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Die Stadt noch attraktiver machen?

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Von: Jürgen W. Niehoff

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laf_Mobilitaet_060722_4c © Jürgen W. Niehoff

Bad Nauheim (jwn). Ist das neue kommunale Mobilitätskonzept bereits rund und enthält alle wesentliche Wünsche der Bürger? Eine zweite Bürgerversammlung zu diesem zentralen Thema sollte am Montagabend darüber Auskunft geben. Dass die Mobilitätsentwicklung der Stadt auch den Bürgern unter den Nägeln brennt, zeigte die sehr gute Beteiligung am Montagabend im großen Saal der Trinkkuranlage.

Rund 80 Bürger waren der Einladung gefolgt.

Die Entwicklung des Mobilitätskonzepts startete vor gut einem Jahr. Im Juli 2021 wurde eine Online-Bürgerbefragung rund um das Thema Mobilität durchgeführt. Erste Ergebnisse dieser Befragung wurden bereits im Oktober 2021 im Rahmen eines digitalen Bürgerforums präsentiert. Ende des Jahres begannen Fachplaner damit, die zahlreichen Anregungen aus der Stadtgesellschaft zu analysieren und prüften ihre Umsetzbarkeit vor Ort. Gemeinsam mit der Politik und den Interessenverbänden wurde im Anschluss eine strategische Zielrichtung entwickelt sowie ein detaillierter Maßnahmenplan erstellt.

Mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität

Den stellte der Stadt- und Verkehrsplaner Felix Kühnel vom Kasseler Planungsbüro Plan:mobil zunächst vor. Mit seiner Umsetzung sollen die Erreichbarkeit unterschiedlicher Orte gesichert, der Rad- und Fußverkehr gestärkt, die Verkehrsbelastung durch Fahrzeuge reduziert, die Verkehrssicherheit verbessert und Alternativen geschaffen werden. »Ziel ist es, die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Bad Nauheim weiter zu verbessern«, fasste Kühnel das Konzept kurz zusammen. Bei seiner Erstellung hatten sich vier Themenkomplexe fast von allein ergeben, nämlich die Bereiche Fußgänger, Autofahrer, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Fahrradverkehr. Von der Bürgerversammlung erwartete sich Kühnel nun letzte Anregungen und Wünsche. Das Konzept soll dann im September der Stadtverordnetenversammlung zur Diskussion und zur Annahme vorgelegt werden.

Um den Bürgern die Positionen der verschiedenen Fraktionen zu dem Mobilitätskonzept offenzulegen, mussten sich an diesem Abend zunächst deren Vorsitzende zu dem Konzept äußern. Ihre Stellungnahmen reichten von: »So ein Konzept taugt eher für eine Großstadt, als für eine so kleine Stadt wie Bad Nauheim, deren Außengrenzen gerade einmal fünf Kilometer auseinanderliegen« (FWG-Sprecher Markus Theis) bis hin zum Standpunkt der Grünen, die ein Zurückdrängen des Individualverkehrs zugunsten des ÖPNVs fordern. »Das nützt der Gesundheit aller«, sagte die Grünen-Sprecherin Claudia Kutschker. Manfred Jordis (CDU) zielte für seine Fraktion vor allem auf den Erhalt der Attraktivität der Stadt ab. Bei Verbesserungsmaßnahmen müsse darauf geachtet werden, dass die einzelnen Gruppen nicht gegeneinander ausgespielt würden. Und während Sinan Sert (SPD) sich für eine strategische Ausrichtung für die nächsten 20 bis 30 Jahre aussprach und deshalb besonderen Wert auf die Elektrifizierung legen wollte, forderte Benjamin Pizzaro (FDP) vor allem Mut für solche Maßnahmen, die der Verbesserung der Attraktivität der Stadt dienten.

Bei der anschließenden Fragerunde, die über zwei Stunden dauerte und an der sich sehr viele Bürger beteiligten, war einer der meist genannten Wünsche bessere Erreichbarkeit ohne zusätzliche Verkehrsbelastung. Vorgeschlagen wurde deshalb eine bessere Taktung des städtischen Busverkehrs, ein einheitliches Tarifsystem, beispielsweise mit der Nachbarstadt Friedberg, mehr Sicherheit für die Fahrradfahrer, autonomes Fahren, etwa für die Stadtbusse oder Verlängerung der S 6-Bahnlinie bis Bad Nauheim, sowie Carsharing-Stationen in den Wohngebieten.

Auf alle Fragen gab es eine Antwort vom Ersten Stadtrat Peter Krank, dem neuen Leiter der Stadtwerke Dr. Thorsten Reichel und von Planer Felix Kühnel. Zu einer Frage, nämlich zur Bezahlbarkeit all der Pläne der Stadt in naher Zukunft, ergriff dann Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) persönlich das Wort: »Wir sind die attraktivste Stadt der Region und das wollen wir bleiben. Dafür müssen Investitionen getätigt werden, die sich später wieder auszahlen werden. Dazu gehört die Umsetzung des Mobilitätskonzeptes mit dem Bau neuer Parkhäuser genauso wie der Ausbau des Krankenhauses oder der Therme. Auch der Bau eines neuen Eisstadions erhöht die Attraktivität der Stadt. Investitionsstopp bedeutet für mich in dieser Hinsicht Rückschritt. Allerdings darf man bei der Umsetzung all dieser Pläne nicht das richtige Augenmaß verlieren«, erläuterte Kreß.

Darüber wache im Übrigen schon die Kommunalaufsicht, die die Ausgaben auch genehmigen müsse. Trotzdem hakte die Bad Nauheimerin Dr. Ulla Stamm noch einmal nach, wie hoch denn der Schuldenstand der Stadt sei nach Bau der Therme und dem benachbarten Parkhaus. Erster Stadtrat Peter Krank: »80 Millionen Euro.«

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