Geldwäsche: Rentnerin muss ins Gefängnis

Bad Nauheim (lk). "Ich habe meinen Lebensunterhalt selbst erwirtschaftet und kein Geld von meinem Mann bekommen", betonte die Angeklagte, eine 56-jährige Rentnerin, am Dienstag vor dem Friedberger Amtsgericht. Schöffen und Richter Dr. Markus Bange glaubten der Frau nicht. Wegen Geldwäsche in 69 Fällen wurde sie zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Zwischen 2006 und 2008 waren rund 116 000 Euro auf dem Konto der 56-Jährigen eingegangen, Geld, das aus Anlagebetrügereien ihres Mannes stammte.

Der Ehemann der Angeklagten, ein 63-jähriger Kaufmann, sitzt bereits im Gefängnis: Im März 2009 war er vom Gießener Landgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Er hatte ahnungslose Anleger um ihr Erspartes gebracht und insgesamt etwa 2 Millionen Euro ergaunert. Um an das Geld zu gelangen, hatte der Inhaber einer Kapitalanlagegesellschaft die Anlagewilligen mit Gewinnen von 20 Prozent und mehr gelockt. Sie investierten ihr Erspartes, teilweise mehrere Hunderttausend Euro. Weder wurde ihnen eine Rendite ausgezahlt, noch sahen sie ihr Geld wieder.

Ein Teil der Beute, nämlich rund 116 000 Euro, landeten auf dem Konto seiner Ehefrau. Die habe von den Betrügereien spätestens seit Mai 2006 gewusst, war sich das Gericht sicher. Denn einem der Anleger aus Hungen war der Schwindel aufgefallen, er hatte den Kaufmann in dessen Haus aufgesucht und damit konfrontiert. Die Angeklagte sei bei dem Gespräch anwesend gewesen, sagte der 68-jährige Rentner gestern aus.

Von diesem Gespräch wollte die 56-Jährige nichts wissen. Gleiches galt für die Vorwürfe der Anklageschrift. Nachdem ihr Mann 2006 nach Mallorca gegangen sei, habe sie von ihm nicht einmal den Unterhalt für das gemeinsame Kind bekommen. Zwar sei Geld von ihm auf ihrem Konto eingegangen, aber nur, um die laufenden Kosten zu decken. "Versicherungen und so." Ihr Mann selbst habe kein eigenes Konto eröffnet, habe ihres daher mitbenutzt. "Er hatte eine Vollmacht." Geldwäsche wollte sie nicht betrieben haben. 50 Bareinzahlungen zwischen 500 und 5000 Euro und diverse Überweisungen – ebenfalls im vierstelligen Bereich – sprachen eine andere Sprache. "Ich habe das Geld nicht eingezahlt", beteuerte die Frau. Wahrscheinlich sei es doch ihr Ehemann gewesen, wenn er aus Mallorca zu Besuch in Deutschland war, vermutete die Angeklagte. "50 Mal?", fragte Richter Bange nach, doch darauf wusste die Angeklagte keine Antwort.

"Das war kein Beutegeld", betonte ihr Ehemann. Er behauptete, die 166 000 Euro ehrlich auf Mallorca verdient zu haben. Und zwar als Koch, mit dem Verleih von Trikes (motorisierte Dreiräder) und als Betreiber eines Call-Centers. Mindestens 5000 Euro habe er auf diese Weise monatlich verdient, behauptete der Kaufmann. Das Geld aus den Anlagebetrügereien habe er verzockt.

Einige Geschädigte kamen zu Wort. Einer von ihnen, ein Rentner aus Rockenberg, schien noch immer nicht verstanden zu haben, dass seine 430 000 Euro, die er beim Mann der 56-Jährigen angelegt hatte, weg sind. Die anderen zeigten sich sichtlich erbost.

Staatsanwalt Jochen Fabricius sprach sich für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten aus, Verteidiger Ulrich Eisenhardt plädierte für einen Freispruch. Richter und Schöffen sahen es als erwiesen an, dass die Frau ihr Konto für die illegalen Aktivitäten ihres Mannes bereitgestellt hatte, wohl wissend, dass der ein Betrüger ist. Sie muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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