Hospizhilfe: Die eigenen Grenzen erkennen

Bad Nauheim (har). Die Hospizhilfe Wetterau hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen beim Sterben ebenso zu begleiten wie deren Angehörige. Rund 25 ehrenamtlich tätige Sterbebegleiter wurden bisher ausgebildet, und es werden noch weitere Helfer gesucht.

Ende März beginnt ein neuer Kurs zur Qualifizierung von Hospizhelfern. Zu einem Informationsabend im Elisabethhaus begrüßten Pfarrerin Gisela Theis, Vorsitzende der Wetterauer Hospizhilfe, und Irmgard Hörr, die als ausgebildete Palliativ-Care-Fachkraft in einem Hospiz tätig ist, vier Interessenten.

Gekommen war auch Jutta Näther, die nach ihrer Ausbildung seit einem knappen Jahr als Hospizhelferin tätig ist. "Ich denke, dass ich hier etwas Gutes tun kann", meinte Birgit Köhler aus Friedberg in der Vorstellungsrunde, in der die "Neulinge" erläuterten, warum sie in der Sterbebegleitung tätig sein wollen. Anica Horvater, Ärztin aus Bad Nauheim, will sich "ehrenamtlich einbringen in einem Bereich, mit dem ich als Anästhesistin beruflich schon zu tun habe". Aus dem benachbarten Main-Kinzig-Kreis waren Hildegard Geist aus Heldenbergen und Uwe Mittmann aus Eichen gekommen. "Wir helfen uns da kreisübergreifend", erklärte Gisela Theis. Lehrerin Geist ist seit einigen Monaten im Ruhestand und arbeitet bereits ehrenamtlich mit schwerkranken Kindern.

Wie die Arbeit in der Sterbebegleitung aussieht, erläuterten Hörr und Theis anhand des Ausbildungsplans. Die Ausbildung beginnt mit einem Grund- und einem Aufbauseminar, die jeweils ein Wochenende umfassen. "Wer denkt, dass er nur zuhören muss, der irrt", erzählte Jutta Näther. In ihrer Gruppe sei viel gesprochen und erarbeitet worden: "Man muss eine gewisse Offenheit mitbringen." Der theoretische Teil umfasst 80 Stunden, behandelt werden Themen wie Schmerztherapie, "Wahrheit am Krankenbett", "Distanz und Nähe" oder "Sicherheit in der Begleitung".

Neben Theis und Hörr gehören aus den Reihen der Hospizhilfe Mechthild Strunck, die als ausgebildete Palliativkraft in einem Frankfurter Hospiz arbeitet, sowie Monika Berger, die in der Hospizhilfe als Koordinatorin tätig ist, zu den Referenten. Zur Ausbildung gehört ein Besuch in einem Bestattungsinstitut, denn "gerade von Angehörigen kommen immer wieder Fragen dazu", erläuterte Theis. Dr. Götz Sailer, Palliativ-Mediziner aus Nieder-Mörlen, wird über Schmerztherapie sprechen und Fragen beantworten. Außerdem geht es um Rechtsfragen und das Thema "Vorsorgepapiere".

Ein 50-stündiges Praktikum wird von Mitte August bis Mitte November in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und ambulanten Diensten absolviert. 30 Stunden begleiten die Kursteilnehmer ausgebildete Hospizhelfer bei der Arbeit, es folgen 20 Stunden selbständiger Einsatz. "Ich habe bei meinen ersten Einsätzen ganz schön gebibbert", gibt Jutta Näther zu. Ihren ersten Besuch bei einer Sterbenden in einem Friedberger Altenheim wird sie nicht vergessen: "Kaum hatte ich mich hingesetzt, begann sie, sich zu übergeben, und mir blieb nichts anderes übrig, als ihr eine Nierenschale hinzuhalten", erzählt die Kreisstädterin.

In diesem Zusammenhang wies Irmgard Hörr darauf hin, dass Hospizhelfer keine Pflegekräfte sind, sondern eine begleitende Aufgabe hätten. Noch heute besucht Näther Schwerkranke, die sie bereits im Praktikum betreut hat. Inzwischen wurde sie von Koordinatorin Monika Berger nur sechs Mal eingesetzt, durchweg in Alten- und Pflegeheimen in Friedberg und Bad Nauheim.

"Jeder Fall ist anders", erzählte Näther. So ging es zwei Kranken immer besser, so dass sie die Besuche schließlich ganz einstellte. Eine Schwerkranke verstarb nach einigen Tagen - Näther sprach noch zwei Mal mit den Angehörigen. "Man muss aber auch sagen können, das mache oder das kann ich nicht", erläuterte Theis. Näther berichtete von einer geistig behinderten Frau, die seit 20 Jahren in einem Heim lebt und zu der sie keinen Zugang bekam: "Sie konnte nicht mit mir und ich nicht mit ihr, das merkte ich nach wenigen Minuten". Laut Theis ist das völlig in Ordnung. Es sei eine große Fähigkeit, seine eigene Grenzen zu erkennen. Hospizhelfer müssten psychisch stabil sein, aktuell zu Hause keinen Trauerfall haben und bereit sein, an den monatlichen Gruppengesprächen und der Supervision teilzunehmen, denn "Rückmeldungen sind für uns ganz wichtig, schon während der Ausbildung", erklärte Irmgard Hörr. Zur Praktikumszeit gehören auch zwei "Praxisreflexionsgespräche" in der Gruppe. Monika Berger steht für persönliche Gespräche jederzeit zur Verfügung. Um die 15 Stunden pro Monat sollte ein Hospizhelfer Zeit haben.

Dem Informationsabend folgt ein persönliches Gespräch mit jedem Interessenten. Nach Abschluss der Ausbildung in einem Jahr entscheidet jeder für sich, ob er als Hospizhelfer tätig sein möchte. Zur neuen Ausbildungsgruppe kommen noch drei weitere Personen. Weitere Interessenten können kurzfristig mit Koordinatorin Berger unter der Rufnummer 0 60 32/86 92 63 Kontakt aufnehmen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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