Sehr süß, aber Welpen benötigen jede Menge Aufmerksamkeit. Das sollten potenzielle Hundebesitzer nicht unterschätzen, warnt Tierärztin Cornelia Renczes im aktuellen Teil ihrer Kolumne. ARCHIVFOTO: DPA
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Sehr süß, aber Welpen benötigen jede Menge Aufmerksamkeit. Das sollten potenzielle Hundebesitzer nicht unterschätzen, warnt Tierärztin Cornelia Renczes im aktuellen Teil ihrer Kolumne. ARCHIVFOTO: DPA

Familienzuwachs mit Fell

Coronazeit = Welpenzeit? Bad Nauheimer Tierärztin klärt auf

  • vonred Redaktion
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Viele Menschen sind derzeit coronabedingt viel zu Hause. Auch deshalb ist die Nachfrage nach Hundewelpen groß. Die Bad Nauheimer Tierexpertin Cornelia Renczes gibt einiges zu bedenken.

Die derzeit leider immer noch andauernde Pandemie hat unser Leben auf vielerlei Ebenen verändert und unterschiedlichste unerwartete Trends hervorgerufen. Einer davon ist die sprunghaft angestiegene Nachfrage nach Hundewelpen, von der Zuchtverbände und Hundezüchter berichten. Deshalb stellt sich die Frage nach den auslösenden Faktoren und der Sinnhaftigkeit dieser Modeströmung.

Durch Home Office, Kurzarbeit oder komplettes Erliegen der Arbeitstätigkeit verbringen viele Menschen viel mehr Zeit zu Hause als früher. Zudem sind die außerhäuslichen Freizeitangebote immer noch stark eingeschränkt und zwingen uns zur Selbstbeschäftigung in Haus und Natur.

Was liegt also näher, als sich in dieser Phase endlich den lange ersehnten vierbeinigen Hausgenossen anzuschaffen, für den bisher nicht genug Zeit und Energie vorhanden war.

Die ersten Wochen nach Einzug eines Hundebabys sind die aufwendigsten, allein die Erziehung zur Stubenreinheit ist ein "Fulltime- Job". Wenn dann doch mal ein Malheur passiert ist das im heimischen Büro weniger tragisch als auf fremdem Terrain. Dazu ist ein Hund in Zeiten des "Social Distancing" ein perfekter Begleiter. Er bietet nicht nur selbst Zuneigung an, sondern schafft auf den Gassi-Runden auch schnell neue Kontakte zu anderen, insbesondere wenn es sich um ein flauschiges Hundekind handelt.

Hoher Druck auf heimische Züchter

Auch die Kinder sind natürlich begeistert von einem neuen vierbeinigen Spielkumpanen, da auch für sie viele Beschäftigungsmöglichkeiten weggefallen sind. All diese Gründe haben zu einer explosionsartig gesteigerten Nachfrage bei Züchtern geführt, und das nicht nur bei den ohnehin sehr beliebten Familienhunderassen wie Golden oder Labrador Retrievern. Durch die geschlossenen oder viel strenger kontrollierten Grenzen wurde der illegale Welpenhandel erschwert, so dass der Druck auf heimische Züchter noch höher wurde.

Kein Tierleid unterstützen

Auch wenn all diese Gründe gut nachvollziehbar sind, bleibt die Anschaffung eines so anspruchsvollen Haustieres, wie es ein Hund nun einmal ist, eine Entscheidung für hoffentlich viele gemeinsame Jahre und muss wohlüberlegt sein. Ein guter Hundezüchter hat Welpen nicht vorrätig wie der Bäcker Brot, sondern hat nur von Zeit zu Zeit einen wohlgeplanten Wurf. Oft warten die zukünftigen Besitzer Monate, manche sogar Jahre, auf ihren Wunschwelpen, das schafft Zeit für sorgfältige Vorbereitung.

Auf keinen Fall sollte man aus dem spontanen Wunsch heraus, sofort einen Welpen haben zu müssen, ein Tier aus einer unseriösen Vermehrerquelle erwerben. Das ist die Unterstützung von Tierleid, insbesondere was die Haltung der Elterntiere betrifft.

Verantwortung bei den Erwachsenen

Irgendwann wird die Coronazeit zu Ende gehen, und wir werden zu unserem "normalen Leben" mit all seinen Aktivitäten zurückkehren. Haben wir dann immer noch für viele Jahre Zeit und Energie für den Hund? Leider muss auch die Kostenfrage in Betracht gezogen werden, gerade auch sehr große Rassen können mitunter auch großen finanziellen Aufwand bedeuten, da sie krankheitsanfälliger sind. Kinder verlieren meist das anfangs begeisterte Interesse am neuen Familienmitglied etwas, die Verantwortung für die Versorgung jedes Haustieres liegt aber ohnehin bei den Erwachsenen. Wenn alle Voraussetzungen aber erfüllt sind, steht der Anschaffung von Klein Lassie oder einem Baby-Kommissar Rex nichts mehr im Wege.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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