Mehr Adrenalin geht nicht

Bad Nauheim(pm). Männer mit starken Nerven - das sind José Alejandro Vanegas (35 Jahre) und sein Neffe Michael Ricardo Daza (24) aus Kolumbien. Die beiden Vollblutartisten aus Südamerika der dritten Generation treten in einer artistischen Disziplin an, die wohl zu den waghalsigsten Darbietungen überhaupt zählt: Sie drehen sich auf dem Todesrad. Nur mit einer speziellen Bühnenkonstruktion ist es überhaupt möglich, das acht Meter hohe Requisit auf der Bühne des Jugendstiltheaters zu installieren, für einen atemberaubenden Auftritt beim internationalen Ovag-Varieté vom 10. Januar bis 5. Februar im Dolce-Theater vor insgesamt rund 35 000 Zuschauern. 45 Artisten aus 20 Nationen sind dieses Mal dabei.

Doch das Duo Vanegas beherrscht seit vielen Jahren die kühne Kunst, im Todesrad seine Runden zu drehen. Nicht nur das - die beiden klettern während ihres Acts auch aus dem "Hamsterrad" hinaus, um Seil zu springen und kleine Sprünge auszuführen - Adrenalin pur.

"Man riskiert sein Leben, um besser zu werden. Und um einer der Besten zu sein", beschreibt José Alejandro Vanegas sein Streben nüchtern. Er trat schon als Kind in der Manege auf, ist auf dem Hochseil groß geworden, entdeckte das Todesrad als neue Herausforderung. Langjährige Praxis in der Höhe und tägliches Training machen den Profi aus. Er braucht stets 100 Prozent Kontrolle über das Rad, das keinen Fehler verzeiht. 400 Kilogramm wiegt das Gerät aus Edelstahl.

Blindes Vertrauen

Mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Stundenkilometern rotieren die Räder um eine starre Achse. Bei diesem Tempo springen und laufen die Artisten scheinbar mühelos, hängen einarmig am Rad und trotzen der enormen Fliehkräfte. Da muss nicht nur der Körper mitspielen, sondern auch die Psyche. Mehr Adrenalin, als in diesen acht Minuten geht nicht.

Mut, Geschicklichkeit und blindes Vertrauen zueinander - das sind die Voraussetzungen für eine Darbietung, wie sie José und Dany aus Argentinien hoch droben am Fangstuhl zeigen und damit die Besucher Staunen machen. Kopfüber hängt er nach unten, schleudert seine Partnerin in die Luft und fängt sie wieder auf. Dass sie bei ihrem Flug Salto, Drehungen und andere gewagte Figuren unternimmt, versteht sich beinahe von selbst. Wer die Silbermedaille beim Weltzirkus-Festival in Paris und Bronze beim russischen Festival "Idol" gewinnt, der muss es einfach drauf haben.

Geboren sind sie in Argentinien und trafen sich in der "LaArena Circus School" in der Nähe von Buenos Aires. Nach einer zweijährigen Ausbildung in dieser Schule wechselten sie zur École supérieure des Arts du Cirque, einer renommierten Zirkusschule in Brüssel, wo sie 2016 ihren Abschluss erwarben. Sie siedelten nach Barcelona um und seitdem fliegen sie unter den Varieté- und Zirkuskuppeln dieser Welt: Japan, Südkorea und ganz Europa. Ihre Kür ist inspiriert von dem Buch "Fragmente einer Sprache der Liebe" des französischen Philosophen und Vordenkers Roland Barthes.

Eintrittskarten für das Varieté gibt es in der Geschäftsstelle der Gießener Allgemeinen Zeitung, Marburger Straße 20 in Gießen, unter 0 60 31/68 48 11 13 sowie unter www.adticket.de.

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