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Heinrich Schultheis aus Steinfurth und seine Leidenschaft für die Rose

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Für Heinrich Schultheis aus Steinfurth hat schon als Kind der Berufswunsch Gärtner festgestanden. © Petra Ihm-Fahle

Den Rosenring hat Heinrich Schultheis jüngst beim Steinfurther Rosenfest für seine Verdienste um die Blumenschönheit erhalten. Der 75-Jährige ist Rosenbauer, Vielgereister und Buchautor:

Ein Leben lang Gärtner, ein Leben lang glücklich«, stellt Heinrich Schultheis fest, den alle nur »Heino« nennen. Für den heute 75-Jährigen, der kürzlich beim Rosenfest den Rosenring erhielt, stand nie ein anderer Beruf zur Debatte. Als Kind half er bereits freiwillig, wie er erzählt. »Ich war mit dem Obergärtner im Hof, er hat Reiser zum Veredeln geschnitten und ich habe geblättert«, schildert er. Sprich, er schnitt die Blätter ab.

Seine Schulzeit verbrachte er teilweise in Oberstdorf (Allgäu) im Internat, teilweise an der Ostsee. Anschließend besuchte er für zwei Jahre die Handelsschule in Friedberg. »Und dann ging ich in Sulzbach am Taunus in die Lehre zum Baumschulgärtner«, blickt er zurück. Er wohnte dort und kam am Wochenende nach Hause.

Zwei Rosenbücher aus seiner Feder

Als Gehilfe war Schultheis anschließend in der Schweiz, allerdings nur für ein knappes Jahr. »Mein Vater wurde krank und ich musste nach Hause und der Mutter helfen«, erzählt er. Anfang 20 war er damals. In die Schweiz zu gehen - das fand er nicht besonders abenteuerlich. Er war es gewöhnt, im Ausland zu sein, da die Eltern mit den Kindern viel gereist waren. Auch heute fährt er ab und zu in Normandie, wo er gern schwimmen geht.

Während des Gesprächs mit dieser Zeitung regnet es, es ist nahezu das einzige Mal während der vergangenen drei Monate. Die Hitze mache der Rose nichts aus, wie Schultheis erläutert. »Hat man guten Boden, wächst auch alles. Die Rose ist nicht so klimaabhängig, die wurschtelt sich immer durch. Gerade beim Veredeln ist das heiße und trockene Wetter ideal«, erläutert er.

Sein Fachwissen führte dazu, dass Heinrich Schultheis auch Autor wurde, als ihn der Ulmer Verlag bat, ein Rosenbuch zu schreiben. »Da saß ich abends und schrieb neben meiner Arbeit Texte.« Er hatte zwei Jahre Zeit und werkelte ständig daran. Zwei Bücher waren es, das erste Buch erlebte einige Übersetzungen und zwei Auflagen. Das zweite blieb im deutschen Sprachraum. Es war nicht das erste Mal, dass aus dem Rosenbetrieb Schultheis Literatur hervorging. Bereits Albert H. Rausch, besser bekannt als Henry Benrath aus Friedberg, schrieb für das Unternehmen. Er verfasste Rosentexte für die Werbung, aber auch das Werk »Die Welt der Rose«, 1928 von den Gebrüdern Schultheis herausgegeben.

Erfolg bei der Bundesgartenschau

Auch in der Züchtung war »Heino« aktiv, 1989 stellte er seine ersten Sorten auf der Bundesgartenschau in Frankfurt aus und bekam eine Silbermedaille für die ungefüllte Bienenrose »Sternenflor«. Noch heute ist sie eine der Hauptsorten von Schultheis.

Zahlreiche Sorten entwickelte das Unternehmen im Lauf der Zeit, aber nicht alle baut es noch an. Jeder Sohn - Christian, Sebastian und Johannes - hat eine eigene Rose, die noch im Katalog enthalten ist und vertrieben wird. Auch Urahn Heinrich hatte »seine« Rose. »Das war eine der schönsten Remontantrosen, aber sie bekam leicht Mehltau. Ganz stark duftend und mit einer großen Blüte.«

»Heino« Schultheis war Anfang der 1990er Jahre einer der ersten, die einen Computer hatten, wie er erzählt. »Wir schafften die Arbeit nicht mehr, und ich sagte: ›Es muss ein Computer her.‹« In Schleswig-Holstein sah er das Warenwirtschaftssystem einer Baumschule und beschloss, so etwas ebenfalls einzuführen.

Im Jahr 2012 übernahm Sohn Christian sein Geschäft, der größte Teil läuft mittlerweile online. Sebastian wurde Bauingenieur, Johannes hilft im Büro und macht die IT. »Es ist ein 24-Stunden-Job, und wenn man dazu auch noch das Geschäft machen muss, bräuchte man mehr als 24 Stunden«, stellt der Senior fest.

»Heino« Schultheis ist zwar im Ruhestand, aber dennoch den ganzen Tag im Betrieb. »Keine neun oder zehn Stunden mehr wie früher - heute lasse ich es lichter angehen. Aber ich bin immer verfügbar«, schmunzelt er. Sein Leben - das ist nun mal die Rose.

Einst eine Weltfirma

Im Jahr 1868 brachte Heinrich Schultheis die Rose nach Steinfurth. Er war der Urgroßonkel von Heinrich »Heino« Schultheis. Als der Vorfahre die erste deutsche Rosenschule gründete, vergrößerte sich sein Betrieb schnell. Über 100 Leute arbeiteten dort, die meisten waren aus Steinfurth und machten sich nach und nach ebenfalls mit dem Rosenanbau selbstständig. Schultheis war einst eine Weltfirma mit internationalem Vertrieb, wie auch aus der Website der Rosisten Steinfurth hervorgeht. Eine Rosen-Neuheit konnte damals viel Geld einbringen, über die Jahrzehnte wurde das Geschäft aber immer schwieriger. In den 50er Jahren, Anfang der 60er wurden 15 Millionen Rosen in Steinfurth gezogen, jetzt ist es nicht mal mehr eine Million. 200 Rosenbetriebe gab es in den 50er und 60er Jahren in Steinfurth. Mittlerweile sind es noch fünf: Schultheis, Dräger, Ruf, Huber und Jöckel. Im Verkauf sind mit Schultheis, Dräger und Ruf nur noch drei Betriebe aktiv.

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