"Bürgerhaus der Altstadt" bleibt erhalten

Bad Nauheim (bk). Die Hiesbach-Carnevalisten und andere Kurstadt-Vereine können aufatmen: Das Sportheim bleibt langfristig als Begegnungsstätte der Altstadt erhalten. Das bestätigte Hans-Peter Schäfer, Geschäftsführer der Bad Nauheimer Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau), am Donnerstag auf WZ-Anfrage.

Das städtische Unternehmen, das in Kürze Eigentümer des Sportheims sein wird, hat bereits einen neuen Pächter für das Restaurant gefunden: Der Italiener Bruno Russo hat das gesamte Gebäude ab 1. November gemietet und wird dort ein Steakhaus eröffnen. Russo ist künftig auch für die Vergabe der Säle verantwortlich.

"Ein neuer Pächter, der den großen Saal bewirtschaftet, ist das A und O, um das Sportheim erhalten zu können", sagte Schäfer. Auf Russo, der in Gießen wohnt und bislang in einem bekannten Bad Nauheimer Hotel-Restaurant tätig war, sei er durch einen "glücklichen Zufall" gestoßen. Der Gastronom habe aus der Presse vom bevorstehenden Verkauf des altehrwürdigen, 1893 errichteten Gebäudes an die Wobau erfahren und sein Interesse bekundet. Deshalb könne die Sportheim-Gaststätte, die nach dem Tod des früheren Pächters seit dem Sommer nicht bewirtschaftet wird, überraschend schnell wiederbelebt werden.

Pächter vergibt die Säle

Nach Angaben des Wobau-Geschäftsführers hat Russo die komplette Immobilie samt Wohnung, Sälen und den zwei Kegelbahnen gemietet. Daraus ergibt sich laut Schäfer eine entscheidende Änderung: "War bisher die Stadt für die Vergabe der Säle an Vereine oder Privatleute zuständig, müssen sich Interessenten künftig an den Pächter wenden."

Russo kann frei entscheiden, ob er Saalmiete verlangt oder nicht. Bei größeren Veranstaltungen mit entsprechenden Umsätzen wie den Hiesbach-Sitzungen wird er vermutlich darauf verzichten. Wie der Wobau-Chef in diesem Zusammenhang erläuterte, sei die denkmalgeschützte ehemalige Turnhalle vor Jahrzehnten von einem Sportverein an die Stadt übergeben worden. Voraussetzung: Vereine sollten die Räumlichkeiten stets kostenlos nutzen können. Laut Schäfer hat diese Vereinbarung aber schon länger kein Gültigkeit mehr.

Der Geschäftsführer erhofft sich durch ein aktives Marketing des neuen Pächters eine deutliche Belebung des Sportheims, das bisher nicht ausreichend genutzt wird. "Zahlreiche Anrufer haben sich bei uns in den letzten Wochen nach der Zukunft des Sportheims und der Kegelbahnen erkundigt. Daran erkennt man das große Interesse der Bürger an dieser Begegnungsstätte", erklärte Schäfer.

Die Wobau hat die Verwaltung des Sportheims bereits übernommen, obwohl sie offiziell noch nicht Eigentümer ist. Nachdem der Haupt- und Finanzausschuss den Verkauf am Dienstagabend einstimmig abgesegnet hat, fehlt nur noch der notariell beurkundete Vertrag. Die Gesellschaft überweist 300 000 Euro an die Stadt. Das Gebäude befindet sich Schäfer zufolge in einem "durchaus guten Zustand", es müsse lediglich ein mittlerer fünfstelliger Betrag investiert werden.

Verkaufsvotum folgte Protest

Vor geraumer Zeit hatte das Stadtparlament im Rahmen der Haushaltskonsolidierung entschieden, das Sportheim zu veräußern. Die Stadt wollte die hohen Unterhaltungskosten nicht mehr bezahlen. Der Beschluss hatte Proteste ausgelöst, vor allem die Hiesbach befürchtete den Verkauf an einen privaten Investor und den Abriss des Gebäudes. Mit Bürgermeister Armin Häuser war bereits über die Konditionen gesprochen werden, unter denen die Faschingssitzungen in der Trinkkuranlage veranstaltet werden könnten. Diese Sorgen ist der Verein los, seine "Narrhalla" bleibt erhalten.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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