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Falkner Ernst Marscheck mit seinem größten Exemplar, dem Weißkopfseeadler Lisa. Im Greifvogelpark würde er überwiegend heimische Arten präsentieren. (Archivfoto: cor)

Entweder Greifvogelpark oder Skater-Anlage

Bad Nauheim (bk). Greifvogelpark oder Skater-Anlage? Entgegen der ursprünglichen Pläne der Bad Nauheimer Politik lässt sich beides gemeinsam im Goldsteinpark nicht verwirklichen. Das haben die Untere Naturschutzbehörde und das Veterinäramt des Wetteraukreises unmissverständlich deutlich gemacht. Den Schwarzen Peter haben jetzt die Stadtverordneten.

Vor fast zehn Jahren hatte Falkner Ernst Marscheck aus Wisselsheim erstmals die Initiative für einen Greifvogelpark am Goldstein ergriffen. Nach vielen Höhen und Tiefen schien er im Februar dieses Jahres endlich Erfolg zu haben: Die Stadtverordneten beschlossen die Aufstellung eines Bebauungsplans, der neben einer Skater-Anlage den Greifvogelpark vorsah.

Doch kürzlich zeichnete sich erheblicher Widerstand der Kreisbehörden gegen das Vorhaben ab (die WZ berichtete). Beide möglichen Standorte für Marschecks Vögel innerhalb des Goldsteinparks wurden von der Unteren Naturschutzbehörde und dem für Tierschutz zuständigen Veterinäramt abgelehnt. Das bekräftigten Vertreter beider Behörden kürzlich bei einem Gespräch mit der Stadt, zu dem Fachbereichsleiter Jürgen Patscha eingeladen hatte. Patschas Hoffnung, einen Kompromiss zu finden, erfüllte sich nicht: "Das Ergebnis ist eindeutig. Skater-Anlage und Greifvogelpark sind im Park gemeinsam nicht zu realisieren."

Qual der Wahl: Vögel oder Skater?

Das Veterinäramt hat, wie Marschecks Mitstreiter Stefan Zwätz gegenüber der WZ erklärt, eine hohe Hürde aufgebaut. Demnach müssten die Volieren für die Raubvögel mindestens 400 Meter von der Skater-Anlage entfernt stehen. Diese Bedingung wird von keinem der beiden angedachten Standorte erfüllt.

Die Untere Naturschutzbehörde hätte nichts gegen den ursprünglich vorgesehenen Greifvogelpark in unmittelbarer Nähe zur Skater-Anlage, lehnt dagegen den vom Stadtparlament beschlossenen Platz unterhalb des Aussichtsturms ab. Um den Greifvogelpark überhaupt am Goldstein gründen zu können, wäre laut Patscha ein artenschutzrechtliches Gutachten unabdingbar. Eine solche Expertise zu erarbeiten, würde mindestens ein Jahr dauern und eine fünfstellige Summe verschlingen.

Unter dem Strich dürften die Pläne der Stadt gestorben sein. Wie der Fachbereichsleiter ankündigte, werde die Verwaltung die neue Situation schriftlich zusammenfassen und den Stadtverordneten an die Hand geben. "Wir werden die Argumente der Kreisbehörden weitergeben, aber keine Empfehlung aussprechen", sagt Patscha. Es sei allein Sache der Politik zu entscheiden, ob die Skater-Anlage oder der Greifvogelpark Vorrang haben sollen.

Ernst Marscheck und Stefan Zwätz sind enttäuscht über die neueste Entwicklung, aufgeben wollen sie allerdings noch nicht. Vor allem den Standpunkt des Veterinäramts kann Zwätz nicht nachvollziehen. Wie die Behörde argumentiere, würden die Greifvögel durch die Geräusche der Skater-Anlage empfindlich gestört. "Was ist denn dann mit den Vögeln, die ohnehin im Goldsteinpark leben?", fragt Zwätz. Würden diese Tiere nicht gestört, nur Habicht, Bussard & Co.?

Die Stadtverordneten können sich frühestes in der ersten Sitzung nach der Sommerpause, die im September ansteht, mit dem Thema beschäftigen. In der Vergangenheit hatte sich die UWG, die derzeit die größte Fraktion stellt, vehement für den Greifvogelpark eingesetzt. Das gibt Marscheck und Zwätz Hoffnung. Sie wollen sich jetzt an den UWG-Koalitionspartner CDU wenden, um noch einmal für ihre Sache zu werben. Ob die Politik die Skater-Anlage tatsächlich aufgeben wird, erscheint aber fraglich. Dafür einen anderen Standort zu finden, dürfte schwierig sein. Zudem hat der Lions Club zugesagt, die Investitionskosten von rund 100 000 Euro komplett zu übernehmen.

Zwätz verweist dagegen auf bereits bestehende Anlagen in Nieder-Mörlen und Friedberg.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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