Zufällig haben sie sich bei der Vorbereitung auf eine Gesangsprüfung an der Musikhochschule Leipzig getroffen, wo sie Schulmusik studiert haben und dabei gemerkt, wie gut sie persönlich und musikalisch zusammenpassen. Das merkt man auch beim Konzert in der Trinkkuranlage. FOTO: HMS
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Zufällig haben sie sich bei der Vorbereitung auf eine Gesangsprüfung an der Musikhochschule Leipzig getroffen, wo sie Schulmusik studiert haben und dabei gemerkt, wie gut sie persönlich und musikalisch zusammenpassen. Das merkt man auch beim Konzert in der Trinkkuranlage. FOTO: HMS

Sie jonglieren mit den Stimmen

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). Sie kamen, sangen, und das Publikum war sprachlos. Quintens, die junge erfolgreiche A-cappella-Gruppe aus Leipzig, eröffnete die beliebte Sommer-Reihe von TAF und städtischem Kulturamt. Für die fünf Sängerinnen und Sänger war es in sommerlicher Abendstimmung am Wasser der Trinkkuranlage ein besonders glücklicher Auftakt nach der Zwangspause.

Seit 2007 gibt es die Sommer-Reihe, jeden Ferien-Donnerstag und diesmal sogar als Bestandteil des Kultursommers Mittelhessen. Die Kleinkunst-Mixtur hat ihre Fans und wird noch mehr bekommen, denn in der Trinkkuranlage stehen bei schönem Wetter doppelt so viele Plätze zur Verfügung wie bisher im Badehaus 2. Andererseits sind, sollte es regnen, manche Veranstaltungen schon ausverkauft.

Singen und beatboxen

Es waren die Liebhaber einer lockeren Open-Air-Atmosphäre die bei einem Drink auf bequemen Stühlen sich dem Erlebnis außergewöhnlicher Musik hingaben. Quintense schlug vom ersten Moment an musikalische und persönliche Brücken übers Wasser, obwohl das Publikum für sie ungewöhnlich weit entfernt war. Aus ihren Goldkehlen drangen eine Melange aus Pop, HipHop, R&B, Jazz und poetischen Balladen, alte Klassiker von Frank Sinatra, den Beatles oder Reinhard Mey und neuere Pop-Hits: Alles in einem frischen, raffinierten Sound. Schloss man die Augen, hätte man manchmal nicht sagen können, wie viele Menschen gesungen und wie viel Instrumente gespielt haben. Es waren wirklich nur fünf Stimmen! Und die können nicht nur singen, sondern auch beatboxen in Perfektion.

"Finesse" heißt ihr Programm und Finesse steckte in jedem ihrer Songs. Die Facetten reichen von bewegenden choralähnlichen Balladen mit beeindruckend verklingenden Konsonanten bis zum harten durchchoreografierten Beat mit vocaler Snare und Bassdrum. Innovative Harmonien, markanter Rhythmus, ausgefeilte Dynamik, glasklarer Gesang gehören zu ihrer Performance. Wie Akrobaten jonglieren sie mit ihren Stimmen, werfen sie sich gegenseitig zu, blühen zum polyphonen Tutti auf, nehmen sich im melancholischen Unsisono zurück, tanzen, springen, machen Tempo.

Witzige Arrangements

Kein Ton fällt zu Boden, jede Pause ist ein Akzent. Ihre Stimmen blättern einen Farbfächer auf, der nicht nur optisch die Konzertmuschel in eine mal groovige mal fetzige Stimmung versetzt. Passend dazu zauberte das TAF-Team Ton und Technik. Wer sind diese "Diamanten von Weltklasse", wie sie ein Juror in einem ihrer seit 2016 zahlreich gewonnenen internationalen Wettbewerbe bezeichnete? Jonas Enseleit (Beatbox und Bariton), Katrin Enkemeier (Alt), Carsten Göpfert (Tenor) und Sabrina Häckel (Sopran) trafen sich zufällig bei der Vorbereitung auf eine Gesangsprüfung an der Musikhochschule Leipzig, wo sie Schulmusik studierten. Schnell merkten sie, dass sie persönlich wie musikalisch wunderbar zusammenpassten. Martin Lorenz (Bass und Beatbox) kam wenig später dazu. Die oft witzigen Arrangements stammen aus der Feder von Carsten Göpfert. Welche Songs sie umsetzen, bestimmen die fünf gemeinsam. So fand der Reinhard-Mey-Song "Viertel vor sieben" erst nach langem Ringen Einzug ins Repertoire. Inzwischen ist er zu einem der Lieblingstücke geworden.

Zwischendurch erzählen sie kleine persönliche Geschichten, um zum Song hinzuführen: aus der WG, vom Nestbau, von Traurigkeit und Hoffnung, dem Film "Yesterday" und von der Lovestory im Jazz-Standard "I Get a Kick Out of You".

Sind Quintense noch ein Geheimtipp? Das Bad Nauheimer Publikum wusste die besondere Qualität der fünf Kreativen sehr zu schätzen und gab die ihm entgegengebrachte Sympathie lang applaudierend zurück.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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