Musikschüler sorgen für einen Hauch von Woodstock im Junity

Friedberg/Bad Nauheim (jw). Die Foo Fighters, Oasis, Green Day, Michael Jackson und die Red Hot Chili Peppers haben es am Mittwochabend im Junity so richtig krachen lassen. Okay, es waren nicht die echten Rockstars aus den USA und England, aber fast. Die Musikschule Bad Nauheim hatte zum Abschlusskonzert ihres mittlerweile im zehnten Jahr bestehenden Bandworkshops eingeladen, 60 Jugendliche in 18 Bands rockten ab, was das Zeug hielt. Die rund 250 Zuhörer - Mitschüler, Freunde, stolze Eltern - waren begeistert.

"Boah, mir war ganz warm im Gesicht", sagt Shani. Die 14-Jährige spielt schon lange Konzertgitarre, seit einem halben Jahr übt sie auf der E-Gitarre. "Das gefällt mir besser." Dass die Scheinwerfer auf der Bühne aber dermaßen warm sind, hätte sie nicht gedacht. Jenny Hirbord kennt das. Die 22-Jährige hat schon einige Erfahrungen bei Auftritten gesammelt. "Eigentlich nehme ich klassischen Gesangsunterricht", erzählt sie. "Aber einmal im Jahr wird gerockt." Jenny steht an diesem Abend gleich mehrmals auf der Bühne, ist eine echte Rockröhre mit viel Gefühl in der Stimme. Wie die Sängerin Nadine Dannehl, die schon viele Fans hat und den Abend moderiert. Das ist nicht immer einfach. Nicht alles klappt auf Anhieb, mal fehlt der Drummer und muss übers Mikro ausgerufen werden ("Der kleine Felix bitte ins Kinderparadies, zum Schlagzeugspielen!"), mal wird noch eine Chorsängerin gesucht. Die Akteure nehmen's mit Humor, dafür stimmt der professionell abgemixte Sound, die gute Bühnentechnik, die Lightshow - "alles wie in echt", staunt ein Nachwuchs-Gitarrist, der vor dem Auftritt immer hin und her läuft, aber mit coolem Blick erklärt: "Ich bin nicht nervös."

In Bad Nauheim fehlt dafür der Raum

Ist ja auch kein Anlass dazu. Die Bands sind klasse, die jungen Musiker beherrschen ihr Handwerk und sie haben alle einen riesigen Spaß an derbem Rock, schrillem Pop, aufpeitschenden Alternativ-Klängen und treibenden Ska-Beats. Zwei Monate lang haben die Jugendlichen geprobt, erzählt Musikschullehrer Michael Grün. An einem dreitägigen Probewochenende ging's dann noch mal richtig zur Sache. "In Bad Nauheim gibt es für so ein Konzert keinen geeigneten Raum", sagt Musikschulleiter Ulrich Nagel: "In der Alten Feuerwache dürfen wir das nicht machen, das Friedberger Jugendhaus hat uns mit offenen Armen empfangen." Für Lukas Hölzinger, Leiter des Junity, ist das selbstverständlich. "Auch Jugendliche aus Bad Nauheim sind hier willkommen", sagt er und lädt alle zur Schools Out Party am 22. Juni ein, mit Live-Bands und vielem mehr.

Einen Vorgeschmack liefern die 60 Bad Nauheimer Musikschüler selbst. Viel Spaß macht eine Punk-Version des Michael Jacksons-Hit "Beat it", bei der die jungen Musiker es tatsächlich schaffen, fast gleichzeitig aufzuhören. Die Halle tobt, die Stimmung ist super. Dann kommt eine krachende Version des Oasis-Hits "Don't Look Back In Anger", in den die Band einen 7/8-Takt einschmuggelt und trotzdem nicht aus dem Konzept kommt. Macht nichts, ist ja hier kein Kammerkonzert, aber ein "Hammer-Konzert". Während die nächste Band einen AC/DC-Klassiker zerlegt, tanzen zwei U 10-Haedbanger wild vor der Bühne und schütteln dabei die langen Haare. Woodstock lebt.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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