, dass irgendwann ein Auto bei uns im Haus oder gar direkt auf den Bahngleisen landet, würde ich Sie bitten zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, Autofahrer mithilfe vom Beschilderung besser auf die Kurve hinzuweisen", hat der Bewohner des Hauses mit der Anschrift An der Hohl 24 an Hessen Mobil geschrieben.

Bad Nauheim: Vorfälle sind Stadt nicht bekannt

Weil es sich um eine Kreisstraße handelt, glaubte der Mann, dort an der richtigen Adresse zu sein. Das ist allerdings ein Irrtum, wie Hessen Mobil den Schwalheimer wissen ließ. Diese Behörde ist nämlich nur für Planung, Sanierung und Installation von Schildern zuständig. Die Entscheidung, wo Schilder aufgestellt oder entfernt werden, sei dagegen Sache der städtischen Straßenverkehrsbehörde - Polizei und Hessen Mobil würden im Vorfeld nur gehört.

Der Anwohner wandte sich daraufhin hilfesuchend ans Rathaus. Erster Stadtrat Peter Krank bestätigt gegenüber der WZ die Darstellung von Hessen Mobil und verweist auf die Verkehrsschau vom April 2018, an der Stadt, Hessen Mobil und Polizei beteiligt waren. Damals sei mehrheitlich entschieden worden, die rot-weißen Warnschilder in dieser Kurve abzubauen. "Dieser Beschluss kommt einer Verordnung gleich und muss umgesetzt werden", sagt Krank. Hintergrund sei das Bemühen, die Zahl der Schilder insgesamt zu verringern.

Von einem Anstieg der Unfallzahlen in den vergangenen 18 Monaten war dem Verkehrsdezernenten bislang nichts bekannt. "Die direkten Anwohner bekommen das hautnah mit. Folgenreiche Vorfälle können es aber nicht gewesen sein, sonst hätte uns die Polizei informiert."

Bad Nauheim: Verkehrsdezernent sagt Prüfung zu

Nach den Worten von Krank werden Verkehrsteilnehmer auf dieser Straße durchaus auf die Gefahrenstelle hingewiesen. Weit vor der Kurve sei jeweils ein rot umrandetes, dreieckiges Schild mit einem schwarzen Pfeil aufgestellt, das auf den Straßenverlauf hinweise.

Vermutlich stehen diese Schilder aber zu weit weg, früher gab es eben auch einen Warnhinweis in der Kurve selbst. In Sachen Geschwindigkeit sind 50 hm/h erlaubt, für viele Fahrer vermutlich zu schnell, um die 90-Grad-Kurve problemlos zu bewältigen.

"Wir werden auf den Hinweis des Anwohners reagieren und die Sache prüfen", verspricht der Erste Stadtrat. Mit welchem Ergebnis, bleibt offen.

Steinfurth: Viele Unglücke nach Schilderabbau

Was die Behörden bei Verkehrsschauen in Sachen Beschilderung entscheiden, ist nicht immer sinnvoll. Das scheint An der Hohl in Schwalheim so zu sein und war wohl auch an der Ortseinfahrt Steinfurth der Fall, wie Erster Stadtrat Peter Krank einräumt. Wer aus Richtung Kernstadt auf der L 3134 Steinfurth ansteuert, musste früher eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h beachten. Dann wurden die Schilder entfernt, es durfte 100 km/h gefahren werden.

Es dauerte nicht lange, und die Ortseinfahrt von Steinfurth hatte sich zum Unfallschwerpunkt entwickelt. Zwischen November 2018 und März 2019 war es dort zu 13 Unfällen gekommen, teils mit Schwerverletzten. Ob das mit der Höchstgeschwindigkeit zusammenhängt, ist nicht klar. Trotzdem sagt Verkehrsdezernent Peter Krank: "Dort wäre es wohl sinnvoll gewesen, die 70 km/h beizubehalten."

Quelle: Wetterauer Zeitung

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