Häusers Amtseid: Neuer Mann für "Knochenarbeit"

Bad Nauheim (bk). Im Rathaus der Kurstadt hat Armin Häusers berufliche Laufbahn begonnen, hier erreicht sie ihren – zumindest vorläufigen – Höhepunkt. "Das hätte ich mir damals als Inspektorenanwärter nicht träumen lassen", sagte der 47-jährige Christdemokrat am Dienstagabend bei seiner Vereidigung als Bürgermeister Bad Nauheims.

Sein neues Amt tritt Häuser, der seit 2006 Erster Stadtrat ist, am 18. September an. Der Christdemokrat, der sich im Parlament auf eine schwarz-grüne Mehrheit stützen kann, kündigte in seiner Antrittsrede an, die Bürger mehr als bisher in die Entscheidungsprozesse einzubinden. "Politiker sollten weniger reden und mehr zuhören. Die Bürgerschaft darf nicht in die Zuschauerrolle gedrängt werden, aktives Handeln ist durchaus erwünscht", betonte der künftige Verwaltungschef. Letztlich müssten die Bewohner der Stadt entscheiden, welches Thema von Bedeutung ist. Als Beispiel nannte der 47-Jährige die Auseinandersetzung über die Frage, ob es beim Betretungsverbot für die Kurparkwiese bleibt.

Als erste Neuerung verkündete Häuser eine regelmäßige Bürgersprechstunde. Darüber hinaus werde er für Bürgeranliegen "24 Stunden am Tag" ein offenes Ohr haben. "Ein großer Teil der Bevölkerung soll sich in Beschlüssen wiederfinden. Das bedeutet aber längere Entscheidungswege", warnte Häuser vor Schnellschüssen, etwa bei der Sprudelhof-Neustrukturierung. Konzepte im Eilverfahren auf den Weg zu bringen, führe oft auf einen Umweg. "Das musste bei den Plänen für eine unterirdische Therme auch die CDU erfahren", sagte der neue Bürgermeister.

Er warb um ein Miteinander aller Gremien und der Bürgerschaft, um die Stadt voranzubringen. Letztlich die Mehrheitsposition zu akzeptieren, gehöre allerdings ebenfalls zur Demokratie. Häuser sieht Bad Nauheim in einer Position, "um die uns andere Städte beneiden".

"Rathauschef nicht allmächtig"

Der 47-Jährige hätte als junger Mann nicht vom Bürgermeisteramt zu träumen gewagt, ein Traumjob ist diese Position allerdings nicht. Das machte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) in ihrem Grußwort klar. Sie hatte als Bürgermeisterin von Nidda mit Häuser etwa zehn Jahre lang eng kooperiert. "Häufig wird vergessen, welch hohe Belastung eine hauptamtliche Funktion mit sich bringt", warb Puttrich um Verständnis für die oft nicht einfachen Bedingungen, unter denen ein Bürgermeister seine Aufgaben zu erledigen habe. "Das ist nervenaufreibende Knochenarbeit", betonte die Ministerin. Diese Erfahrung habe auch Amtsinhaber Bernd Witzel gemacht, dem großes Engagement zu bescheinigen sei. Ein Rathauschef sei nicht allmächtig, sondern abhängig vom Willen des Parlaments und der Bürger. Gleichwohl werde der Bürgermeister für alle Entscheidungen verantwortlich gemacht.

Puttrich mahnte Fairness an: Sowohl für den Umgang des Parlaments als auch der Bürger mit dem Rathauschef. "Er ist oft Erwartungen ausgesetzt, die ein Einzelner nicht erfüllen kann, muss täglich neu um Vertrauen ringen", unterstrich die Ministerin. Harte Diskussionen über Inhalte gehörten zum politischen Geschäft, persönliche Verletzungen sollten vermieden werden. Letztlich sei ein Bürgermeisteramt nur mit Leidenschaft zu führen. Puttrich: "Das ist nicht nur ein Job, sondern erfordert rund um die Uhr Engagement."

"Hohe Erwartungen"

Dashervorragende Wahlergebnis, mit dem Häuser gewählt worden ist, hat nach den Worten von Parlamentsvorsteher Prof.

Friedrich-Karl Feyerabend zwei Seiten: Einerseits verfüge der neue Bürgermeister über eine breite Legitimation, andererseits seien damit hohe Erwartungen verbunden. Akzente setzen müsse Häuser nicht zuletzt bei der Entwicklung des Sprudelhofs und des Stoll-Geländes oder bei der Sanierung der östlichen Innenstadt. Die finanziellen Bedingungen dafür seien nicht einfach. Über allen Gemeinden schwebe das Damoklesschwert der Finanznot. Feyerabend: "Wie aus dem Rathaus zu hören ist, ist das Defizit im Ergebnishaushalt 2012 noch immer unerträglich hoch."

Stichwahl: Erdrutschsieg für Armin Häuser Klarer Sieger: Armin Häuser neuer Bürgermeister

Quelle: Wetterauer Zeitung

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