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Bewusst und fair essen in Bad Nauheim

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Von: Petra Ihm-Fahle

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hed_Alberti_Joachim2_170_4c © Petra Ihm-Fahle

Können Verbraucher vor dem Hintergrund steigender Preise überhaupt noch fair und verantwortungsvoll einkaufen? Zwei Veranstaltungen boten am Wochenende Anlass, sich inspirieren zu lassen.

Das ist aber teuer! So denken aktuell viele Verbraucher beim Einkaufen in Lebensmittelmärkten. Die Branche war einer der Gewinner der Pandemie - nun steigen die Preise wegen der Ukraine-Krise. Vielleicht ist gerade dieser Widerspruch ein Moment, um den fairen und bewussten Umgang mit Lebensmitteln noch ein Stück mehr in den Blickpunkt zu rücken.

»Möchten Sie etwas trinken?« Weltladen-Vorstandsmitglied Gudrun Alberti-Joachim zeigt auf die Packung mit Orangensaft aus Brasilien. »Hmm.« Das schmeckt nach dem Genuss der Schokolade »fairafric«, bei deren Herstellung die gesamte Wertschöpfungskette im Kakaoanbauland verbleibt.

Die Sonne scheint angenehm vor dem Geschäft in den Kolonnaden 15, gleich startet ein »fairer Stadtrundgang« mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Gerd Joachim. »Es geht darum, den Teilnehmenden einen anderen Blick auf die Läden und anderen Möglichkeiten des Einkaufs zu lenken«, erläutert er. Zu den Stationen gehören beispielsweise der Unverpacktladen und der Second Hand Shop.

Bundesweit steht der Weltladentag, der auf Samstag terminiert war, unter dem Motto »Mächtig unfair«. Dabei geht es um das Lieferkettengesetz, aber auch generell um den bewussten Einkauf. Zum Programm gehören auch Gesprächsrunden. Die Bad Nauheimer Bundestagsabgeordneten Natalie Pawlik (SPD) und Peter Heidt (FDP) sind unter den Gästen, interviewt durch Wolfgang Kessler und Dr. Helmut Francke, beide Vorstandsmitglieder des Weltladens. Einstiegsfrage für die Abgeordneten ist: »Haben Sie manchmal mit dem Weltladen Bad Nauheim zu tun?« Pawlik nickt, sie hat schon öfters dort eingekauft, wie sie erzählt. Heidt weist darauf hin, dass er und Pawlik aus der Kurstadt kommen. Im Bundestag sitzt Heidt im Ausschuss für Menschenrechte, Pawlik im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft. So betrachtet sei Bad Nauheim, was den Blick auf fairen Handel und bewussten Umgang mit Lebensmitteln betreffe, gut in Berlin vertreten. Die zwei Abgeordneten stellen in Aussicht, Anregungen aus dem Weltladentag mit nach Berlin zu nehmen: Beispielsweise die Idee, Mehrwertsteuer für fair gehandelten Kaffee zu streichen und nachzuforschen, ob der Kaffee in der Bundestagskantine aus fairem Anbau stammt.

Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank (beide parteilos) stellen sich ebenfalls der Diskussion. Unter anderem gingen auch sie auf den fair eingekauften Kaffee im Rathaus ein. Die Milch besorge die Stadtverwaltung aus regionaler Herstellung. Wie Kreß schildert, haben die Beruflichen Schulen am Gradierwerk in der Fairtrade Stadt Bad Nauheim das Siegel »Fairtrade Schule«. Er betont: »Kinder und Jugendliche lernen das hier von Grund auf.« Laut Erstem Stadtrat Krank hat die Stadt die Essensversorgung in den Kitas so ausgeschrieben, dass der Caterer regional und fair gehandelte Produkte verarbeitet. Es geht um rund 1000 Mahlzeiten. »Wir bieten auch an, dass sich andere Träger daran beteiligen können, wenn sie wollen.«

»Kneipp-Honig« als Geschenk

Parallel zu dieser Veranstaltung ist der 15. Kneipp-Gesundheitstag terminiert, mit vielen Infos rund um die Gesundheit. Diesmal wird auch ein neues Projekt zur Ernährung präsentiert. Denn Imker Volker Frank spendete dem Verein ein Bienenvolk, das nun im Gesundheitsgarten summt und brummt. Auf seinem Grundstück in Wisselsheim hat er weitere Bienenvölker, zwei davon hat er der Stadt geschenkt und betreut sie weiter dort (diese Zeitung berichtete). Den Honig will er der Stadt schenken, die ihn für repräsentative Geschenke verwenden will. Ein anderer Teil soll zum »Bad Nauheimer Kneipp-Honig« werden. »Honig aus der Region ist eine großartige Idee. Es ist eine große Bereicherung für den Gesundheitsgarten - Bad Nauheim brummt«, lobt Kreß. Auch bei der Gestaltung und Bepflanzung hat der städtische Gärtnertrupp darauf geachtet, heimische Pflanzen, Kräuter, Wildblumen und Disteln zu pflanzen. Somit finden auch die Bienen genug Nahrung.

Mehr Zukunft, mehr Nachhaltigkeit

Ziel im Bad Nauheimer Rathaus ist es, Nachhaltigkeit auf einer strategischen Ebenen weiterzubringen. Dazu stellte die Stadt vergangenes Jahr Yuge Lei als Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. »Es ist schon viel passiert auf dieser Ebene, etwa mit der Fairtrade-Steuerungsgruppe. Wir haben vor, die bereits bestehenden einzelnen Bemühungen zusammenzutragen und eine weitere Wirkung zu erreichen«, erklärte sie beim Weltladentag. Daher arbeiten sie seit letztem Jahr an einer Nachhaltigkeitsstrategie. 2021 beantragte die Grünen-Fraktion eine Zukunftswerkstatt, was die Stadt Juli angehen will. »Da werden wir uns mit den Wünschen der Stadtbevölkerung befassen, um die Themen ganzheitlich zu betrachten. Bürgermeister Klaus Kreß nannte auch die intrakommunale Zusammenarbeit wichtig, im Konzern Stadt mit Stadtverwaltung, Stadtwerken, Wohnungsbaugesellschaft, Stadtmarketing, aber auch in den Schulen und Kitas: »Dass bestimmte Institutionen diesen Gedanken leben, denn es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.«

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