+
Martina Schmidt hat sich mit der Maskenpflicht arrangiert.

Umfrage

Geschäfte in Bad Nauheim und Friedberg Schutzmasken als "Kaufkiller"

  • schließen

Vor knapp vier Wochen durften viele Geschäfte wieder ihre Pforten öffnen. Die WZ hat damals und nun erneut bei Geschäftsinhabern wegen der Resonanz nachgefragt. Es gibt ein Maskenproblem.

Für uns ist die Maskenpflicht zum Killer geworden", sagt Claudia Horlacher, Inhaberin von "Lucky man & woman" in der Bad Nauheimer Stresemannstraße. Bis zu 50 Prozent weniger Umsatz seit Einführung der Maskenpflicht gegenüber dem Vorjahr hatte die Geschäftsfrau nicht erwartet. Sie war nach dem Neustart guter Hoffnung, kamen doch vor allem Stammkunden.

Doch mit der Maskenpflicht änderte sich alles: "Einkaufen hat etwas mit Emotionen zu tun. Man will sich was Gutes gönnen, das geht mit Maske nicht", erzählt Horlacher, die einen Satz immer wieder zu hören bekommt: "Ich habe einfach keine Lust einzukaufen."

Das könne sie durchaus nachvollziehen, sagt die Geschäftsfrau. "Mir fehlen Abi-Bälle, Konfirmationen, Kommunionen und Familienfeiern, zu denen man sich neu einkleidet. Vor allem Frauen gehen nicht mehr einkaufen. Männer sind da pragmatischer. Wenn sie eine Hose brauchen, dann kaufen sie eine", erläutert Horlacher.

Einen solchen Unterschied gibt es beim Schuhkauf wohl nicht. "Bei mir liegt der Umsatzrückgang um die 30 Prozent", schätzt Marc Spar, "Juniorchef" von Schuh-Spar auf der Parkstraße in Bad Nauheim. Nach der "Super-Frequenz" (Spar) in der ersten Öffnungswoche ging es bergab. "Unser Handicap ist der Mundschutz", macht der Geschäftsmann deutlich.

Marc Spar hofft auf mehr Umsatz am verkaufsoffenen Sonntag.

"Dass es nicht mehr so werden würde wie vor Corona, war uns klar, doch so schlimm habe ich es nicht erwartet. Dabei geben wir unser Bestes", sagt Spar, der hofft, dass der morgige verkaufsoffene Sonntag mehr Kunden anlockt.

"Ob wir uns davon erholen, kann ich erst in einem Jahr sagen", äußert sich Nicole Riepe, die mit Ehemann Andreas Weckler "Campus Mode und Lederladen" auf der Kaiserstraße in Friedberg betreibt. Auch hier lief der Neustart besser als gedacht, zumal ihnen die Stammkunden schon während des Shutdowns treu geblieben waren und sich hatten beliefern lassen. "Das hat uns schon sehr geholfen", sagt Andreas Weckler, der die momentane Situation so beschreibt: "Die Tage, an denen wir die laufenden Kosten nicht reinbekommen, werden mehr."

Nicole Riepe und Andreas Weckler sind ihren Stammkunden dankbar für die Treue.

Schutzmasken in Friedberg: Zufriedenheit im Sportgeschäft

Das Ehepaar ist jedoch nicht völlig unzufrieden, hofft auf ein baldiges Ende der Maskenpflicht, denn "Masken halten ab, schicke Mode einzukaufen". Zumindest etwas mit den Masken arrangiert hat sich Martina Schmidt, Inhaberin des Damenmodegeschäfts "Barbara D." am anderen Ende der Kaiserstraße. Sie bietet ihren Kundinnen Masken an, die eine Stammkundin genäht hat, und vergibt Termine an "meine so treuen Kundinnen" sagt Schmidt. So werden Wartezeiten vermieden.

Bei Sport Möll freut sich Domenico Gasparone über das Ende der "Null-Kurzarbeit".

"Masken machen niemanden glücklich, aber man kann es aushalten, und bei mir läuft es sogar besser, als ich es erwartet habe", sagt die Modefachfrau, die sich sicher ist, diese nicht einfache Zeit zu überstehen. Relativ zufrieden ist man auch im Sporthaus Möll ganz in der Nähe der Burg. "Alles rund um den Sport ist gefragt. Die Leute wollen raus und Sport treiben", sagt Domenico Gasparone, der vor 18 Jahren als Azubi in das Geschäft der Familie Köhler gekommen ist. "Klar, es ist in den letzten Tagen etwas ruhiger geworden, aber unser Konzept als relativ kleines Sportgeschäft in der Region passt und kommt an", sagt er passionierte Fußballer, der froh ist, dass "die Null-Kurzarbeit vorbei ist".

Ralf Ramershoven setzt sich schon lange für den Einkauf vor Ort ein.

Über die Regionalität als großes Plus, das von vielen Kunden neu entdeckt worden ist, freut sich auch Ralf Ramershoven, Inhaber des Porzellanhauses Frick auf der Kaiserstraße. "Wenn es diese Tendenz beim Einkauf aktuell nicht geben würde, dann würde es für viele Fachgeschäfte noch schlechter aussehen", stellt der langjährige Kämpfer für den Einkauf vor Ort fest. "Der Einzelhandel und die Innenstädte können nur überleben, wenn der Kunde weiter vor Ort einkauft."

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare