Schokoladenseite: Rückansicht des Badehauses 3, in dem das Jugendstilzentrum entstehen soll.
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Schokoladenseite: Rückansicht des Badehauses 3, in dem das Jugendstilzentrum entstehen soll.

Jugendstilzentrum: Das "Wo" ist klar, aber nicht das "Wie"

Bad Nauheim (cor). Seit Jahren ist die Gründung eines Jugendstilzentrums in einem der Badehäuser des Sprudelhofs in der Kurstadt ein Thema. Nachdem mit dem Badehaus 3 das "Wo" mittlerweile geklärt ist, steht nun das "Wie" im Vordergrund. "Eine komplexe Angelegenheit", wie der Vorsitzende des Jugendstilvereins, Andreas Hilge, sagt.

"Daher haben wir uns Hilfe gesucht." Der Bad Nauheimer Jugendstilverein engagierte zwei Beraterbüros, die ein Konzept erarbeiten sollen. Auf der Jahreshauptversammlung, zu denen die Mitglieder des Vereins am Donnerstag in die Gaststätte "Zur Krone" geladen waren, stellten die Büros mögliche Gestaltungsvarianten anhand von Beispielen vor. Der Jugendstilverein stellt für die Planung 7500 Euro zur Verfügung.

"Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen", zitierte Dennis Pucher (Geschäftsführer Denk-Strukturen) Josef Anton Bruckner. Beim Jugendstilzentrum müsse in verschiedenen Schritten unter Berücksichtigung aller Akteure geplant werden. Da wären die Stiftung Sprudelhof, das Finanzministerium, der Wetteraukreis, Jugendstilverein, die Stadt Bad Nauheim, die Bürgerschaft, HBM (Hessische Baumanagement), Architekten und Denkmalschutz. Das Unternehmen nehme daher zunächst eine Umfeldanalyse zur Ermittlung der Interessenträger vor, erarbeite anschließend die Strukturen der Trägerschaft eines solchen Zentrums. Danach stehe die Frage nach dem "Wollen" und "Können" im Raum, wobei der Jugendstilverein mit seinen rund 470 Mitgliedern eine tragende Rolle spiele.

Regina Hauber und Wolfgang Knapp aus Mannheim erläuterten ein späteres Raumkonzept. Die Diplom-Ingenieurin übernahm bereits Ausstellungsgestaltungen der Landesmuseen in Darmstadt oder Viernheim. Wie genau die Flächennutzung des Badehauses 3 und die Einbeziehung des Sprudelhofs als Gesamtkunstwerk aussehen kann, möchte Hauber Anfang Juni genauer erklären. Wichtig sei dabei die Berücksichtigung der Stadtgeschichte und der Badekultur. Da beide Unternehmen erst seit kurzer Zeit am Projekt arbeiten, seien vorerst noch keine konkreten Ergebnisse zu erwarten.

"Wie werden sehen, welche Visionen realisierbar sind", sagte Andreas Hilge später gegenüber der WZ. "Der Denkmalschutz steckt da ja auch mit drin." Eine Ausstellungsfläche biete vielleicht der Behälterraum zwischen den Badehäusern 3 und 4, wie Hilge sagt. "Aber so etwas ist in der ersten Phase nicht machbar." Der Weg zum Jugendstilzentrum führe über mehrere Schritte, benötige Fördergelder. Noch ist nicht klar, wie viel das Jugendstilzentrum überhaupt kosten könnte. Klar ist, dass der Jugendstilverein später den laufenden Betrieb fördern werde.

Laut Beschluss und Ausschreibung des HBM könnten zwei Architekten das Projekt angehen. Die Auftragsvergabe stehe aber noch aus, so Hilge. Stehe im Juni ein Konzept, könnten die Architekten mit der Arbeit beginnen. Frank Thielmann, Vorsitzender der Sprudelhof-Stiftung, ging auf Details ein. Technische Einrichtungen, Wasserversorgung, Wärmedämmung – alles müsse abgestimmt werden. "Die ersten Gehversuche", sagt Thielmann. Alles solle in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden.

Seit Beschluss des Kuratoriums pro Badehaus 3 als Standort fürs Jugendstilzentrum habe der Vorstand des Vereins im Jahr 2013 viele Aktionen angeschoben, meinte Hilge im Jahresrückblick. Der Vorstand habe sich mit der Stiftung, dem HBM, dem Denkmalamt und dem Ministerium getroffen. Ab dem 3. Mai bietet der Jugendstilverein im Badehaus 3 die Foto-Ausstellung von Prof. Schubert "Der Glanz des alten Europa – Jugendstilarchitektur im Detail". Die Ausstellung soll bis zum 1. Juni geöffnet sein.

Frank Thielmann sprach die Restaurierung des Schmuckhofs an. Die Deutsche Denkmalstiftung stelle 25 000 Euro bereit. "Gemeinsam mit den Mitteln des Jugendstilvereins können wir etwas bewirken", sagte der Vorsitzende. Der Verein will 10 000 Euro beisteuern, weitere 5000 Euro kommen vom Wetteraukreis.

Mit Geldern der Sprudelhof- Stiftung wird die Gesamtsumme auf 50 000 Euro aufgestockt. Ende April kann die Restaurierung beginnen. (Fotos: cor)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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