Die drei Erstplatzierten: (v. l.) Patrizia Krug aus Hungen, Annika List aus Lauterbach und Lilli Weiskopf aus Gießen. FOTO: PM
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Die drei Erstplatzierten: (v. l.) Patrizia Krug aus Hungen, Annika List aus Lauterbach und Lilli Weiskopf aus Gießen. FOTO: PM

Geschichten ohne Kitsch

  • vonred Redaktion
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Bad Nauheim/Gießen(pm). Eine erfrischende Ermutigung zum "Trotzdem", zum Nichtaufgeben, das war das Anliegen der launigen Laudatio, die Schriftstellerin Nele Pollatschek auf die 24 Preisträger des Jugend-Literaturpreises der OVAG hielt. "Es ist überhaupt nicht schwer, zu gewinnen. Schwer ist es, nicht zu gewinnen", sagte sie bei den Feierlichkeiten in Bad Nauheim. Wer nicht aufgebe, der werde irgendwann sein Ziel erreichen - ganz egal, wie die Ziele definiert seien. Wichtig sei es, sich gerade als junger Mensch ältere Ratgeber zu suchen, die es ehrlich meinten und ihnen erklären, warum eben etwas einfach schlecht ist oder noch nicht richtig gut. "Und wenn man solch einen Ratschlag hat - dann heißt es: weitermachen."

Jeder der 24 prämierten Texte ("Ich war überrascht und angetan von der Themenvielfalt"), die sie von den Autoren aus dem Landkreis Gießen, der Wetterau und dem Vogelsberg gelesen habe, sei auf seine Art gut. "Richtig gut waren die drei Erstplatzierten. Ich bin begeistert davon", sagte Pollatschek.

Den ersten Platz vergab die Jury an Annika List (23 Jahre) aus Lauterbach für ihren Text "Serotonin". Sie war in den vergangenen Jahren bereits sechsmal unter den Preisträgern. "Was diesem Text gelingt, ist ein Fokus auf die Realität", sagte Pollatschek. List erzähle ohne Kitsch, ohne Familienromantik, ohne Sicherheitsabstand und gleichzeitig nicht ohne Liebe. "Und vor allem erzählt sie mit enorm guten Sätzen."

Der zweite Platz ging an Lilli Weiskopf (20) aus Gießen. Mit ihrem Text "Mitte 20" habe sie ein formales Experiment gewagt. "Was den Text ausmacht, ist nicht das Was, sondern das Wie", sagte Pollatschek. Sie erzähle aus der Du-Perspektive, was schwierig, aber gelungen sei.

Auf dem dritten Platz landete die Mehrfach-Preisträgerin Patrizia Krug (20) aus Hungen Sie habe mit "Die Seelenschlüssel" eine Welt geschaffen, sagte Pollatschek, die "irgendwie unsere und gleichzeitig anders ist". Krug verwebe die echten und fantastischen Welten in einer hauchzarten Geschichte.

180 Geschichten waren für den diesjährigen Wettbewerb eingereicht worden. Wie Pollatschek sagte, hat kaum eine der 24 prämierten Geschichten "ein Happy End in dem Sinne, dass jemand der untergehenden Sonne entgegenreitet. Aber alle haben ein Happy End in dem Sinne, dass den Autoren eine Geschichte gelungen ist. Dafür umarmt euch, schlagt euch selbst auf die Schulter, genießt diesen Abend."

OVAG-Vorstand Oswin Veith erinnerte in seiner Rede an den 1349 entstandenen Roman "Dekamerone" von Giovanni Boccaccio, den er während der Pest in Florenz schrieb, als sich sieben Frauen und drei Männer gewissermaßen in Quarantäne begaben und sich in dieser Zeit gegenseitig Geschichten erzählten. "Ich bezweifle, ob in den vergangenen Wochen und Monaten von Corona viele Menschen zusammengekommen sind, um sich gegenseitig Geschichten zu erzählen. "Ihr aber", sagte er zu den Preisträgern, "habt geschrieben. Glückwunsch und Dankeschön dafür, dass ihr das für uns getan habt."

Auch Veith hob die facettenreiche Themenauswahl hervor und schilderte das Projekt der OVAG in seiner Gänze: Von der Preisverleihung über den Workshop für die Preisträger im November und die gemeinsame Buchpräsentation im Februar 2021 bis hin zur darauffolgenden Lesetournee durch die Schulen im Kreis Gießen, in der Wetterau und im Vogelsberg. Er bedauerte, aufgrund der Hygieneverordnungen in diesem Jahr weniger geladene Gästen zu haben. Würdig und feierlich aber war es allemal. Dazu bei trug auch Nashi Young Cho aus Büdingen mit ihrer Band, die den musikalischen Rahmen gestaltete.

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