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Gefahr, die in Geräten schlummert: Bad Nauheimer Feuerwehr-Mann warnt

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Von: Christoph Agel

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Bei Toaster, Mehrfachsteckose und anderen Elektrogeräten ist Vorsicht geboten. Max Reichardt von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Nauheim warnt vor Brandgefahr. © Nicole Merz

Ein brennender Toaster, der Radiowecker als Ursache für ein tödliches Feuer, - hat es schon gegeben. In Bad Nauheim. Max Reichardt spricht über die Gefahr, die von Geräten ausgehen kann.

Fast ein Drittel aller Brände ist auf Elektrizität zurückzuführen. Das zumindest besagt eine Statistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung für das Jahr 2020. Rund 2000 Brände wurden dafür untersucht. Die Statistik bestätigt: Elektrogeräte können gefährlich werden. Das weiß auch Max Reichardt, Einsatzkraft der Freiwilligen Feuerwehr Bad Nauheim. Fragt man ihn nach dem gefährlichsten Gerät im Haushalt, nennt er den Trockner.

Anfang April brannte in einem Bad Nauheimer Seniorenheim ein Wäschetrockner, die Feuerwehr war schnell vor Ort, löschte das Feuer, es ging glimpflich aus. Unabhängig von der genauen Ursache in diesem Fall ist es laut Reichardt wichtig, dass der Flusenfilter regelmäßig gereinigt wird. Sonst könnte der Trockner heiß laufen. Ein elektrischer Defekt kann ebenfalls Grund dafür sein, dass ein Trockner Feuer fängt.

Mehrfachsteckdose nicht überlasten

Das kann auch bei anderen Elektrogeräten passieren. Generell empfiehlt der Experte: »Beim Kauf neuer Geräte sollte man darauf achten, dass diese mit seriösen Prüfsiegeln gekennzeichnet sind, mit denen Hersteller Qualität und Sicherheit dokumentieren. Dazu zählen das europäische CE-Zeichen, das deutsche GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit oder das VDE-Prüfzeichen (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik).«

Auf Qualität sollte man auch beim Kauf einer Mehrfachsteckdose achten. Für die Nutzung an sich hat Reichardt wichtige Tipps: Niemals zu viele Geräte gleichzeitig an eine anschließen, und auch nicht Mehrfachsteckdosen miteinander verbinden. Wie belastbar eine sei, stehe drauf, sagt der Experte. Außerdem zu beachten: Bei Nicht-Nutzung lieber den Stecker ziehen, als einfach nur die Mehrfachsteckdose ausschalten - denn: »Wer sagt mir denn, dass der Schalter richtig funktioniert?« Schließlich der Hinweis, dass man einen solchen Verteiler alle zwei bis drei Jahre durch einen neuen ersetzen sollte.

Dass auch ein kleines Gerät zur tödlichen Gefahr werden kann, hat sich vor einigen Jahren in Steinfurth auf tragische Weise gezeigt, als eine Dame und ihr Hund ums Leben kamen. Der Radiowecker war in Flammen aufgegangen. »Eine Waschmaschine braucht mehr Strom als ein Wecker, und trotzdem kann auch ein Wecker brennen. Überall, wo Strom fließt, gibt es eine grundsätzliche Gefahr«, warnt Reichardt.

Auch Akkus können gefährlich werden

Ein Fall, der zum Glück glimpflich ausging, war der Brand eines Toasters in einer Wohnung in der Bad Nauheimer Kernstadt. Die Seniorin befand sich im Zimmer neben der Küche, als sie den Brand bemerkte. Beinahe hätten die Flammen auf den Hängeschrank übergegriffen.

»Es war ein uraltes Gerät«, sagt Reichardt. Eine Elektrofirma habe der Dame zu einem Neukauf geraten. »Sie konnte sich aber aus Nostalgie-Gründen nicht trennen.« Der Toaster habe einfach nur in der Steckdose gesteckt und sei gerade nicht genutzt worden. »Das Gerät war mindestens 15 Jahre alt.« Die Frau löschte den Brand selbst, doch die Situation, sagt der Feuerwehrmann, hätte schlimm ausgehen können, zumal sich in der Wohnung keine Rauchmelder befunden hätten.

»Wenn man die Brandgefahr wirklich ausmerzen will, dann lieber den Stecker ziehen«, sagt Max Reichardt. Doch was ist, wenn ein Gerät mit Akku betrieben wird? Auch in ihm kann Brandgefahr schlummern. Selbst wenn das E-Bike einfach nur in der Garage steht. Man müsse das richtige Ladegerät benutzen - Stichwort Überhitzung -, mahnt der Experte. Und wenn einem beispielsweise ein Handy hin- oder ein E-Bike umfalle, dann könne das den Akku beschädigt haben. Also lieber von Fachleuten checken lassen, um die Gefahr zu reduzieren. »Gerade Akku-Brände haben eine sehr hohe Intensität.«

Man erkennt nicht alles von außen

Wenn ein Elektrogerät komisch riecht, merkwürdige Geräusche macht oder das Lämpchen flackert, sollte man skeptisch werden, sagt der Experte. Grundsätzlich rät er dazu, Geräte rechtzeitig zu entsorgen und ein neues, qualitativ hochwertiges zu kaufen. Allerdings werde das oft nicht beherzigt.

»Wenn was funktioniert und macht offensichtlich keine Probleme, warum soll ich auf die Idee kommen, das auszutauschen?« Diese Einstellung sei das Problem, sagt Max Reichardt, denn ob ein Gerät seinen Zenit überschritten habe, könne man von außen nicht unbedingt erkennen. Man würde es womöglich erst merken, wenn es zu spät wäre.

Rauchmelder machen das Leben sicherer

»Rauchmelder retten Leben, Punkt«, sagt Max Reichardt von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Nauheim. Mal abgesehen davon, dass es Pflicht ist, sie in Wohnungen zu installieren, kosten sie auch nicht viel. Reichardt weist darauf hin, dass man beim Kauf eines Rauchmelders auf das CE-Siegel und das Q-Label achten sollte. Es sei zudem sinnvoll, in Rauchmelder zu investieren, die untereinander per Funk verbunden seien, sagt der Experte. In solch einem Fall fange etwa auch der Rauchmelder im Dachgeschoss an zu piepen, wenn im Keller ein Feuer ausbreche.

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