Kleine Läden ohne Zukunft: Edeka in Steinfurth macht zu

Bad Nauheim-Steinfurth (bk). "Die Zeit der kleinen Läden ist vorbei." Ganz nüchtern beschreibt Bernhard Laux die Lage, obwohl für ihn eine jahrzehntelange Familientradition zu Ende geht. Laux muss am 30. November seinen Edeka-Laden in der Alten Schulstraße 13 schließen.

Ende 2010 hatte bereits das Edeka-Geschäft von Ina Pfeiffer (Im Seegarten) nach fünf Jahrzehnten dem Konkurrenzdruck der Großmärkte weichen müssen. Das Rosendorf ist somit bald ohne Nahversorger.

Die Steinfurther können künftig beim Einkaufen im Ort nur noch auf Bäcker, Metzger und Getränkemarkt zurückgreifen. Immerhin: Die Postagentur, die derzeit im Edeka von Laux zu finden ist, bleibt erhalten. Diese Dienstleistung wird ab 1. Dezember von Elisabeth Bauschulte in ihrer "Zettelstube" angeboten.

Bereits die Großmutter von Bernhard Laux war im Einzelhandel tätig. "Damals gab es noch 10 bis 15 kleine Läden in Steinfurth, meine Oma hatte eine Milchstube und verkaufte auch Käse", erinnert sich der Edeka-Markt-Betreiber. Seine Mutter hatte vor 41 Jahren den Lebensmittelladen eröffnet, denn sie schließlich dem Sohn übergab. "Wir haben das Geschäft stest im eigenen Haus geführt, sonst hätten wir viel früher aufgeben müssen", sagt Laux.

Er sucht nicht nach Schuldigen für den ständig rückläufigen Umsatz: "Die älteren Kunden sterben weg, und die jüngeren Generationen haben ein völlig anderes Einkaufsverhalten." Die Politik siedele Großmärkte auf der grünen Wiese an, in den Orten gebe es bald nichts mehr. Der Laden der Familie Laux wird wohl auf absehbare Zeit leerstehen. Es habe zwei, drei Anfragen gegeben, aber nichts Ernsthaftes. "Wer will schon täglich von 6 bis 18.30 Uhr arbeiten, für ein recht geringes Einkommen", sagt der Marktbetreiber, der den Edeka-Laden mit Hilfe der Familie und von Aushilfen betreibt.

"Passt zum Sortiment"

Erfreut zeigt sich Bürgermeister Bernd Witzel, dass wenigstens die Postagentur erhalten bleibt. "Die Entscheidung der Deutschen Post und der Einsatz von Frau Bauschulte sind erfreulich", meint der Rathauschef. Bauschulte betreibt ihren Schreibwaren-Laden "Die Zettelstube" bislang in der Hintergasse 9. Im Oktober wird sie in die Neugasse 3 umziehen, zum 1. Dezember übernimmt sie zusätzlich die Post-Dienstleistungen. "Das passt zu meinem bisherigen Sortiment. Künftig werde ich zudem Zigaretten, Zeitungen und Zeitschriften anbieten", erklärt Bauschulte. Die Mehrarbeit will sie mit Aushilfskräften bewältigen.

"Wenn ich die Postagentur übernehme und Zeitungen verkaufe, muss ich die Öffnungszeiten verlängern", sagt die Geschäftsfrau. Sie wird künftig eine Stunde früher aufmachen. "Die Zettelstube", die erst seit April 2010 existiert, ist dann werktags von 9 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet. An Mittwochvormittagen ist der Laden geschlossen. Samstagsvormittags kann ebenfalls eingekauft werden.

Ende der 90er Jahre hatte die Post AG ihren Rückzug aus den Bad Nauheimer Stadtteilen abgeschlossen. Seitdem gibt es keine eigenen Niederlassungen des Konzerns mehr, sondern nur noch Agenturen, die in Einzelhandelsgeschäften angesiedelt sind. Des Öfteren kommt es zu einem Wechsel. Auch die Steinfurther fürchteten kurzzeitig um dieses Serviceangebot. Dort war die Filiale 1999 aufgegeben worden. Laux war mit seiner Postagentur in die Bresche gesprungen. 2005 hatte er darüber nachgedacht, das Zusatzangebot aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Mit Rücksicht auf die Bürger hatte er weitergemacht.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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