Im Juni: Frauenwaldschulrektor Marquardt geht in den Ruhestand

Bad Nauheim-Nieder-Mörlen (ihm). Reinhard Marquardt, Rektor der Frauenwaldschule, wird Ende des Schuljahres in den Ruhestand verabschiedet. Die Schule in Nieder-Mörlen ist nicht nur für ihre Bläserklasse bekannt, sondern vor allem für ihren Schulgarten.

Marquardt regte die Anlage an, als er an die Frauenwaldschule kam, zwei Bücher zum Thema hat er geschrieben. Als Marquardt 1990 Rektor wurde, gab es an der Frauenwaldschule schon Teich, Trockenmauer und eine kleine Hecke. Das sprach ihn an: "Ich hatte bereits als Kind Interesse für den Garten." Sein Vater war ebenfalls Lehrer. Die Gemeinde Bruchenbrücken, woher er stammt, stellte seinerzeit jedem Lehrer einen Garten zur Verfügung. Der Sohn durfte ein kleines Stück bewirtschaften und nach Belieben bepflanzen. "Ich habe viele Tiere beobachtet", erinnert er sich.

Das Interesse an der Natur nimmt der Besucher gleich wahr, betritt er Marquardts Büro in der Schule. Bilder von Blumen und Tieren hängen an den Wänden, einen Großteil hat er selbst gemalt. Im Regal steht Literatur, darunter seine beiden Bücher: Praxisorientierte, reich bebilderte Lehrschriften für Pädagogen. Sie enthalten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie die Naturprojekte umgesetzt und in den Unterricht einbezogen werden können. Marquardt hält Vorträge, Zeitschriften wie "Kraut & Rüben" und "Reader’s Digest" berichteten schon über seine Projekte. Bei Pädagogen, die sich mit Schulgärten befassen, ist die Nieder-Mörlener Schule deshalb bekannt.

"Ich bekomme Anrufe und E-Mails. Die Leute wollen wissen: Was können wir tun, um anzufangen oder den Garten wieder aufleben zu lassen? Oder sie bitten um Rat, weil ein Beet nichts wird." Mit einfachen Mitteln könne ein Projekt begonnen werden. An Holzstößen, Laub- oder Asthaufen lasse sich viel beobachten.

Fünf Jahre pflegen

Marquardt setzt stets eine Vorgabe. Kommt jemand, weil er beispielsweise einen Nisthaufen anlegen will, sagt er: "Wunderbar - aber mindestens fünf Jahre pflegen, damit es nicht einschläft." Auch als die Bläserklasse entstand, habe er sich und seine Kollegen gefragt: "Willst du das fünf Jahre machen?" Die Projekte in der Frauenwaldschule seien mithin nachhaltig. Ein Vakuum könne lediglich entstehen, wenn ein Lehrer in Pension geht. Seine Nachfolge für den Garten hat er schon geregelt. Er hat das Schulamt um einen Lehrer gebeten, der vom Gartenfach ist. Der übernehme allerdings nicht das Rektorat.

Marquardt hält es für wichtig, die Jugend an die Natur heranzuführen. Die Frauenwald-Schüler zeigten sich begeistert von der Betätigung im Freien. "Sie drängen sich um die Schulgarten-AG", sagt er. Motiviert seien sie, da sie hautnah begreifen und beobachten können. An die frische Luft gehen, Erde anfassen und riechen, Tiere sehen - darauf komme es an. "Wie der goldene Käfer auf Lateinisch heißt, ist egal", sagt er. Wichtig sei, ihn anzuschauen und schön zu finden.

Uni Gießen fragt an

Marquardt studierte in Fulda, Frankfurt und Gießen. Als Lehrer war er an der Albert-Schweitzer-Schule in Nidda-Heldenbergen, an der Stadtschule an der Wilhelmskirche und an der Ringbergschule in Wölfersheim aktiv. Rektor wurde er an der Frauenwaldschule. Die Justus-Liebig-Universität Gießen fragte kürzlich, ob er nach seiner Pensionierung Lehraufträge übernimmt. Seine Verabschiedungsfeier wird am Freitag, 17. Juni, begangen.

Reinhard Marquardt: Lernort Schulgarten - Projektideen aus der Praxis (mit einigen Beiträgen anderer Autoren), aid infodienst, Bonn 2005, 120 Seiten, ISBN 978-3-8308-0550-2, 17,50 Euro; Schulgarten im Unterricht - Von Mathematik bis Kunst, aid infodienst, Bonn 2010, 54 Seiten, ISBN 978-3-8308-0927-2, 9 Euro.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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